Erling Haaland stapfte wutentbrannt in die Kabine, Teamkollege Jude Bellingham sank tiefenttäuscht auf den Rasen des Hamburger Millerntors.
Borussia Dortmund hat sich am Dienstagabend im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Zweitliga-Tabellenführer FC St. Pauli bis auf die Knochen blamiert und muss damit die Mission Titelverteidigung abbrechen, ehe sie überhaupt erst richtig begonnen hatte.
Entsprechend ernüchternd viel im Anschluss das Fazit im Lager der Schwarz-Gelben aus. "Ein komplett schlechter Tag von uns, wir sind zu spät aufgewacht", klagte Kapitän Marco Reus nach der überraschenden 1:2-Pleite in der "ARD".
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In das gleiche Horn stieß auch Trainer Marco Rose: "Das ist maximal bitter für uns. Zwar hatten wir unsere Möglichkeiten, aber in der Summe sind wir schwer enttäuscht, weil wir aus den vergangenen Partien viel Energie mitgebracht haben. Davon war gar nichts zu sehen und das ist sehr enttäuschend."

BVB muss nächsten Titeltraum begraben

Tatsächlich fehlte es dem BVB am Dienstagabend im Spiel nach vorne schlichtweg an Intensität und Kreativität. Den einzigen Treffer markierte Erling Haaland per Handelfmeter (58.). Aus dem Spiel heraus gelang dem amtierenden Titelträger nur wenig. Ganz anders dagegen die Hausherren, die durch einen frühen Treffer von Etienne Amenyido (4.) und einem Eigentor von Axel Witsel (40.) die Sensation perfekt machten.
Nach dem enttäuschenden Vorrunden-Aus in der Champions League muss der BVB bereits Anfang Januar den nächsten Titeltraum begraben und somit ein weiteres Saisonziel ad acta legen. Auch in der Bundesliga sieht sich die Borussia mit einem Rückstand von sechs Punkten auf Tabellenführer Bayern München konfrontiert.
Von einer Vorentscheidung im Meisterrennen wollte Reus nach dem Pokal-Debakel jedoch nichts wissen. "Wo sind die Bayern enteilt? Sechs Punkte, ja richtig. In der Champions League sind wir raus, das ist vollkommen richtig. Aber sollen wir jetzt aufgeben, oder was?", blaffte er "ARD"-Moderatorin Valeska Homburg an.

Borussia Dortmund ist aus dem DFB-Pokal ausgeschieden

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Schweinsteiger zeigt BVB-Probleme auf

Die Nerven liegen sichtlich blank beim amtierenden Vizemeister. Zumal im DFB-Pokal der erneute Weg nach Berlin aufgrund des vorzeitigen Ausscheidens des FC Bayern geebnet schien.
"Ich war wirklich enttäuscht von Borussia Dortmund. Es hat gerade in der zweiten Halbzeit die Kreativität von hinten heraus und die Laufwege, um Mitspieler frei zu machen, gefehlt. Das war mir viel zu wenig", bilanzierte "ARD"-Experte Bastian Schweinsteiger, der weiter gnadenlos die Probleme des BVB in der laufenden Saison aufzeigte:
"Der FC Bayern ist aus dem DFB-Pokal ausgeschieden, jetzt scheidet auch Borussia Dortmund aus. In der Bundesliga macht Bayern auch mal Fehler, verliert ein Spiel oder lässt Punkte liegen und dann verliert Dortmund in Berlin (2:3 gegen Hertha BSC; Anm. d. Red.) und spielt in Bochum nur unentschieden (1:1; Anm. d. Red.). Das sind am Ende des Tages alles Gründe, warum man es nicht schafft, ganz nach oben zu kommen. Das müssen sie umstellen, denn genau an der Stelle fehlt es, um einen Titel zu gewinnen."

BVB: Fehlende Konstanz und Abwehrschwächen ziehen sich durch

Zu oft wechseln sich herausragende Partien wie beim 5:1-Erfolg gegen Freiburg mit schwächeren Leistungen wie beim glücklichen 3:2-Sieg in Frankfurt oder der jüngsten Pokalniederlage in Hamburg ab. Selbst nach etwas mehr als einem halben Jahr ist der BVB noch immer auf der Suche nach der nötigen Konstanz.
"Sie zeigen zu viele Gesichter. Ein gutes Gesicht gegen Freiburg, als sie in der ersten Halbzeit Weltklasse gespielt haben. Wenn man das Spiel im DFB-Pokal sieht oder auch die erste Halbzeit in Frankfurt, muss man sagen, dass das einfach nicht konstant genug ist. Außerdem kassieren sie viel zu viele Gegentore. Du musst in der Abwehr gut stehen, um Titel zu gewinnen", so der Weltmeister von 2014 weiter.
Wettbewerbsübergreifend kassierte Dortmund in der laufenden Spielzeit bereits 45 Gegentreffer (alleine in der Bundesliga 29) - und das in gerade einmal 29 Partien.
Schweinsteiger machte im Anschluss jedoch noch ein weiteres Fass auf. "Ich vermisse manchmal die Persönlichkeiten und Typen, die es dann schaffen, auch wenn es schlecht läuft, dass sie die Mitspieler aufwecken. Das macht ein Thomas Müller und auch andere bei Bayern München, weil sie diesen Hunger haben und nicht verlieren wollen. Das vermisst man manchmal in der Körpersprache und an den Augen der Spieler ein bisschen. Ich würde mir wünschen, dass bei der Borussia noch mehr Spieler auf dem Platz sind, die diese Verbissenheit haben und diesen unbedingten Willen", forderte der Ex-Bayern-Profi.

Borussia Dortmund ist im Achtelfinale des DFB-Pokals gescheitert

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Mentalitätsproblem? BVB bedient Vorurteile

Obwohl jene Diskussion zugegebenermaßen nicht wirklich neu ist, verwundert es keineswegs, dass dieses Thema aufgrund der jüngsten Auftritte wieder aufgegriffen wird.
Umso mehr ärgerte es Rose, dass seine Mannschaft jenen Vorurteilen am Dienstag neues Futter gab. "Es ist einfach schade und ein Stück weit doof von uns, dass wir genau die Klischees wieder bedienen. Wir wollten einfach den nächsten Schritt gehen. Es ist schade, dass wir im dritten Spiel hintereinander - nach einer Top-Leistung gegen Freiburg, nach einem gedrehten Spiel gegen Frankfurt, bei dem wir all diese Qualitäten hatten - nicht nachgelegt haben", haderte der 45-Jährige und betonte:
"Genau das ist unser Thema: Dass wir keine Serie starten, die auch mal über sieben, acht oder neun Spiele geht. Das muss unser Anspruch sein."
Allerdings liegen beim BVB in der laufenden Spielzeit Anspruch und die Realität zu oft weit auseinander.
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