FC Bayern mit Schützenfest zur Herbstmeisterschaft - Stuttgarter Schönmalerei zeigt das Bundesliga-Problem

Der FC Bayern hat die Bundesliga-Herbstmeisterschaft in beeindruckender Manier unter Dach und Fach gebracht. Obwohl die Münchner am Dienstag auf etliche arrivierte Kräfte verzichten mussten, zerlegte das Team von Julian Nagelsmann den VfB Stuttgart beim 5:0 in Einzelteile. Umso mehr überraschte im Anschluss das positive Fazit der Schwaben. Jene Schönmalerei zeigt das große Problem der Bundesliga.

Marc-Oliver Kempf (VfB Stuttgart) nach der Pleite gegen den FC Bayern

Fotocredit: Getty Images

Die Spieler des VfB Stuttgart trotteten entnervt über den Rasen der Mercedes-Benz-Arena.
Obwohl sich die Mannen von Trainer Pellegrino Matarazzo am Dienstagabend gegen den FC Bayern lange gewehrt hatten, stand am Ende ein ebenso deutliches wie ernüchterndes 0:5 (0:1) auf der Anzeigetafel und damit saisonübergreifend die fünfte Niederlage in Serie gegen den deutschen Rekordmeister.
"Unter dem Strich haben wir heute zu viele Fehler gemacht - und diese einfachen Fehler werden in einem Spiel gegen den FC Bayern gnadenlos bestraft. Insofern geht die Niederlage so in Ordnung", konstatierte der sichtlich enttäuschte VfB-Angreifer Philipp Förster bei "Sky". Schlussmann Florian Müller ergänzte: "Wenn man solche Geschenke verteilt, tut es weh - weil es vermeidbar war."
In der Tat luden die Schwaben die Gäste speziell in Halbzeit zwei förmlich zum Toreschießen ein. Spätestens nachdem die Münchner dem Doppelpack des gebürtigen Stuttgarters Serge Gnabry (40./53.) nach 69 Minuten in Person von Robert Lewandowski den dritten Treffer nachfolgen ließen, fiel der VfB komplett auseinander. Abermals Lewandowski (72.) und Gnabry (74.) machten das Stuttgarter Debakel perfekt.
Dabei hatten die Hausherren in der einen oder anderen Szene sogar noch Glück, dass die Heimpleite nicht noch höher ausfiel.

VfB-Analyse sorgt für Verwunderung

Umso überraschender fiel im Anschluss die Analyse der VfB-Verantwortlichen aus. "Ich glaube, es gibt viel Positives, das wir mitnehmen können", erklärte Trainer Matarazzo am "ARD"-Mikrofon und betonte: "Die ersten 52 Minuten waren positiv, wir haben gut mitgehalten, gut verteidigt, guten Fußball gespielt."
Durchaus gewagte Thesen nach einer 0:5-Klatsche.
Ähnliche Töne wie der VfB-Coach schlug auch Sportdirektor Sven Mislintat an. "Wir sind gut aus der Kabine gekommen bis zur 60. Minute, das 2:0 war der erste Dämpfer. Dann waren wir eher am 2:1 dran, aber die Bayern sind dann eiskalt. Mit dem 3:0 wird es leider 20 Minuten lang eine Lehrstunde, dann plätschert das Spiel aus. Das ist mit individueller Klasse und unfassbarer Qualität auf dem Platz zu erklären. Das macht in diesen Spielen den Unterschied, da müssen wir uns nicht für schämen", analysierte der ehemalige Dortmunder Chefscout.
Angesicht einer insgesamt indiskutablen Defensivleistung wäre ein wenig mehr Selbstkritik an manchen Stellen doch wünschenswert gewesen. Insbesondere, wenn man einen genauen Blick auf die Personalsituation des FC Bayern wirft.
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Quelle: Perform

Bayern ersatzgeschwächt - doch für die Liga reicht es

Im zentralen Mittelfeld fehlten den Münchnern am Dienstagabend neben den beiden Leistungsträgern Joshua Kimmich (Infiltration in der Lunge) und Leon Goretzka (Patellasehne) auch noch Marcel Sabitzer (Wadenprobleme) und Corentin Tolisso (Oberschenkel).
Aufgrund des personelles Engpasses bildeten in Stuttgart daher Youngster Jamal Musiala, seines Zeichens gelernter Spielmacher, und Marc Roca, der in der bisherigen Saison gerade einmal 78 Minuten zum Einsatz kam, die Doppelsechs.
Gerade letztgenannter machte seine Sache jedoch sehr ordentlich und heimste dafür sogar ein Sonderlob von Trainer Julian Nagelsmann ein. "Dass er fußballerische Qualität hat, wissen wir. Aber die Art und Weise hat mir imponiert. Er hat gekämpft und Gas gegeben. Marc hatte einen sehr großen Einfluss auf unser Spiel. Das war inhaltlich eine herausragende Leistung", schwärmte der 34-Jährige im Anschluss von seinem Schützling.
Dennoch ist nicht von der Hand zu weisen, dass es sich bei der Auswahl im Mittelfeld-Zentrum eher um eine Notlösung gehandelt haben dürfte.
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Serge Gnabry (l.) und Marc Roca vom FC Bayern

Fotocredit: Getty Images

Bayerns Kader vor der Saison in der Kritik

Bereits vor der laufenden Spielzeit wurden kritische Stimmen am Kader des deutschen Rekordmeisters laut.
"Sky"-Experte Lothar Matthäus behaupte im August gegenüber "Sport Bild" gar, dass sowohl RB Leipzig (aktuell Tabellen-9.) als auch Borussia Dortmund (2.), Borussia Mönchengladbach (13.), Bayer Leverkusen (3.) und der VfL Wolfsburg (11.) in der Breite besser aufgestellt wären wie der FC Bayern.
Beim Blick auf die gegenwärtige Bundesliga-Tabelle, die der frischgebackene Herbstmeister mit nunmehr neun Punkten Vorsprung auf den BVB (bei einem ausstehenden Spiel) anführt, können etwaige Behauptungen getrost ins Reich der Fabel verwiesen werden.
Fakt ist, der FC Bayern ist selbst ersatzgeschwächt den meisten Vereinen im deutschen Oberhaus qualitativ deutlich überlegen. International ist der Champions-League-Sieger von 2020 dagegen auf seine Leistungsträger angewiesen, um ein Wörtchen um den Henkelpott mitreden zu können.
So bleibt dem VfB Stuttgart der (zugegeben) schwache Trost, dass es noch einigen anderen Bundesliga-Teams ähnlich ergehen wird wie den Schwaben am Dienstagabend.
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Quelle: Perform

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