"Der Beginn der Juve-Revolution".

Lediglich einen Tag nach dem überraschenden Champions-League-Aus gegen Olympique Lyon überschlugen sich die italienischen Gazetten förmlich, als Juventus Turin am Samstag die Bombe platzen ließ:

Champions League
Nach Juve-Aus: Ronaldo fordert kritische Aufarbeitung
09/08/2020 AM 15:34

Klub-Ikone Andrea Pirlo übernimmt mit sofortiger Wirkung das Traineramt bei den Bianconeri, nachdem nur wenige Stunden zuvor Maurizio Sarri bei Juventus Turin seinen Hut nehmen musste.

Eine mehr als mutige Entscheidung der Verantwortlichen um Klubboss Andrea Agnelli, einen Novizen ohne jegliche Erfahrung im Trainergeschäft an die Spitze des italienischen Rekordmeisters zu hieven

"Diese Wahl ist ein Wagnis, daran besteht kein Zweifel, sowohl für Andrea als auch für Juve", urteilte der frühere Nationalspieler Alessandro Costacurta, der zusammen mit Pirlo zweimal die Königsklasse im Trikot des AC Mailand gewinnen konnte.

Klub-Besitzer Andrea Agnelli und Andrea Pirlo bei der Vorstellung zum U23-Coach - Juventus Turin

Fotocredit: Getty Images

"Es ist seine Bestimmung, dass er ein Großer wird"

Zumal mit Mauricio Pochettino, Simone Inzaghi und nicht zuletzt auch Zinedine Zidane drei schillernde Namen der Branche zuletzt in den Gerüchten um Juventus kursierten.

Die Verantwortlichen der Alten Dame haben dagegen vollstes Vertrauen in ihren neuen starken Mann an der Seitenlinie, der nach dem Ende seiner aktiven Profikarriere beim FC New York City im Januar 2018 zuletzt als TV-Experte ("SkySport Italia") und Winzer tätig war.

"Der Junge war einer von uns, hat bei uns gespielt und ist immer mit uns in Kontakt geblieben. Wir glauben, dass es Bestimmung ist, dass er ein Großer wird. Er war es als Spieler und wir sind sicher, dass er es auch als Trainer wird", prophezeite Sportdirektor Fabio Paratici. Auch Juve-Legende Alessandro Del Piero legte sich bereits im Vorfeld bei "Sky" fest: "Ihm wird Großes gelingen."

Dabei war Pirlo, der als Profi unter anderem sechsmal die italienische Meisterschaft (viermal mit Turin) gewinnen konnte, erst vor wenigen Wochen als neuer Übungsleiter von Juves U23 installiert worden. Nach dem bitteren Aus in der Königsklasse warfen die Klub-Bosse jedoch ihre Planungen wieder über Bord und ernannten den 41-Jährigen direkt zum Nachfolger des letztlich an den hohen Erwartungen gescheiterten Meistertrainers Sarri.

Maurizio Sarri und Cristiano Ronaldo von Juventus Turin

Fotocredit: Getty Images

Juventus: CL-Titel das große Ziel

Nun soll ausgerechnet der "Maestro", der während seiner Zeit als Profi das Spiel auf dem Platz wie kaum ein zweiter diktieren konnte, Juve zunächst einmal in den kommenden beiden Jahren (Vertrag bis 2022) in Richtung des ersten CL-Titels seit 1996 führen.

Fußball-Experte Davide Bighiani von Eurosport in Mailand erkennt im Vorgehen der Klub-Bosse jedoch durchaus taktisches Kalkül. "Die Idee ist, ein Team von Champions in die Hände eines Champions zu geben. Agnelli betonte zuletzt, dass die Mannschaft verjüngt werden müsse. Viele Spieler, darunter Gonzalo Higuaín, Sami Khedira und Blaise Matuidi, werden den Verein nun voraussichtlich verlassen", ahnt der Italiener und betont:

"Juventus glaubt, dass Pirlo ihnen einen 'europäischen" Spielstil' einhauchen kann, um damit in naher Zukunft die Champions League gewinnen zu können. Früher wurde jener Titel als Traum angesehen, mittlerweile wurde er von Agnelli als großes Ziel ausgerufen."

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Umso mehr überraschte die Entscheidung, auf Pirlo zu bauen, anstatt einen renommierten Übungsleiter an Land zu ziehen. "Corriere dello Sport" bezeichnete die Beförderung des Ex-Profis gar als "sehr unitalienisch, eventuell sogar spanisch."

Pirlo wandelt auf Zidanes Spuren

In der Tat erinnert der Schritt stark an den von Real Madrid in der Winterpause der Spielzeit 2015/16, als sich die Königlichen nach der Ära Rafael Benitez komplett neu aufstellten und den damaligen U23-Coach zum Cheftrainer der Profimannschaft beförderten.

Der Erfolg gab Real aber letztlich Recht: Zidane gewann während seiner ersten Amtszeit in Madrid dreimal den Champions-League-Titel und einmal die spanische Meisterschaft. Elementarer Bestandteil der Erfolgself war damals Superstar Cristiano Ronaldo, der nun auch in Turin unter Pirlo aller Voraussicht nach noch mehr in den Fokus rücken wird, als ohnehin schon.

"Pirlo wird wahrscheinlich mit einem 4-3-3-System agieren, mit Hauptaugenmerk auf das Mittelfeld, der großen Schwachstelle von Juve in den vergangenen Jahren. Als TV-Experte betonte er immer wieder, dass Ronaldo im Angriff mehr Bälle bekommen müsse. Nun liegt es an ihm selbst, dies auf dem Spielfeld zu korrigieren", so Bighiani weiter.

Für den mittlerweile 35-jährigen Ronaldo könnte es unter Pirlo sogar die letzte Chance sein, den Henkelpott mit den Bianconeri zu gewinnen. Bis dahin ist es jedoch noch ein weiter Weg. Trotzdem ist der erste Schritt der "Juve-Revolution", wie "Corriere dello Sport" titelte, zweifelsohne getan.

Pirlo selbst meldete sich am Sonntagabend via Twitter - und er ließ keinen Zweifel daran, dass er sich gewappnet sieht für die großen Aufgaben. "Ich bin hocherfreut und geehrt, solch einen Respekt und solch ein Vertrauen von Juventus zu erfahren. Ich bin bereit für diese großartige Möglichkeit", schrieb er.

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