Borussia Dortmund als Jäger des FC Bayern mit neuem Selbstbewusstsein: "Wir sind in Dortmund, um was zu gewinnen"

"Unser Ziel ist, Meister zu werden", ließ BVB-Angreifer Maximilian Beier vor einer Woche verlauten. "Wichtig ist, an Bayern dran zu sein", betonte Rückkehrer Nico Schlotterbeck nun nach dem 1:0-Erfolg über den VfL Wolfsburg. Es ist zu spüren, dass der starke Start beim BVB ein neues Selbstbewusstsein hervorgebracht hat - ist Borussia Dortmund schon weit genug, um den FC Bayern zu jagen?

Kovac: "Als Spitzenmannschaft muss man gewinnen"

Quelle: Perform

Es war kein einfacher Sommer für Sebastian Kehl: Der Sportdirektor von Borussia Dortmund musste sich in den vergangenen Monaten immer wieder den Vorwurf gefallen lassen, er würde auf dem Transfermarkt zu zurückhaltend agieren, die Möglichkeit auf gute Neuzugänge verschlafen.
Nun ist die Tabelle der Bundesliga, die den BVB mit zehn Punkten als Tabellenzweiten aufweist, nach vier Spieltagen noch nicht sonderlich aussagekräftig. Dennoch ist der sportliche Auftritt des achtfachen deutschen Meisters bisher eindrucksvoll - und gibt so auch seinem verantwortlichen Kader-Architekten Kehl recht.
Der 1:0-Erfolg über den VfL Wolfsburg am Sonntagabend steht zwar nicht alleine stellvertretend für den Aufritt von Borussia Dortmund in dieser Saison , hat aber gleich mehrere wichtige Erkenntnisse zu Tage gebracht: Der BVB kann auch enge Spiele über die Zeit bringen, der BVB kann die Null halten und es liegt im absoluten Selbstverständnis der Mannschaft, den Blick nach oben zu richten.
Es sei "wichtig, an den Bayern dranzubleiben", sagte Nico Schlotterbeck, der bei seinem Comeback nach Meniskusriss gleich wieder in der Startelf stand, am Mikrofon von "DAZN". Man sei ja schließlich in Dortmund, "um was zu gewinnen".

Borussia Dortmund wurde unterschätzt

Trainer Niko Kovac hat es nicht erst mit dem Beginn dieser Saison, sondern seit seiner Ankunft im Februar geschafft, der Mannschaft einen neuen Spirit zu verleihen. Innerhalb des Teams hat sich längst ein Titelhunger entwickelt, den Kovac im Stile eines Medienprofis, öffentlich mit deutlichen Worten einfing.
"Ich weiß nicht, ob er irgendwas getrunken hat in der Halbzeitpause, was ihm nicht ganz bekommt. Das werde ich ihm schon austreiben", hatte der BVB-Coach nach dem dritten Spieltag bei "Sky" als Reaktion auf die Meisteransage seines Offensivspielers Maxi Beier betont.
Die Wahrheit dürfte irgendwo in der Mitte liegen. Auch im Lager von Borussia Dortmund wird man sich der Stärke des FC Bayern bewusst sein. Andererseits wurden die Schwarz-Gelben vielleicht auch einfach unterschätzt.
Die Transferschwierigkeiten haben darüber hinweggetäuscht, dass Dortmund das zweitbeste Team der vergangenen Rückrunde war und mit Jamie Gittens im Grunde nur einen schmerzhaften Abgang zu verkraften hatte. In der öffentlichen Wahrnehmung schien etwa Eintracht Frankfurt dem BVB meilenweit enteilt zu sein. Die Realität ist nun eine andere.

Kontrollverlust ist die größte BVB-Baustelle

Nach vier Spieltagen grüßt Dortmund mit zehn Punkten und entsprechend ungeschlagen vom zweiten Platz. Das gleichzeitig spektakuläre wie - aus Dortmunder Sicht - bittere 3:3 gegen den FC St. Pauli am ersten Spieltag verhinderte die perfekte Zwischenbilanz.
Danach folgte ein überlegener 3:0-Sieg über den 1. FC Union Berlin, ein glanzloses 2:0 gegen den 1. FC Heidenheim und nun eben das 1:0 über den VfL Wolfsburg. Es sind nicht die Kantersiege, die die Schwarz-Gelben dieser Tage am Fließband einfahren, aber es ist souverän. Im Stile eines Top-Teams.
Dafür steht Trainer Kovac, der nicht nur eine neue Mentalität mitbrachte, sondern mit der Dreierkette eine neue defensive Sicherheit implementierte. Die hielt immer dann, wenn es am Ende des Spiels nicht zu wild wurde, wie eben gegen St. Pauli oder beim 4:4 zum Champions-League-Auftakt gegen Juventus Turin.
Eine Problematik, die es zu lösen gilt. Das gehört zum "Erwachsenwerden" dazu, wie Gregor Kobel es nach dem Spiel gegen Juventus nannte.

Kovac hat die Neuzugänge noch in der Hinterhand

Noch einmal zurück zu Sportdirektor Kehl: Gegen Wolfsburg stand keiner seiner Neuzugänge in der Startelf. Das klingt deutlich negativer, als es ist. Denn zum einen zeigt es, dass Kehl mit seiner Zurückhaltung doch nicht so falsch lag und zum anderen lässt es erahnen, dass dieser BVB-Kader noch reichlich Potenzial hat.
Gegen Wolfsburg blieb Jobe Bellingham nur die Rolle als Joker.

Gegen Wolfsburg blieb Jobe Bellingham nur die Rolle als Joker.

Fotocredit: Getty Images

Jobe Bellingham, Carney Chukwuemeka, Stürmer Fábio Silva oder der ausgeliehene Aarón Anselmino könnten in den kommenden Monaten noch zu ernsthaften Optionen werden. Ein breiter Kader ist in Zeiten der englischen Wochen ohnehin unabdingbar.
Taugt der BVB also zum Meisterschaftsanwärter? Angesichts der Bayern-Dominanz hängen die Trauben für den ganz großen Wurf wohl zu hoch. In der Rolle des Bayern-Jägers hingegen scheint der BVB mental längst angekommen zu sein - das gilt es nun zu bestätigen.
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Werner zu Werner: "Andere haben aktuell die Nase vorn"

Quelle: Perform


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