Drei Dinge, die bei Dynamo Kiew gegen FC Bayern München auffielen: Lewandowski ist der Beste

Der FC Bayern München ist weiter auf dem Weg zur perfekten Gruppenphase in der Champions-League-Saison 2021/22. Bei Dynami Kiew gewinnt die Mannschaft von Trainer Julian Nagelsmann 2:1 (1:0) - der fünfte Sieg im fünften Spiel. Die Bedingungen im Schneegestöber von Kiew sind dabei alles andere als einfach, aber die Münchner können sich auf ihre Lebensversicherung verlassen. Was uns auffiel.

Robert Lewandowski erzielte sein 82. Tor im 101. CL-Spiel

Fotocredit: Getty Images

Corona hat den FC Bayern weiter fest im Griff. Niklas Süle und Josip Stanisic sind erkrankt und befinden sich in Isolation. Fünf Spieler, darunter Joshua Kimmich und Serge Gnabry, konnten die Reise aufgrund von Quarantänemaßnahmen nicht mitmachen. Immerhin soll sich in der Causa "ungeimpfte Bayernprofis" etwas getan haben.
Trainer Julian Nagelsmann reagierte zuletzt genervt auf das Thema, weil schlichtweg zu viele Interna nach außen drangen. Nagelsmann will das Sportliche wieder in den Mittelpunkt rücken, denn entscheidend ist immer noch auf'm Platz.
Das hat im Champions-League-Spiel bei Dynamo Kiew im Gegensatz zum letzten Auftritt in der Bundesliga beim FC Augsburg (1:2) ordentlich geklappt. Mit 15 Punkten aus fünf Spielen sind die Bayern nicht mehr von Platz eins der Gruppe E zu verdrängen.
Drei Dinge, die auffielen.

1. Lewandowski (mal wieder) wie vom anderen Stern

Karl-Heinz Rummenigge bezeichnete Robert Lewandowski neulich als den "besten Spieler der Welt" auf der Stürmerposition. Im Übrigen täte der FC Bayern gut daran, Lewandowski zu behalten, anstatt sich um Erling Haaland zu bemühen.
Nun ist Rummenigge nicht mehr in offizieller Funktion beim FC Bayern tätig, sein Wort hat aber noch Gewicht. Und Rummenigge liegt mit seiner Einschätzung über Lewandowski sicher auch nicht grundsätzlich daneben.
In Kiew wurde wieder mal deutlich, warum Lewandowski zumindest zu den Besten der Welt gehört. Der Pole hatte nicht viele Aktionen, aber wenn er involviert war, wurde es gefährlich. So wie in der 15. Minute beim Fallrückziehertor mit perfekter Ausführung, eine klare 10,0 in der B-Note.
"Lewys Tor war der mit Abstand schönste Moment des Spiels. Es macht einfach Spaß, ihm beim Fußballspielen zuzuschauen", freute sich Teamkollege Leon Goretzka.
Der Fallrückzieher war bereits Lewandowskis 25. Tor im 19. Spiel der laufenden Saison. Kein anderer Spieler in den fünf europäischen Topligen kommt auf mehr als 16.
Der 33-Jährige hat außerdem nun in neun aufeinanderfolgenden Champions-League-Spielen getroffen (14 Tore) und damit seinen persönlichen Rekord aus der Saison 2019/20 eingestellt. Eine derartige Serie haben in der Königsklasse nur Cristiano Ronaldo und Ruud van Nistelrooy hingelegt.
Lewandowski ist aber der erste Spieler, dem dies in der Champions League zweimal gelang. Wer solche Zahlen auflegt und solche Tore schießt wie in Kiew, darf auch mal als "bester Stürmer der Welt" bezeichnet werden. Ach ja: Kommende Woche wird der Ballon d'Or vergeben.

2. FC Bayern trotzt den schwierigen Begleitumständen

Der Winter hält Einzug in der Ukraine - so bedeckte eine halbe Stunde vor Spielbeginn eine mehrere Zentimeter dicke Schneeschicht den Rasen im Olympiastadion von Kiew. Zahlreiche fleißige Helfer legten Hand an und sorgten dafür, dass zum Anpfiff viel Grün zu sehen war.
Der FC Bayern musste in diesem Jahr bereits ein Champions-League-Spiel unter ähnlichen Bedingungen bestreiten. Im April fegte ein Schneesturm über München - pünktlich zum Viertelfinal-Hinspiel zwischen dem FC Bayern und Paris Saint-Germain (2:3). Damals wurden die Bayern von Kylian Mbappé in der ersten halben Stunde überrumpelt und lagen 0:2 zurück. In Kiew nahmen sie die ungünstigen Begleitumstände jedoch sofort an.
Den schwierigen Platzverhältnissen zum Trotz ließen die Gäste den Ball am Boden laufen, statt mit sich mit langem Hafer zu behelfen. Es dauerte keine 90 Sekunden, ehe Leroy Sané dem Kiew-Kasten erstmals gefährlich nahekam. Die Bayern traten vor allem in der ersten Halbzeit sehr dominant auf. Dynamo wurde tief in der eigenen Hälfte attackiert und so zu einigen Ballverlusten gezwungen.
Die Münchner erzielten zwei sehenswerte Treffer und hatten Kiew auch defensiv lange Zeit im Griff - allerdings nicht immer mit der nötigen Konzentration. Einmal schlug Manuel Neuer am Ball vorbei - was übrigens den Platzverhältnissen geschuldet war - und hatte Dusel, dass die Kugel an den rechten Pfosten prallte (29.).
Kurz vor der Pause foulte Lucas Hernández Vitaliy Buyalskyi, der Schiedsrichter ließ weiterspielen und auch der VAR griff nicht ein. Hätte er aber können - bei genauer Betrachtung der TV-Bilder war Hernández' Tritt auf den Fuß klar zu erkennen.
Für Hernández hatte die Szene dennoch Folgen, in der Halbzeit musste Nagelsmann, dem ohnehin schon neun Spieler fehlten, umstellen.
"In der Pause mussten wir wechseln, weil sich Lucas verletzt hatte. Wir hatten aber keine dritten Innenverteidiger mehr dabei, deshalb mussten wir die Grundordnung ändern. Das hat dann auch gedauert, wir waren danach zu passiv. Ich weiß nicht, ob der Sieg aber Ende verdient war. Aber angesichts der Umstände haben wir gut gebissen", erklärte der Bayern-Trainer.
Alles in allem hat der FC Bayern eine schwierige Dienstreise erfolgreich bestritten. Viel mehr war auch nicht zu erwarten.
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Quelle: Perform

3. Starker Tolisso-Auftritt - mit einem Makel

Ursprünglich hätte Marcel Sabitzer Joshua Kimmich auch in Kiew vertreten sollen. Doch der Österreicher musste wegen Wadenproblemen passen und so kam Corentin Tolisso zu seinem Startelf-Comeback.
Der Franzose hinterließ einen weitgehend guten Eindruck. Im Verbund mit Leon Goretzka übernahm er den offensiveren Part im zentralen Mittelfeld und war an vielen Angriffen der Münchner direkt beteiligt. Tolisso verteilte die Bälle im letzten Drittel und ging immer wieder auch mit in den Strafraum.
Vor dem 2:0 von Kingsley Coman (42.) machte er den Ball mit einem Zuspiel auf Thomas Müller scharf. Auch defensiv hatte Tolisso seine Glanzmomente. Mitte der zweiten Halbzeit stoppte er einen Angriff der Ukrainer mit einer sauberen Balleroberung im Zentrum und leitete den Konter mit einem feinen Hackentrick auf Müller ein.
Tolisso wurde in seiner Zeit beim FC Bayern immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfen und war viel zu selten nah dran an der Stammelf. Aktuell kann er sich zumindest darauf verlassen, dass Kimmich ständig in Corona-Quarantäne ist. Aber Tolisso kann dem FC Bayern auch unabhängig von Kimmich noch etwas geben, wenn er so spielt wie in Kiew.
Vorausgesetzt er unterlässt Aktionen wie vor dem Gegentor. Nach einem Fehlpass von Marc Roca trabte der Franzose seinem Gegenspieler Denys Harmasch im Umschaltmoment nämlich nur hinterher. Und so hatte Tolisso dann auch fünf Meter Rückstand, als Harmasch das 1:2 erzielte (70.).
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