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Abgang von Niklas Süle trifft FC Bayern München - Nationalspieler bei Nagelsmann mehr als nur "brauchbar"
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Publiziert 02/02/2022 um 15:13 GMT+1 Uhr
Niklas Süle verlässt den FC Bayern München im Sommer ablösefrei. Karl-Heinz Rummenigge stichelte nun bei "Sky" und kritisierte, dass sich der 26-Jährige "nie richtig durchgesetzt" habe. Doch der Abgang trifft Julian Nagelsmann und den Rekordmeister hart: Wieder verliert der FC Bayern einen Innenverteidiger aus der Triple-Saison. Wieder geht ein Spieler wohl auch wegen mangelnder Wertschätzung.
Niklas Süle
Fotocredit: Getty Images
Im Sommer 2017 wechselte Niklas Süle an die Isar. 108 Bundesligaspiele hatte er für die TSG Hoffenheim bestritten, dort bereits unter Julian Nagelsmann gearbeitet. Zwei Begegnungen für die A-Nationalmannschaft hatte der Innenverteidiger bis dato absolviert und gerade mit der deutschen Auswahl in Russland den Confederations Cup gewonnen. Grund genug aus Sicht des FC Bayern München, 20 Millionen Euro für den damals 21-Jährigen in den Kraichgau zu überweisen.
"Ich weiß, was auf mich zukommt", sagte Süle bei seiner Ankunft gegenüber den vereinseigenen Kanälen, "ich möchte den nächsten Schritt in meiner Karriere machen". Fünf Jahre später schließt sich sein Kapitel in der bayrischen Landeshauptstadt. Wie in der vergangenen Woche bekannt wurde, verlässt der Rechtsfuß den Rekordmeister nach dieser Saison ablösefrei. Ein Angebot des Tabellenführers zur Vertragsverlängerung schlug er aus.
Der ehemalige Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge sieht in dem Abgang von Süle allerdings keinen großen Verlust für den Rekordmeister. "Das Problem ist, dass er sich nie richtig durchgesetzt hat auf seiner Position", stichelte der 66-Jährige bei "Sky" und bezeichnete Süle lediglich als "brauchbaren Spieler".
Mit Blick auf die Konkurrenten Dayot Upamecano und Lucas Hernández kritisierte Rummenigge: "Wenn man die beste Mannschaft aufstellt, ist er im Moment nicht dabei. Das ist etwas, was er sich vielleicht auch mal überlegen sollte."
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Niklas Süle
Fotocredit: Getty Images
Süle häufig aus den eigenen Reihen kritisiert
Das Nachtreten seines ehemaligen Vorgesetzten steht sinnbildlich für die Zeit des 26-Jährigen in München. Nie schien Süle richtig im Verein angekommen zu sein, häufig wurde er aus den eigenen Reihen kritisiert - gerade von Rummenigge.
Nach der 1:2-Pleite bei Eintracht Frankfurt im vergangenen Februar ging der damalige Bayern-Boss seinen Innenverteidiger im "Sportstudio" wegen eines Gegentreffers an. "Ich sehe es in diesem speziellen Fall einfach anders. Für so ein Tor angemahnt zu werden, egal von wem, das stört mich", schoss Süle in der "Süddeutschen Zeitung" zurück.
Oft wurde Süle, der sich einst als "Lebemann" bezeichnete, für sein Gewicht kritisiert. Im November 2020 hatte der damalige Trainer Hansi Flick Süle vor dem Spiel gegen Werder Bremen auf die Tribüne verbannt. "Er hat Trainingsrückstand", erklärte der heutige Bundestrainer auf der Pressekonferenz vor dem Spiel.
Wie die "Bild" berichtete, sei man an der Säbener Straße unzufrieden mit seinem Gewicht gewesen. "Irgendein Schwätzer hat das gestreut - und die Leute übernehmen das. Es stimmt aber nicht", wehrte sich Süle in der "Süddeutschen Zeitung".
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Bayern-Boss Kahn bestätigt: Süle "möchte den Verein verlassen"
Quelle: Perform
Mangelnde Wertschätzung ein Grund für die Trennung
Doch offenbar war mitunter die fehlende Rückendeckung der Verantwortlichen nun ein Grund dafür, dass Süle seinen Vertrag in München nicht verlängern wollte. Im September hatte der Verteidiger gesagt, "ich weiß, was ich an dem Klub habe. Ich weiß aber auch, dass es bei solchen Entscheidungen immer um Vertrauen geht", und fügte vielsagend an: "Um das Vertrauen von mir in den Klub, vor allem aber auch umgekehrt."
Vertrauen und Wertschätzung werden dieser Tage nicht nur, aber auch in Geld ausgedrückt, wie Rummenigge gegenüber "Sky" anmerkte. Doch früh hatte Bayern-Präsident Herbert Hainer in Bezug auf Süles Forderungen klargestellt: "Es ist auch legitim, dass wir als Klub sagen, wir sind nicht mehr bereit, dieses Geld zu bezahlen."
Einzig Bayern-Trainer Nagelsmann, der Süle schon in Hoffenheim in der Jugend und in der Bundesliga betreute, machte sich in den vergangenen Wochen für einen Verbleib stark, betonte allerdings auch stets, sich nicht "in die vertraglichen Themen einzumischen".
Die öffentliche Kritik von Rummenigge über einen Spieler, der noch bis zum 30. Juni Teil des Klubs ist, stellt die mangelnde Wertschätzung einmal mehr unter Beweis. Gleichzeitig zeigt die emotionale Reaktion des Ex-Chefs, dass der Rekordmeister in Süle eben doch mehr als nur einen "brauchbaren" Verteidiger verliert.
Henkelpott nach Kreuzbandriss
Die Triple-Saison 2019/2020 begann der Nationalverteidiger als unangefochtener Stammspieler, absolvierte die ersten sieben Ligaspiele allesamt über 90 Minuten. Dann bremste Süle erneut eine schwere Verletzung aus: Im Spiel gegen den FC Augsburg riss er sich das Kreuzband im linken Knie. Zum zweiten Mal. Ein schwerer Schlag für den damals 24-Jährigen. Bereits 2014 hatte er sich einen Kreuzbandriss im selben Knie zugezogen.
Doch nur zehn Monate später stand Süle im Champions-League-Finale gegen Paris Saint-Germain (1:0) wieder auf dem Feld (Eurosport-Note 2). Gemeinsam mit David Alaba hielt er gegen Kylian Mbappé und Neymar das Tor sauber und gewann den Henkelpott. Nicht unbedingt ein Indiz für eine unprofessionelle Arbeitseinstellung.
Im Gegenteil: Süle zeigte sich zunehmend selbstreflektiert, sagte in der Bayern-Dokumentation bei "Amazon Prime" offen: "Ich bin ein Spieler, der auch einmal klare Ansagen braucht."
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Niklas Süle im Champions-League-Finale gegen Kylian Mbappé
Fotocredit: Getty Images
Süle glänzt unter Nagelsmann
Gerade in dieser Saison unter Nagelsmann blühte Süle nun abermals auf. Sofern gesund, stand der Innenverteidiger in jedem Pflichtspiel auf dem Feld. Drei Mal half er auf der rechten Abwehrseite aus. Auch in ungewohnter Rolle überzeugte er, bekam von den Fans liebevoll den Spitznamen "Sülinho" verpasst.
Seit der Winterpause spielte er in allen drei Bundesligaspielen über die volle Distanz. Mit 66 Prozent gewonnenen Zweikämpfen hat er die viertbeste Quote der Bundesliga. Auch in der Spielauslösung nahm der 26-Jährige eine herausragende Entwicklung. Mit starken 92 Prozent angekommenen Zuspielen bringt er in der laufenden Saison ligaweit die drittmeisten Pässe zum Mann. Unter Nagelsmann, der häufig zwischen einer Dreier- und Viererkette wechselt, ist der Verteidiger mit seiner Variabilität nahezu unverzichtbar.
In der neuen Saison muss der Bayern-Coach nun aber auf eine neue Säule bauen. Doch nicht nur Nagelsmann trifft der Verlust: Auch in der Kabine soll Süle sehr beliebt sein. Der Innenverteidiger kennt große Teile des Teams seit vielen Jahren, spielte bereits in den Jugendnationalmannschaften mit Joshua Kimmich, Serge Gnabry, Leon Goretzka oder Leroy Sané.
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Nagelsmann: "Süle führt sicher Wechselgespräche"
Quelle: Perform
Süle-Abgang trifft Bayern
"So etwas kann man nicht planen. Wir haben damals nicht gesagt, wie geil wäre es, wenn wir alle mal bei Bayern München spielen und die Champions League gewinnen", schwärmte Süle in der Dokumentation. Nun endet die gemeinsame Reise.
Binnen eines Jahres verlässt die Bayern nach Jerome Boateng und Eigengewächs David Alaba auch der dritte Innenverteidiger aus der Triple-Saison ablösefrei. Abermals verliert der Rekordmeister, der seit jeher die besten Fußballer aus dem eigenen Land bei sich vereinen möchte, einen deutschen Nationalspieler. Nicht zum ersten Mal geht ein Spieler offenbar wegen mangelnder Wertschätzung.
Süle zieht es im Sommer wohl ins Ausland. Bereits 2019 hatte er gegenüber "Spox" erklärt, die Premier League sei "eine der Ligen, in denen ich unbedingt mal spielen will". Zuletzt war er mit dem FC Chelsea, Newcastle United und dem FC Barcelona in Verbindung gebracht worden.
Fünf Jahre nach dem Transfer an die Isar steht Süle vor dem nächsten Karriereschritt. Für den Innenverteidiger kann das nur gut sein.
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