Manuel Neuer glänzt bei Bayern-Sieg gegen Real Madrid im Bernabéu - Torhüter zeigt mit 40 Jahren Weltklasse-Leistung
Update 08/04/2026 um 21:30 GMT+2 Uhr
Der 40-jährige Torwart sichert dem FC Bayern München mit einer überragenden Leistung den 2:1 (1:0)-Erfolg im Viertelfinal-Hinspiel bei Real Madrid. Warum Manuel Neuer nach seiner Gala tiefstapelte, aber auch zu Scherzen aufgelegt war - und warum "ein Schnupfen unten an der Wade" dafür verantwortlich ist, dass er noch keine Entscheidung getroffen hat, ob er Ende Mai seine Karriere beendet.
"Schaffen nicht viele": Kompany schwärmt nach Gala-Auftritt von Neuer
Quelle: Perform
Nach getaner Arbeit, als der Job erledigt war, packte Manuel Neuer seine Sachen. Er räumte sozusagen seinen Schreibtisch auf. Nahm sein Handtuch, sein wichtigstes Zubehör, aus dem Torraum, hängte es über eine Schulter und schritt gemächlich zu seinen Arbeitskollegen. War ein aufregender, aber doch ganz gelungener Arbeitstag in seinem Büro namens Strafraum.
Der 40-jährige Torhüter liebt das Tiefstapeln. Ganz besonders, wenn er gerade bewiesen hat, dass er immer noch ein Meister seines Faches ist, einer der Besten seiner Zunft.
Zu bestaunen beim 2:1-Erfolg des FC Bayern München im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League bei Real Madrid, den er festgehalten hat mit seinen Paraden. Die Gelegenheiten, sich zu zeigen, kamen ihm gerade recht. Torhüter lieben es, wenn sie warmgeschossen werden, wenn sie ins Fliegen kommen, wie sie sagen.
"Natürlich lässt man gegen so eine starke Offensive wie die von Real auch Torchancen zu", sagte Neuer nach der Partie und fügte mit einem Schulterzucken hinzu: "Dafür bin ich ja dann auch da. Beziehungsweise wir als Defensivreihe. Es ist nicht immer einfach, alles zu verteidigen. Aber über weite Strecken haben wir es wirklich gut gemacht." Er sagte: "Dafür bin ich da." Und: "Gut gemacht".
- Bayern-Einzelkritik: Unmenschlicher Neuer - Kane eiskalt
- Pressestimmen zum Bayern-Sieg: "Neuer-Spektakel gegen Mbappé und Vini"
Neuers makellose Bilanz
Krasses Understatement angesichts seiner Weltklasse-Leistung. In Zahlen: Von 20 Schüssen, die die Königlichen am Dienstagabend Richtung Neuer abgaben, flogen zehn auf sein Tor. Wieder und wieder hatte der Tausendsassa seine Pranken, seine Finger im Spiel, zeigte spektakuläre Paraden. Der Kapitän bewies, dass er sie noch draufhat, diese überragenden Reflexe. Er, die Bestia Neuer. Die Mauer von Madrid.
Selbst beim Anschlusstreffer von Real zum 1:2 durch Kylian Mbappé war Neuer noch dran, konnte den Ball aber nicht mehr rechtzeitig abwehren. In seiner Erinnerung war die Kugel nicht schon bei Mbappés Schuss hinter der Linie, sondern erst nach dem Nachsetzen von Brahim Diaz. "Der Erste war schon drin?", meinte Neuer am Mikrofon "Prime Video" erstaunt und schob lachend hinterher: "Das ist ja 'ne Frechheit. Das ist dann ein Torwartfehler."
Eine bewusste Anspielung? Jedes Gegentor wurmt ihn, ist für den Perfektionisten eine Art Majestätsbeleidigung. Will nicht aus dem Kopf und dient zugleich als Antrieb. Denn mit Real und dem Bernabéu hatte Neuer noch eine Rechnung offen. Es galt, mit diesem Auftritt das Ungemach, das ihm im Halbfinal-Rückspiel vor knapp zwei Jahren an Ort und Stelle widerfuhr, zu tilgen.
Mit einem 2:2 im Gepäck aus dem ersten Duell waren die Bayern unter Trainer Thomas Tuchel zum Rückspiel gereist. Nach dem Führungstreffer von Alphonso Davies sah es bis zur 88. Minute nach dem Finaleinzug aus. Dann konnte Neuer einen Schuss von Vinicius Júnior lediglich nach vorne abklatschen, Real-Stürmer Joselu schob ein – 1:1. Verlängerung? Nein, in der Nachspielzeit erhöht erneut Joselu auf 2:1, das Ende aller Endspielträume für Neuer & Co.
Bernabéu-Fehler wurmt ihn immer noch
Darauf angesprochen, ob er denn nun nach seiner überragenden Leistung Genugtuung verspüre, antwortete Neuer sachlich wie ein Facharbeiter, der genau weiß, worauf sein Fehler vor zwei Jahren zurückzuführen war: "Ich habe ein gutes Spiel gemacht an dem Abend, im Prinzip ein ähnliches wie heute, muss ich ganz ehrlich sagen. Aber in der einen Situation ist der Ball einfach viel höher abgesprungen als erwartet." Was er mit Händen und Worten verdeutlichte: "Normalerweise geht der hier gegen die Brust und der ist mir Richtung Hals gegangen. Ich weiß auch nicht, warum der Ball so aufgesetzt ist. Das sind Sachen, die gehören zum Torwartspiel." Künstlerpech. Passiert den Besten. Und dem Besten.
Also hatte Manuel Neuer an diesem Abend im Bernabéu bessere Laune als er mit den Reportern sprach. Oft wirkt er in Interviews etwas trocken, ja spröde. Er möchte nicht viel von sich und seinen Emotionen preisgeben. Der Familienvater, der mit seiner Ehefrau Anika und Sohn Luca (2) am Tegernsee lebt, gibt sich gerne zurückhaltend, ruhig, besonnen. Dabei hat er, wenn in bester Gesellschaft und richtig in Fahrt, den Schalk im Nacken. Dann kann er laut und herzhaft loslachen, auch über sich.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2026/04/08/image-f62a9119-13b2-44a1-9bfc-d1947b37d306-85-2560-1440.jpeg)
Tchouaméni adelt Neuer: "Einer der Besten der Geschichte"
Quelle: Perform
Torwart-Handschuhe werden noch gebraucht
Dann ist der Ehrgeiz weit weg. Auch die Prise Verbissenheit, die in ihm steckt, die ihn zu dem gemacht hat, der er war und ist: Weltmeister von 2014, fünfmaliger Welttorhüter, zweimaliger Triple-Gewinner mit dem FC Bayern 2013 und 2020, den Champions-League-Titel inklusive. Neuer hat noch mehr erreicht, weil er etwas geschaffen hat, was den Wenigsten gelingt. Er hat das Profil seines Jobs verändert, den Beruf des Torwarts verändert, mit seinem mutigen, expressionistischen Ansatz revolutioniert. Und dabei auf eine neue Ebene gehoben.
Ab der Ära Neuer wurde der Torhüter im modernen Fußball zum elften Feldspieler. Mit seinen riskanten wie spektakulären, aber meist effektiven Ausflügen als Sweeper-Keeper definierte er das Torwartspiel für die aktuelle und nachfolgenden Generationen neu. Doch dieser Neuer lebt nicht von der Erinnerung seiner Heldentaten, vor allem bei der WM 2014 in Brasilien. Seine Handschuhe hängen noch nicht im Museum. Sie werden gebraucht. Immer noch. Wie er. "Trotz meiner 40 Jahre", betonte er am Dienstagabend nicht ohne Stolz, "bin ich jetzt immer noch dabei."
Bayern-Vertrag läuft demnächst aus
Aber wie lange noch? Sein Vertrag bei Bayern läuft Ende Juni aus. War das also sein letztes Mal in diesem Tempel, in einer der bedeutendsten und furchteinflößendsten Arenen der Welt? Noch hat Neuer seine Entscheidung, ob er nach Saisonende seine große Karriere nach 15 Jahren beim FC Bayern beendet, nicht verkündet.
Ende März, rund um seinen 40. Geburtstag, so der ursprüngliche Plan, wollte er sich darüber im Klaren sein, ob er noch mithalten kann, ob Kopf und Körper sich noch schinden wollen. Zwei Muskelfaserrisse in der Wade kamen ihm dazwischen, die nervige Zeit in der Reha. "Das hat mir nicht in die Karten gespielt", meinte Neuer, "aber wir haben alle Zeit der Welt, der Verein und ich. Da sind wir entspannt."
Waren die Muskelverletzungen etwa keine Signale, dass es denn nun bald mal gut sei? "Die hatten einen anderen Ursprung", versicherte Neuer und erklärte: "Weil ich etwas mit Magen und Darm zu tun hatte, war mein Körper ein bisschen geschwächt. Deshalb hatte ich diese Kleinigkeiten, das war wirklich wie so ein Schnupfen unten an der Wade." Zwei und dann noch mal vier Spiele verpasste er im Februar und März. Kann, soll aber nicht mehr vorkommen.
Ihm mache es weiterhin "Spaß, in dieser Mannschaft zu spielen, mit diesem Trainerteam zu arbeiten". Es sei "ihm wichtig, wie es in der Mannschaft aussehe". Sprich: Wer bleibt? Wer kommt, wer geht? "Es ist alles möglich", so Neuer. Auch wenn er es nicht mehr nötig hat – dieses Spiel war eine astreine Bewerbungsmappe für ein weiteres Jahr als Nummer eins.
Neuers Nein zum DFB
Und für ein Comeback in der Nationalmannschaft? Nach der Heim-EM 2024 war er aus dem DFB-Team zurückgetreten. Zahlreiche Experten und Fans fordern nun erst recht eine Rückkehr mit Blick auf die WM diesen Sommer in Nordamerika.
Neuer blockte in den letzten Monaten alle Fragen dazu kategorisch ab, sagte dazu in Madrid: "Sollen wir das Thema jetzt wieder aufmachen? Nein, dazu ist alles gesagt. Ich glaube, wichtig ist für uns, dass wir mit Bayern dieses Spiel gewonnen haben und dass wir versuchen, das nochmal zu bestätigen im Rückspiel. Das ist entscheidend. Alles andere zählt jetzt nicht."
Das könnte Dich auch interessieren: Kein Pfiff im Bernabéu: Aufregung um Olise-Szene
/origin-imgresizer.eurosport.com/2026/04/07/image-18cd8474-0223-4f49-8d3b-f971b5de208d-85-2560-1440.jpeg)
"La Bestia Negra" ist zurück: Bayern triumphiert gegen Real
Quelle: SID
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung