FC Bayern vollzieht Umbruch auf drei Ebenen: Neue Idole, neuer Trainer, neue Vereinsführung

Beim FC Bayern steht im Sommer ein großer Umbruch an. Langjährige Spieler wie David Alaba und Jérôme Boateng verlassen den Verein, die Lücken werden nicht nur aus sportlicher Sicht groß sein. Mit Julian Nagelsmann beginnt zudem ein neuer Trainer das Abenteuer an der Säbener Straße. Und auch in der Vereinsführung steht der endgültige Generationenwechsel bevor. Es werden spannende Monate in München.

Der FC Bayern jubelt über den 2:0-Sieg über Bayer Leverkusen

Fotocredit: Getty Images

Kein Hansi Flick, Hermann Gerland, Miroslav Klose, David Alaba oder Jérôme Boateng. Auch Karl-Heinz Rummenigge tritt beim FC Bayern bald aus dem Rampenlicht, folgt Uli Hoeneß in den (Un-)Ruhestand.
Die neue Saison wartet mit vielen personellen Veränderungen auf. Gleich auf mehreren Ebenen folgt ein Umbruch, wie es ihn lange nicht beim Rekordmeister gab.
Mit Alaba, Boateng und Javi Martínez verlassen nicht nur profilierte Doppel-Triple-Sieger den Verein, auch im Trainer-Team gibt es unerwartete Abschiede.
Nach Sieben-Titel-Trainer Flick verkündeten auch die beiden Co-Trainer Hermann Gerland und Miroslav Klose ihren Abschied vom FCB.

Julian Nagelsmann wehrt sich gegen Gerüchte

Schnell kamen Gerüchte auf, Neu-Coach Julian Nagelsmann habe besonders die Trennung von Urgestein Gerland forciert.
Diese Spekulationen wies der 33-Jährige in der "Sport Bild" zurück. "Dass Hermann nicht bleiben will, hat nichts mit mir zu tun. Das wurde teilweise völlig falsch interpretiert", stellte Nagelsmann klar. Gerland erklärte zuletzt, dass er auf den Verein zugegangen sei und darum gebeten habe, den Vertrag aufzulösen. Klose entschied sich ebenfalls selbst zum Abschied aus München.
Bayern-Anhänger hatten auf Social Media vor allem im Fall von Gerland die Schuld bei Nagelsmann gesucht. Der Ausdruck "Koan Nagelsmann" machte die Runde. Dass dies den Einstieg des neuen Cheftrainers nicht gerade erleichtert, dürfte klar sein.
Einen kleinen Vertrauensvorschuss könnte Nagelsmann aber zumindest bei einigen Fans haben. Denn zum ersten Mal seit Franz Beckenbauer 1996 nimmt wieder ein Oberbayer auf der Trainerbank Platz. Der 33-Jährige selbst glaubt jedoch: "Einen Bonus werde ich durch meine Herkunft nicht bekommen."
Bei den Münchenern gibt es ohnehin keine Schonfrist, egal wie groß der Name. Es werden sofort Erfolge erwartet. Nagelsmann ist sich daher auch einer Sache bewusst, wie er in der "Sport Bild" sagte: "Ich muss erst zeigen, dass ich zu Recht bei einem Weltverein wie dem FC Bayern bin." Die Erwartungen seien klar: "Man sollte Meister werden, den Pokal gewinnen, und man sollte auch in der Champions League weit kommen." Er sei bereit, sich dieser Herausforderung zu stellen.

FC Bayern braucht neue Helden

Auch die Spielerabgänge schmerzen in vielerlei Hinsicht. Mit Alaba, Boateng und Martínez verlassen in erster Linie drei Identifikationsfiguren den Verein. Besonders der Österreicher, der wohl bald für Real Madrid auflaufen wird, hinterlässt nicht nur eine sportliche Lücke. Alaba gehörte zu den letzten Eigengewächsen, die sich von der Jugend zur absoluten Weltklasse hocharbeiteten und reihenweise Titel gewannen. Aus der Riege der Schweinsteigers, Lahms und Badstubers ist nun nur noch Thomas Müller übrig.
Es müssen also bald neue Helden gefunden werden, die die Mentalität des FC Bayern verkörpern und mit denen sich die Fans identifizieren können. Denn auch Müller gehört nicht mehr zu den Jüngsten.
Bayern-Keeper Manuel Neuer erkannte aber in den Abschieden "eine Chance für eine neue Zeit", wie er in einem Vereinsinterview erklärte. Es werde "eine anspruchsvolle Aufgabe, aber auch eine Challenge". Zumindest den Platz von Alaba konnten die Münchener mit Dayot Upamecano schon frühzeitig besetzen. Zudem kommt Omar Richards für die linke Abwehrseite.
Ob weitere Transfers folgen, ist offen. Nagelsmann soll laut "Sport Bild" bereits mit einigen Vorschlägen bei Sportvorstand Hasan Salihamidzic abgeblitzt sein. Ein Streit über den Kader wie mit Flick wird man beim FC Bayern vermeiden wollen. Aus Vereinssicht soll der Neu-Coach ohnehin die vorhandenen Spieler weiterentwickeln, zumal im Sommer mit Chris Richards und Joshua Zirkzee einige Talente von ihren Leihen zurückerwartet werden.
Auf der Rechtsverteidigerposition herrscht dennoch dringend Bedarf. Der im vergangenen Sommer von Salihamidzic geholte Bouna Sarr stellte sich als Flop heraus.

Oliver Kahn führte Nagelsmann-Verhandlungen

Mit dem nahenden Abschied von Rummenigge, der Ende Dezember sein Amt als Vorstandsvorsitzender nach fast 20 Jahren abgibt, steht zudem der endgültige Generationenwechsel an der Vereinspitze an.
Nachfolger Oliver Kahn kann man immerhin schon einmal zugutehalten, dass er die Trainer-Personalie nach dem großen Knall zwischen Flick und Salihamidzic sowie der Abschiedsankündigung des Coaches so geräuschlos wie noch möglich lösen konnte.
Die schnelle Einigung mit Wunschtrainer Nagelsmann hatte in großem Maße auch der Ex-Profi zu verantworten. Er führte die entscheidenden Gespräche mit RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff, Rummenigge hielt sich zurück - so zumindest die Bayern-Darstellung.
Doch erst die nächsten Monate werden zeigen, wie sich die "Neuen" beim FC Bayern schlagen. Ein echter Umbruch verläuft selten fehlerfrei.
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Quelle: Perform

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