Der LIGAstheniker: Der FC Bayern ist zu groß für die Bundesliga - eine Liga verzwergt sich selbst

Der FC Bayern schießt Leverkusen aus dem eigenen Stadion (5:1) und zeigt eine Dominanz, die man selbst vom Rekordmeister in dieser Art nur selten gesehen hat. Dass die Münchner seit Jahren in einer eigenen Liga unterwegs sind, kann für den FCB bald zur Gefahr werden. Die Liga ist bereits zu klein für die Bayern und vielleicht auch bald aus finanzieller Sicht. Ein Kommentar von Thilo Komma-Pöllath.

Der FC Bayern macht mit Bayer Leverkusen kurzen Prozess

Fotocredit: Getty Images

Liebe Fußballfreund/innen, dass die Liga ein Strukturdefizit hat, das so groß ist wie das Ozonloch in den 1990er-Jahren, dürfte nach diesem achten Spieltag selbst derjenige erkannt haben, der den menschengemachten Liga-Wandel leugnet.
An der Tabelle ist das eher noch nicht abzulesen, da scheint alles noch möglich. Die Bayern vor Dortmund und Leverkusen, auch punktemäßig alles noch so dicht beieinander, dass man sich immer noch was vormachen kann.
Darin ist man ja geübt.
Wer die erste Hälfte zwischen dem selbst ernannten Bayern-Verfolger Leverkusen und den sich und seine Erfolge selbst verfolgenden FC Bayern gesehen hat (zur Halbzeit: 0:5), kommt zu einem völlig anderen Ergebnis.

"In einer anderen Liga"

Die Kollegen der "Sportschau"-Redaktion von der "ARD", die gewöhnlich nicht zu steilen Thesen und hymnischen Überhöhungen neigen, haben sich schon ein Gesamturteil gebildet: Die Bayern spielen in einer "anderen eigenen Liga und sind zu stark für die Bundesliga".
Tatsächlich ist das gar keine steile These, sondern die ziemlich realistische Zustandsbeschreibung einer sportlichen Situation, die so eigentlich kaum noch tragbar ist.
Die Bundesliga, wir erinnern uns, wirbt seit Jahren damit, dass man vielleicht nicht die größten Stars an Land ziehen könne, dafür aber die interessanteste, weil sportlich ausgeglichenste Fußball-Liga Europas sei. Diesen Unsinn glaubt heute nicht mal mehr die DFL selbst.

Die Bundesliga und ihr Defizit

Die Bundesliga hat ein Struktur- und Verortungsproblem. Wenn Bayern-Trainer Julian Nagelsmann nach dem Leverkusen-Spiel sagt, er habe "viel Struktur" gesehen, dann spricht er diese Struktur Leverkusen und dem ganzen Rest im gleichen Atemzug ab.
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Julian Nagelsmann - FC Bayern

Fotocredit: Getty Images

Mitte der Woche hatte Nagelsmann ein Interview mit der Funke-Gruppe genutzt, um die schwächelnde Liga-Performance aufzupäppeln. Er redete den BVB stark und sprach von einem einzigartigen aufregenden Emotionsfußball, der dem Messi-Mbappé-Ronaldo-Transferwahn der anderen Ligen etwas entgegensetzen könnte. Fast hätte man geglaubt, dass das auch funktionieren könnte.

Peinlich berührte Bayern

Dumm nur, dass Nagelsmann seiner eigenen Powerpoint-Liga-Zukunftsschau keinen Glauben schenkt. Wenn er nicht Meister werde, werde man mit dem Finger auf ihn zeigen, so Super-Julian, "der Erste, der es seit neun Jahren nicht geschafft hat". Mit anderen Worten: Es ist den Bayern schon am achten Spieltag peinlich, wenn sie am Ende nicht Deutscher Meister werden angesichts der vor sich hin kriechenden Konkurrenz.
Aus Dortmund, Leipzig oder Leverkusen kam nichts - keine Widerrede, keine Empörung ob der Anmaßung aus dem Freistaat. Offensichtlich sehen sie es genauso. Sagt das nicht viel aus über die sportliche Konkurrenzbefähigung der unmittelbaren Bayern-Verfolger? Vom ganzen Ligarest ganz zu schweigen.
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Nagelsmann begeistert von Bayerns Gala-Auftritt: "Extreme Schritte"

Quelle: Perform

Fürth klingt nach Regionalliga

Nehmen wir nur mal die Partien vom Wochenende: Augsburg gegen die Arminia (1:1) oder Greuther Fürth gegen Bochum (0:1) - gefühlt und budgettechnisch klingt das alles nach Regionalliga. Und ich meine das gar nicht despektierlich.
Dass diese Klubs in der ersten Liga spielen, kann man ihnen kaum höher anrechnen. Das Problem ist vielmehr, dass die Liga mit dem, was sie vorhat, mit Arminia, VfL und Greuther gar nichts anfangen kann.
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Dayot Upamecano (links) und Robert Lewandowski - FC Bayern

Fotocredit: Getty Images

Am Wochenende war ein Kommentator zu hören, der offensichtlich ausgerechnet hatte, dass der Fürther Gesamtetat gerade einmal acht Monate ausreichen würde, um einen wie Robert Lewandowski bezahlen zu können.
Beide Mannschaften - Fürth wie Bayern - stehen aber in einem direkten Konkurrenzverhältnis. Wie soll das gehen?

Kahns Zwickmühle

Tatsächlich stecken die Bayern in einer Zwickmühle, aus der sie ohne Schrammen an der selbst projizierten Thomas Müllerschen Gutmenschenartigkeit kaum herausfinden werden. Für die Bayern ist diese sich selbst verzwergende Liga sportlich, vor allem aber betriebswirtschaftlich viel zu klein geworden, um dauerhaft ihren internationalen Ambitionen gerecht zu werden.
Die logische Entwicklung des Rekordmeisters wäre die Super League, die die Münchner selbst bisher ablehnen, die aber, das glauben fast alle Kommentatoren und Experten, irgendwann trotzdem kommen wird. Die Initiatoren dieser Liga, die im April 2021 öffentlich wurde und auf hasserfüllte Ablehnung stieß, machten gerade erst beim EU-Parlament schön Wetter für ihre Reformpläne.
Die Bayern unter Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge taten noch so, als wäre das Teufelszeug. Die Bayern unter Oliver Kahn sehen das vielleicht heute schon ganz anders. Kahns Hashtag nach dem 5:1 in Leverkusen lautete: #WeiterImmerWeiter.

Zur Person Thilo Komma-Pöllath:

Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog "Der LIGAstheniker" das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.
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Nagelsmann verteilt Sonderlob an Bayern-Star: "Beste Saisonleistung"

Quelle: Perform

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