Ilkay Gündogan wusste genau, wo er den Ball hinhaben wollte.
Perfekter Laufweg, die Augen immer auf den Ball, Phil Foden servierte maßgenau – schon war der Ball drin (18.).
Das 2:0 von Manchester City war große Kunst – weil es so einfach aussah. Auch wie Gündogan abschloss: Fast streichelte er den Ball mit einem kurzen Kontakt an Gladbach-Keeper Yann Sommer vorbei.
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Für Gündogan war es bereits das 15. Pflichtspieltor für die Citizens, sein elftes gar in den letzten 19 Einsätzen. Nimmt man alle Pflichtspiele der Skyblues diese Saison zusammen, hat keiner häufiger getroffen als der Mittelfeldspieler – die beiden Mittelstürmer Gabriel Jesus (12) und Sergio Agüero (3) kommen gerade mal gemeinsam auf die Gündogan-Marke.
Nicht nur das: In Europas Top-Fünf-Ligen ist er damit sogar der treffsicherste Deutsche vor Kevin Volland (14, AS Monaco).

Gündogans Wichtigkeit lässt sich nur selten in Zahlen ausdrücken

Gegen Gladbach hatte Gündogan schon am 1:0 von Kevin De Bruyne (12.) tatkräftig mitgewirkt. Sein öffnender Pass auf den rechten Flügel war es, der die Gladbacher Defensive in Unordnung brachte und letztlich den Raum für den schussstarken Belgier öffnete.
Statistisch hielt sich der deutsche Nationalspieler mit der ausnehmenden Form bis zu seiner Auswechslung (70.) sonst sogar etwas zurück. 79 Ballaktionen, 91,7 Prozent Passquote, zwei abgefangene Bälle, siebenmal den Ballbesitz verloren, ihn aber genauso oft wiedererlangt – alles gute, aber keine überragenden Werte.
Gündogans Wichtigkeit für das Spiel der Citizens lässt sich allerdings selten in Zahlen ausdrücken – außer, wenn er so konstant trifft wie eben jetzt.
Auf welch hohem Level der ehemalige Schalker, Bochumer, Nürnberger und Dortmunder schon seit Wochen spielt, zeigt die Tatsache, dass er in der Premier League zuletzt sogar zweimal in Folge zum "Player of the month" gewählt wurde.
Eine Ehre, die aus deutscher Sicht zuvor überhaupt nur Jürgen Klinsmann (als allererstem im August 1994) und Leroy Sané (Oktober 2017) zuteil wurde. Die Auszeichnung wird über eine Fanabstimmung durch das Votum eines Expertengremiums und der Stimmen aller Kapitäne der Premier League ermittelt.

Guardiola gerät ins Schwärmen

Auf Gündogan angesprochen, lobte Pep Guardiola den Deutschen am Dienstag schon fast in den Himmel. Die Tore seien nichts Besonderes, setzte der Spanier an. "Diesen Torinstinkt hatte er schon immer", erzählte er bei "Sky". Nein, da seien schon andere Faktoren herausragend an Gündogan.
"Er ist unglaublich spielintelligent, einer der intelligentesten Spieler, die ich je gesehen, je erlebt habe", geriet Guardiola richtig ins Schwärmen. Der Mann hat wohlgemerkt schon mit Spielern wie Lionel Messi, Xavi Hernández, Andrés Iniesta oder Xabi Alonso zusammengearbeitet.
"Er ist ein unglaublich netter Typ und ich werde meine gemeinsame Zeit mit ihm sicher nie vergessen", meinte der charismatische Coach schließlich noch.
Eine besondere Erklärung für Gündogans gesteigerte Trefferquote, der zuvor in seinen torreichsten Spielzeiten gerade mal auf sechs Pflichtspieltreffer kam (2017/18 und 2018/19), hatte Guardiola indes nicht: "Diese Saison läuft es einfach bei ihm."

Pep Guardiola (r.) und Ilkay Gündogan

Fotocredit: Getty Images

DFB-Team: Gündogan-Einsatz noch unsicher

Was sich ja vor allem auch für die deutsche Nationalmannschaft als großer Gewinn herausstellen könnte – schließlich steht im Sommer mit der EM ein großes Turnier an.
Für die WM-Qualifikationsspiele gegen Island (25.3.), Rumänien (28.3.) und Nordmazedonien (31.3.) wäre Gündogan eigentlich gesetzt – doch aufgrund der Coronapandemie droht den in England spielenden deutschen Legionären eine Quarantäne, was eine Nominierung unmöglich machen würde. Nach bereits 38 Pflichtspieleinsätzen 2020/21 für Verein und Land würde dem 30-Jährigen sicher auch eine Pause guttun.

Ilkay Gündogan - Manchester City vs. Borussia Mönchengladbach

Fotocredit: Getty Images

Dem gebürtigen Gelsenkirchener haftet im DFB-Trikot allerdings auch durchaus noch der Makel der Unvollkommenheit an; zwar führte er Deutschland im Oktober gegen Tschechien sogar erstmals als Kapitän aufs Feld, war aber in 42 Länderspielen seit 2011 selten über einen längeren Zeitraum gesetzt.
Beim 0:6 gegen Spanien im November ging Gündogan außerdem ebenso wehrlos unter wie seine Kollegen. Er hätte also etwas gutzumachen mit dem Adler auf der Brust. Die drei anstehenden Länderspiele sind schließlich auch die letzte Bewährungsprobe bis unmittelbar vor der EM.
Mit Blick auf die EURO muss sich Bundestrainer Joachim Löw angesichts der herausragenden Leistungen Gündogans für Manchester City ohnehin fragen, wie die DFB-Elf davon am besten profitieren könnte. Ob er sich allerdings traut, Toni Kroos für Gündogan zu opfern, bleibt abzuwarten.
Den hat Pep Guardiola übrigens auch schon trainiert.
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