Nun also doch. Was die Spatzen schon länger von den Dächern rund um das Estadio Santiago Bernabéu pfiffen, ist nun in Stein gemeißelt.
Am Donnerstag verkündete Real Madrid offiziell, dass Zinédine Zidane seinen Rücktritt als Trainer der Königlichen eingereicht hatte.
Es sei an der Zeit, "seine Entscheidung zu respektieren und unsere Wertschätzung für seine Professionalität, Leidenschaft und sein Engagement in all den Jahren zu zeigen", hieß es von Seiten des Vereins.
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Trotz eines bis 2022 datierten Vertrags zog der Weltmeister von 1998 damit bereits zum zweiten Mal aus freien Stücken einen Schlussstrich unter seine Zeit beim spanischen Rekordmeister. "Es war mir eine Ehre. Gracias Zizou", twitterte Toni Kroos.

Zidane nur der Anfang: Real steht vor dem Umbruch

Doch anders als bei seinem ersten Abschied vor fast genau drei Jahren, als er wie in einem Hollywood-Film nach dem Gewinn des dritten Champions-League-Titels in Serie in den Sonnenuntergang ritt, verlässt er Real nun mehr oder weniger durch die Hintertür am Ende einer titellosen Saison.
In der Liga mussten die Königlichen nach einer turbulenten Spielzeit dem Stadtrivalen Atlético den Vortritt lassen, in der Champions League war das Starensemble aus der spanischen Hauptstadt im Halbfinal-Rückspiel gegen den FC Chelsea (0:2) nahezu chancenlos.
Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Real sowohl auf dem Rasen als auch auf der Trainerbank neue Impulse benötigt, um speziell international an die Erfolge vergangener Tage anknüpfen zu können.
"Zidane wirkte mental erschöpft. Real Madrid braucht tief greifende Veränderungen im Kader und möglicherweise war er nicht bereit, diesen schweren Schritt zu gehen. Sein Verhältnis zu den Klub-Verantwortlichen und der Presse soll darüber hinaus nicht das beste gewesen sein", erklärt Fußball-Experte Jorge Ordás von Eurosport in Madrid.

Zidane-Nachfolge: Conte, Pochettino oder doch Raúl?

Kaum hatte Zidane das Trainingsgelände der Königlichen verlassen, wurde auch schon über die Nachfolge des 48-Jährigen spekuliert. Doch welcher Trainer scheint der Aufgabe gewachsen, den drohenden Verfall bei Real zu stoppen?
"Massimiliano Allegri war Reals Wunschkandidat. Obwohl die Verantwortlichen ihm sogar schon einen Zweijahresvertrag unterbreitet haben sollen, hat er sich letztlich für eine Rückkehr zu Juventus Turin entschieden", verrät Ordás und führt weiter aus:
"Den jüngsten Gerüchten zufolge sollen Inters Meistertrainer Antonio Conte, der ebenfalls vor wenigen Tagen seinen Abschied verkündete, und Mauricio Pochettino (aktuell Paris Saint-Germain) hoch im Kurs stehen. Eine weitere Alternative wäre Vereinsikone Raúl Gonzalez, der gegenwärtig die zweite Mannschaft von Real trainiert."
Der ehemalige Weltklasse-Stürmer gilt bei Real bereits seit längerer Zeit als Trainer der Zukunft. Der 42-Jährige könnte damit einen ähnlichen Weg einschlagen wie Zidane, sein ehemaliger Teamkollege, der vor seiner Beförderung zum Chefcoach der Profis ebenfalls für die zweite Mannschaft verantwortlich war.

Raul Gonzalez Blanco

Fotocredit: Getty Images

Bernabeu, Ramos und Haaland bestimmen Reals Zukunft

Die Suche nach einem neuen Übungsleiter ist jedoch nicht das einzige Problem, mit dem sich die Verantwortlichen um Präsident Florentino Pérez konfrontiert sehen, wie Eurosport-Experte Ordás betonte:
"Real Madrid steht ein äußerst arbeitsintensiver Sommer bevor. Zum einen wäre da die Fertigstellung des Santiago Bernabéu. Auf sportlicher Ebene muss der Klub entscheiden, ob er den Vertrag von Kapitän Sergio Ramos verlängert oder nicht. Und dann wäre da noch der wirtschaftliche Aspekt im Falle eines Transfers von Kylian Mbappé oder Erling Haaland."
Zumindest einen grünen Haken konnten die Königlichen am Freitag auf ihrer To-Do-Liste setzen. Der Wechsel von David Alaba in die spanische Hauptstadt ist endgültig fix.
Während bei Real also hinter den Kulissen fleißig am Umbruch gearbeitet wird, steht hinter der persönlichen Zukunft von Zidane ein dickes Fragezeichen. "Ähnlich wie bei seinem ersten Rücktritt 2018 wird sich der Franzose wohl ein bis zwei Jahre ausruhen, bevor er sich der nächsten Aufgabe stellen wird. Die Option, die französische Nationalmannschaft zu übernehmen, scheint nach wie vor vorhanden zu sein. Allerdings ist das in Anbetracht der Tatsache, dass auf die Équipe Tricole mit der EM im Sommer ein großes Turnier wartet, eher Zukunftsmusik", glaubt Ordás.
Obwohl die Erfolgsgeschichte nun ein Ende nimmt, hinterlässt Zidane mit dem Gewinn von drei Champions-League-Trophäen, zwei Meistertiteln sowie zwei Pokalsiegen während seiner Zeit in Madrid zweifelsohne ein schweres Erbe.
Auch wenn ihm dieses Mal der perfekte Abschluss verwehrt blieb.
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