Sind die schweren Stürze, die den Radsport vor allem auch in jüngerer Vergangenheit begleiteten, einfach Teil des Geschäfts oder die Folge eines zu hohen Risikos, das Veranstalter wie Fahrer eingehen?
Sowohl als auch, erklärt Jens Voigt, der 2009 bei der Tour de France schlimm stürzte und tagelang in einem Klinikum in Grenoble behandelt werden musste: "Meinen Kindern gegenüber erkläre ich Stürze im Radsport gerne mit einem Vergleich zur Titanic. Eisberge gehörten da dazu, trotzdem will man eine Kollision natürlich unter allen Umständen vermeiden."
Dies, so der 49-Jährige, werde aber durch die Entwicklung im Radsport immer schwieriger.
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"Die Krux bei den Stürzen ist auch, dass der Sport immer populär geworden ist und entsprechend viele Medien daran teilhaben möchten, vor allem bei den großen Rundfahrten. Es sind immer mehr Fahrzeuge mit auf der Strecke. Und die Fahrer selbst sind ja auch begeistert, wenn die Familie am Abend am TV-Schirm die Rennszenen in bester HD-Qualität und aus nächster Nähe sehen kann", sagt Voigt im Gespräch mit Eurosport.de.
Nur: "Die Straßen werden deshalb nicht breiter."

Voigt: Warum nicht stärker auf Drohnen setzen?

So wurde beim Giro der Belgier Pieter Serry auf der 6. Etappe von einem Begleitfahrzeug des Teams BikeExchange umgefahren.
"Es hätte viel schlimmer enden können", sagte der 32-Jährige am Eurosport-Mikrofon, nachdem er mit Rückenschmerzen davongekommen war. Brisant: Wenige Wochen zuvor hatte ihn bei der Katalonien-Rundfahrt bereits ein Begleitmotorrad zu Fall gebracht.

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Voigt regt daher Neuerungen an. Die Teamstärke habe man "bei den großen Rundfahrten bereits von neun auf acht Fahrer reduziert", so der zweimalige Sieger der Deutschland-Tour.
"Vielleicht sollte man dies auch bei den Begleitfahrzeugen tun. Dafür braucht es aber kreative und innovative Ideen", so Voigt. "Ich bin da sehr für den Einsatz moderner Technologien. Warum nicht mehr auf den Einsatz von Drohnen zurückgreifen, die über und neben dem Feld schweben und keinen Platz wegnehmen."

"Radsport ist kein Ping-Pong-Spiel"

Doch auch diese Maßnahmen wären nur ein Schritt hin zu mehr Sicherheit in einer Sportart, die aufgrund ihres Tempos sowie der engen Duelle Rad an Rad immer auch vom Risiko begleitet werden wird. So geschehen vor wenigen Tagen beim Sturz von Matej Mohoric auf dem neunten Teilstück der Italien-Rundfahrt.

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Der Slowene überschlug sich bei hohem Tempo in der Abfahrt vom Passo Godi. Mohoric wurde im Krankenhaus untersucht. Immerhin: "Ich hatte großes Glück: keine gebrochenen Knochen, eine leichte Gehirnerschütterung und keine Kopfschmerzen im Moment", ließ der 26-Jährige später wissen.
Auch Mohoric weiß: Es kann jederzeit wieder passieren, dass es zu einem Sturz kommt - sei es durch eigenes Verschulden oder eine Unachtsamkeit der Konkurrenz. "Der Radsport ist kein Ping-Pong-Spiel. Schulter- und Ellbogeneinsatz sind Teil des Geschäfts - solang sich alles im sportlichen Rahmen bewegt", betont Voigt.
Es werde aber "immer ein Risiko bleiben - und mit dem muss man leben".
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