1.) Gnabry, Gnabry, Gnabry

EM-Qualifikation
Viel Lob nach Schützenfest, doch Gnabry stört sich: "Ich finde es nervig, dass..."
19/11/2019 AM 22:10

Serge Gnabry ist ein Phänomen. Gegen Estland und Weißrussland (überraschend) torlos, war Deutschlands Mister 100 Prozent beim 6:1-Erfolg gegen Nordirland einmal mehr nicht zu stoppen.

Der Außenspieler des FC Bayern München, der von Joachim Löw erneut ganz vorne in der Spitze aufgeboten wurde, zeichnete sich gegen eine vor allem in der zweiten Hälfte überforderte Gästeabwehr gleich für drei Treffer verantwortlich (19./47./60.) und ließ den Bundestrainer staunend zurück:

"Er hat eine unglaubliche Klasse, ist torgefällig, spielt mit und schafft Räume für die anderen", lobte Löw, der neben Gnabrys Torgefahr auch dessen Laufwege herausstellte, nach dem Spiel bei "RTL":

Er stellt verschiedene Ebenen her. Wenn ein anderer Spieler in die Spitze geht, dann kommt er entgegen, und geht dann selbst wieder in die Spitze.

Den Fans dürften jedoch vor allem Gnabrys Treffer in Erinnerung bleiben, die nicht nur wichtig, sondern auch schön anzusehen waren.

Serge Gnabry

Fotocredit: Getty Images

In der 19. Minute löste er sich geschickt im gegnerischen Sechzehner, nahm die Hereingabe von Jonas Hector mit dem linken Fuß mit, drehte sich um die eigene Achse und vollstreckte mit rechts in den Knick.

Bei seinem dritten Treffer drückte er mit purem Willen den über zehn Zentimeter größeren Paddy McNair im Fünfmeterraum weg und schob ins rechte untere Eck ein. Eine Augenweide.

Insgesamt ein weiterer Sahnetag für Gnabry, der nun 13 Treffer in 13 Länderspielen vorzuweisen hat. Das schaffte zuletzt Gerd Müller 1969, also vor 50 Jahren.

Damit dürfte dann alles gesagt sein.

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2.) Die Mittelfeldachse spielt sich ein - zu Havertz' Leidwesen

Dass die DFB-Elf im letzten Länderspiel des Jahres nicht nur den Gruppensieg perfekt machte, sondern nach dem 4:0 über Weißrussland am Samstag das nächste Ausrufezeichen setzen konnte, lag auch an der erneut starken Leistung der Zentrale.

Toni Kroos (163 Ballkontakte, 4 Torschussvorlagen), Joshua Kimmich (130 Pässe, 96% Passquote) und Ilkay Gündogan dirigierten das Spiel nach Belieben und fanden immer wieder Lücken im Verbund der Nordiren, bei denen zeitweise neun Spieler vor dem eigenen Sechzehner verteidigten.

Zwar konnte nach Doppelpacks von Kroos und Gündogan gegen Weißrussland bzw. Estland diesmal keiner der drei einen eigenen Treffer markieren, das Dreigestirn dürfte nach diesem Auftritt, vorausgesetzt sie bleiben fit, die Plätze für die Endrunde 2020 aber bereits sicher haben.

Toni Kroos im Trikot der Nationalmannschaft

Fotocredit: Getty Images

Zum Leidwesen von Kai Havertz, der im Oktober gegen Argentinien überzeugen konnte, diesmal aber aufgrund eines Muskelfaserrisses passen musste.

Als Teil der offensiven Dreierkette machte zudem Leon Goretzka ein blitzsauberes Spiel, erzielte zwei Treffer (43./73.) und hinterließ auch bei Löw einen bleibenden Eindruck:

Er kommt immer irgendwie zum Toraschluss, er will Tore machen und geht vorne rein. Er ist eigentlich ein torgefährlicher Mittelfeldspieler. Das wünscht man sich, das macht ihn unberechenbar.

Wenn mit Marco Reus eine weitere Alternative in der Offensive zurückkehrt, könnte es durchaus sein, dass Goretzka ebenfalls wieder ins Mittelfeld rückt und Havertz damit das Leben noch schwerer macht.

"Wir wussten, dass der Eindruck, den wir heute hinterlassen, erstmal bleibt bis zum März", sagte Goretzka vielsagend nach Abpfiff - und meinte damit den Eindruck bei den Fans und Bundestrainer Löw.

3.) Hector bekommt die Chance und liefert ab

370 Tage musste Jonas Hector seit seinem letzten Spiel für die deutsche Nationalmannschaft (15.11.2018 gegen Russland) auf einen Einsatz warten. Nico Schulz und Marcel Halstenberg hatten dem Kölner langsam aber sicher den Rang abgelaufen.

Da ersterer jedoch gegen Nordirland mit Knieproblemen geschont wurde und zweiterer angeschlagen überhaupt nicht erst mitgereist war, schlug am Dienstagabend in Frankfurt Hectors Stunde. Und er lieferte ab.

Zwei Hereingaben des Linksverteidigers führten zu Treffern (1:1; 2:1), zudem bereitete er vier weitere Torschüsse direkt vor. Keinem anderen Spieler auf dem Platz gelangen mehr als drei Torschussvorlagen.

"Ich habe mich versucht über Trainingsleistungen anzubieten. Jetzt habe ich die Chance bekommen und wollte alles reinhauen", gab sich Hector, der sich im Gegensatz zu Schulz am Samstag immer wieder gefährlich in die Offensive einschaltete, nach der Partie bescheiden.

"Der Jonas hat sehr gut gespielt und viele gute Wege nach vorne gemacht. Vor allem auch viele intelligente Laufwege", schwärmte Löw vom Kölner:

Manchmal ist er von außen nach innen gezogen, dadurch konnten wir versuchen über das Zentrum hinter die Abwehr zu spielen.

Gut möglich, dass Hector mit diesem Ausrufezeichen aus einem Zweikampf wieder einen Dreikampf um den begehrten Posten links hinten gemacht hat.

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