Serge Gnabry - Talfahrt beim FC Bayern setzt sich in der Nationalmannschaft fort: Sinnbild für eklatante Offensivkrise
VonThomas Gaber
Publiziert 25/09/2022 um 00:08 GMT+2 Uhr
Serge Gnabry ist nach einem guten Saisonstart in ein tiefes Loch gefallen. Seine Formkrise beim FC Bayern München hat sich nahtlos auf die deutsche Nationalmannschaft übertragen. Bundestrainer Hansi Flick gab dem Offensivspieler gegen Ungarn eine neue Bewährungschance, die der 27-Jährige sträflich verstreichen ließ. Die Mitspieler halten bedingungslos zu Gnabry, sind aber auch zunehmend ratlos.
Serge Gnabry am Boden: Sinnbildlich für seine Situation bei Bayern und im DFB-Team
Fotocredit: Imago
Freitagabend stand in Leipzig eine deutsche Nationalelf von Beginn an auf dem Platz, die in weiten Teilen das Gerüst des DFB-Teams für die WM in Katar darstellen soll.
Außer Marc-André ter Stegen, der den an Corona erkrankten Stammtorhüter Manuel Neuer vertrat, waren ausschließlich Spieler im Einsatz, die gute Chancen haben, auch im ersten WM-Spiel gegen Japan am 23. November in der Startelf zu stehen.
Auch Serge Gnabry gehört dazu. Bundestrainer Hansi Flick schickte den zuletzt im Verein arg kriselnden Angreifer in der Nations League gegen Ungarn (0:1) in der Hoffnung ins Rennen, die Frischzellenkur Nationalmannschaft möge bei Gnabry anschlagen. Das tat sie nicht, nicht mal im Ansatz.
Nach 45 Minuten war für den 27-Jährigen schon wieder Schluss. Gewiss, Gnabry fiel Flicks taktischer Umstellung zum Opfer. Weil Jonas Hofmann als Rechtsverteidiger so gar nicht funktioniert hatte, brachte Flick mit Thilo Kehrer einen dritten Innenverteidiger und beorderte Hofmann und David Raum eine Linie weiter nach vorne. Ein Offensivspieler musste dafür weichen, Flick entschied sich für Gnabry.
Gnabry lieferte schwache Zahlen gegen Ungarn ab
Der hatte aber auch null Argumente für eine Weiterbeschäftigung geliefert. Gnabry kam als Rechtsaußen auf eine miserable Passquote von 62 Prozent, gab keinen Torschuss ab und bereitete auch keinen vor.
Gnabry knüpfte im Nationaltrikot an seine schwachen Leistungen beim FC Bayern an. Nach einem guten Saisonstart mit zwei Toren und zwei Assists ist er in ein tiefes Loch gefallen und tut sich verdammt schwer, da wieder herauszukommen.
Dabei lief im Sommer alles nach Wunsch. Im Juli machte Gnabry mit seiner Vertragsverlängerung (bis 2026) in München einen Haken unter eine monatelange Hängepartie. Manchester United und vor allem Real Madrid wurde ein Interesse an Gnabry nachgesagt, doch weil der FC Bayern ihn unbedingt halten wollte, wurde Gnabrys Gehaltsvorstellung weitestgehend entsprochen. Laut "Sportbild" gehört er mit nunmehr 19 Millionen Jahresgehalt zu den Topverdienern an der Säbener Straße.
Guter Saisonstart nicht von langer Dauer
Im Jahr eins nach Robert Lewandowski sollte Gnabry, der in den letzten vier Jahren 64 Tore in Pflichtspielen für die Münchner erzielte und mit dieser Quote Lewandowski noch am nächsten kam, eine tragende Rolle im Angriff spielen.
Zu Saisonbeginn stürmte Gnabry an der Seite von Sadio Mané im 4-2-2-2 an vorderster Front. Beide ließen sich abwechselnd zurückfallen, sodass das Sturmzentrum stets besetzt war. Doch schon im zweiten Bundesligaspiel gegen Wolfsburg (2:0) wurde er in der Halbzeit ausgewechselt. Es folgte eine lästige Knochen-Verletzung am rechten Handgelenk und der schnelle Verlust des Stammplatzes.
Außer im DFB-Pokalspiel bei Viktoria Köln (5:0) und gegen den VfB Stuttgart (2:2), als Nagelsmanns Universal-Rotation ihn in die Startelf spielte, kam Gnabry über Kurzeinsätze nicht mehr hinaus, in denen er kaum positiv auffiel.
Weil sich auch Mané und Thomas Müller in der Abwärtsspirale befinden, was ihre Leistungen bei Bayern angeht, wird hinter vorgehaltener Hand längst über die Verpflichtung einer echten Nummer neun diskutiert.
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Lief schon mal besser bei Sadio Mané, Serge Gnabry und Thomas Müller
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Kimmich betont Gnabrys Qualitäten
Teamkollege und Buddy Joshua Kimmich brach auf einer Pressekonferenz im DFB-Kreis eine Lanze für Gnabry. "Ich und wir als Mannschaft haben Riesenvertrauen in ihn. Serge ist ein brutal wichtiger Spieler für uns, weil er ein Spieler ist, der extrem zielstrebig ist, der immer den Abschluss sucht und der die Dinger vor der Hütte eigentlich auch reinmacht", sagte Kimmich.
Das Wörtchen "eigentlich" suggeriert, dass auch Kimmich ratlos ist, warum Gnabry derzeit so verdammt wenig gelingen mag.
Flick gab ihm am Freitag eine neue Chance, die Gnabry sträflich verstreichen ließ. Dabei hatte er auch in der Nationalmannschaft zuletzt keinen einfachen Stand. Im Juni durfte er nur in einem von vier Spielen beginnen und wartet seit fast einem Jahr auf einen Treffer.
Gnabry nahm seine Formkrise mit zur Nationalmannschaft und kam am Freitag keinen Schritt weiter - wie im Übrigen auch alle anderen Bayernakteure nicht. Flick reagierte darauf höchst diplomatisch. "Ich glaube, die Spieler haben eine sehr hohe Eigenmotivation, aus dieser Situation wieder herauszukommen", sagte der Bundestrainer.
Musiala und Havertz setzen Gnabry unter Druck
Es ist nicht davon auszugehen, dass Gnabry im letzten ernsthaften Test vor der WM kommenden Montag gegen England die Möglichkeit bekommen wird, sich zu rehabilitieren. Mit Jamal Musiala und Kai Havertz scharren zwei weitere Angreifer mit den Hufen.
Und in Dortmund sitzt der verletzte Marco Reus, den man angesichts der extrem schwachen Offensivleistung der DFB-Elf gegen Ungarn schon fast als "Gewinner" der Länderspielphase bezeichnen darf.
Die DFB-Startelf von Freitag soll weiterhin Gerüst des DFB-Teams in Katar bilden. Der eine oder andere Spieler ist aber drauf und dran, durchs Raster zu fallen. Auch Serge Gnabry gehört dazu.
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Flick deutlich: "Erste Halbzeit hat uns die Augen geöffnet"
Quelle: Perform
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