Inter Mailand: Nach Derby-Sieg gegen AC Mailand reif für den Titel?
Inter Mailand hat mit einem spektakulären Doppelschlag die Serie A aufgemischt. Die Nerazzurri schafften im Mailänder Derby einen furiosen Comeback-Sieg und lösten zudem Juventus Turin an der Tabellenspitze ab. Ein Zwischenhoch oder eine Wachablösung? Eurosport.de erklärt, warum Inter Mailand in der Lage ist, Juventus nach acht Meistertiteln in Folge vom Thron zu stürzen.
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Wer immer sich dieser Tage bei Inter Mailand zu Wort meldet, die Begriffe "Charakter" und "Mentalität" nehmen einen zentralen Stellenwert ein. Ob Abwehrspieler Stefan de Vrij, Stürmerstar Romelu Lukaku oder Klub-Legende Iván Zamorano - sie alle erklären den aktuellen Erfolgslauf und die Übernahme der Tabellenspitze in der Serie A mit der besonderen charakterlichen und mentalen Stärke der Mannschaft.
Diese Sichtweise liegt nahe, nachdem Inter am vergangenen Spieltag den Stadtrivalen AC im Derby della Madonnina nach einem 0:2-Halbzeitrückstand mit 4:2 zu Boden rang. Eine Mannschaft, die im Stande ist, ein derartiges Husarenstück zu liefern, muss natürlich Charakter haben. Aber: Hat Inter Mailand auch die Klasse und die Konstanz, um Meister zu werden?
Conte formt Inter zum Spitzenteam
Trainer Antonio Conte, der seit Saisonbeginn bei den Nerazzurri das Sagen hat, tut derzeit das, was nahezu alle Coaches in seiner Situation tun würden. Er stapelt tief: "Der Scudetto? Es ist noch viel zu früh, um darüber zu sprechen. Momentan können wir höchstens davon träumen."
Für Fußball-Experte Alessandro Dinoia von Eurosport in Mailand sind es aber gerade die Qualitäten von Conte, die aus Inter einen ernstzunehmenden Titelaspiranten machen:
Conte habe es verstanden, "nach Jahren der Enttäuschungen wieder den Zusammenhalt in der Kabine" herzustellen. Dass der 50-Jährige beim Thema Meisterschaft dennoch zurückhaltend bleibt, ist verständlich. Schließlich ging sein Team im Januar bei vier Ligaspielen nur einmal als Sieger vom Platz und kam gegen Bergamo, Lecce sowie Cagliari nicht über ein 1:1 hinaus. Dazu ist der Kampf um die Spitze extrem eng: Inter ist mit 54 Punkten nur aufgrund des besseren Torverhältnisses vor Juventus platziert, auf Rang drei folgt Lazio Rom mit nur einem Zähler Rückstand.
Der Derby-Coup gegen AC am 23. Spieltag könnte für Inter aber die häufig bemühte Initialzündung gewesen sein. So jedenfalls sieht das Lukaku, mit 17 Treffern Toptorjäger der Schwarz-Blauen:
Der Belgier ist eine der Schlüsselfiguren in Contes Team und wechselte, wie der Trainer, im Zuge des personellen Umbruchs zu Saisonbeginn nach Mailand. Mit Angreifer Alexis Sánchez und Innenverteidiger Diego Godín heuerten weitere erfahrene Kräfte beim schwarz-blauen Traditionsklub an.
Dazu verpflichtete man mit Nicolò Barella und Stefano Sensi zwei U25-Spieler fürs Mittelfeld, während sich gleichzeitig aus der "alten Garde" Radja Nainggolan, Mauro Icardi und Ivan Perisic verabschiedeten.
Eriksen kommt und gibt große Ziele aus
Im Winter-Transferfenster gelang es Inter überdies, Tottenham-Star Christian Eriksen aus London loszueisen und nach Mailand zu holen. Der offensive Mittelfeldspieler machte auch keinen Hehl daraus, was er sich von dem Wechsel erwartet. "Ich habe hier eine große Chance, einen Titel zu gewinnen", erklärte der Däne gegenüber "Sky Italia". Er habe zuletzt 2013 bei Ajax Amsterdam Titel geholt. "Das ist viele Jahre her. Aber ich erinnere mich immer noch an das Gefühl und will es auch hier erreichen."
Die Chancen darauf steigen, die Mannschaft kommt immer besser mit dem von Conte bevorzugten 3-5-2-System zurecht. Rückschläge, wie das Aus in der Gruppenphase der Champions League, sind längst vergessen - zumal man mit der Europa League, der Meisterschaft und der Coppa Italia noch immer auf drei Hochzeiten tanzt. Vor allem im Pokal ist Inter schon fast in Reichweite zum Titel. Im Halbfinale geht es gegen den SSC Neapel (Hinspiel heute ab 20:45 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de), im Endspiel käme zum Duell mit Juventus Turin oder dem AC Mailand.
Ein weiterer Aspekt, der vor allem in der Meisterschaft für Inter spricht, ist die knifflige Lage bei Juventus. Experte Dinoia präzisiert:
Inter habe dagegen zu einer "beeindruckenden Kompaktheit" gefunden und bringe den Erfolgshunger mit. "Die Priorität liegt ganz klar auf dem ersten Scudetto seit zehn Jahren. Darauf wird bei Inter alles ausgerichtet. Und: Conte bringt genau die richtige Mentalität mit, um das durchzuziehen."
Es ist am Ende eben alles eine Frage der Mentalität und des Charakters.
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