Lennard Kämna mit neuer Rolle: Vom "freien Elektron" zum Rundfahrer - Jens Voigt traut Bora-Profi starke Saison zu
Lennard Kämna hat mit einem Topergebnis bei Tirreno - Adriatico seine starke Form gleich zu Saisonbeginn eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Der vierte Platz im einwöchigen WorldTour-Rennen in Italien soll nur der Auftakt zu weiteren Spitzenresultaten sein - dabei ist erstmals auch die Gesamtwertung in einer Grand Tour das Ziel. Für Eurosport-Experte Jens Voigt der richtige Schritt.
Lennard Kämna im Leadertrikot bei Tirreno - Adriatico 2023
Fotocredit: Getty Images
Beim Giro d'Italia im Mai wird Kämna zusammen mit dem Russen Aleksandr Vlasov die Kapitänsrolle bei Bora-hansgrohe übernehmen, wenn das deutsche Team wie 2022 das Rosa Trikot anstrebt.
Die Eroberung des Führungstrikots bei Tirreno - Adriatico wird dem 26-Jährigen dafür mächtig Rückenwind geben, ist Voigt überzeugt.
"Er wird jede Menge Selbstbewusstsein getankt haben und weiß jetzt, dass er bis zum Ende bei den Topfahrern mithalten kann. Er muss nicht früh angreifen und Kamikaze-Attacken starten, sondern kann auf seine Stärke vertrauen. Es fehlt ihm nicht viel zu den ganz großen Namen."
Der Auftritt Kämnas beim 'Rennen zwischen den Meeren' hat Voigt nachhaltig überzeugt. "Schon das starke Zeitfahren war eine große positive Überraschung - und danach hat er dem Druck standgehalten, ist die ganze Woche konstant gut gefahren, aufmerksam gewesen und hat sich die Kräfte gut eingeteilt. So konnte er in den Bergen immer da sein, wenn er gefordert war und hat wenig taktische Fehler gemacht. Das weckt Hoffnung für die Saison - schließlich war er am Ende immerhin Vierter und die Abstände lagen im Sekundenbereich. Er war ganz dicht dran an der absoluten Weltspitze. Lennard wird uns in diesem Jahr noch viele gute Rennen zeigen, auch beim Giro d'Italia."
Voigt: Giro ein guter Plan für Kämna
Den Angriff aufs Gesamtklassement hält Voigt für den logischen nächsten Schritt in der Karriere des Hoffnungsträgers, der beim Giro 2022 als Etappensieger am Ätna, 19. der Gesamtwertung und "MVP" der Königsetappe glänzte. "Lennard hat im letzten Jahr gezeigt, dass er als "freies Elektron" sehr erfolgreich sein kann. Aber er möchte sich sicher weiterentwickeln und da ist der Giro ein guter Plan."
Bei der Tour de France war Kämna im Vorjahr schon ganz nah dran am Gelben Trikot, der Giro mit seinen drei Zeitfahren passt 2023 aber noch besser zum Fahrerprofil des einstigen Junioren-Weltmeisters im Kampf gegen die Uhr.
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Kämna stürmt zum Sieg: Das Finale der Bergankunft am Ätna
Quelle: Eurosport
Steigerungspotential sieht Voigt beim Norddeutschen noch in zwei Bereichen: "Verbessern kann er sich noch beim maximalen Punch, damit er ganz am Ende bergauf im Sprint noch mitfahren kann. Außerdem könnte er vielleicht noch etwas mehr taktischen Mut wagen: Wenn er weiß, dass er einen Gegner nicht im direkten Vergleich im Finale schlagen kann, dann eben zum Beispiel mal anderthalb oder zwei Kilometer vor dem Ziel losfahren, um den Überraschungseffekt zu nutzen."
Ein Ansatz, der nicht nur für Kämna selbst gelte: "Mutige Taktik ist sowieso für das ganze Team der Schlüssel zum Erfolg - bei Tirreno haben sie das mit der Attacke von Vlasov auf der letzten schweren Etappe schon mustergültig vorgemacht. Da hatten sie Team Jumbo schon am Boden. Gegen Fahrer wie Tadej Pogacar oder Primoz Roglic hat Bora niemand, der da im direkten Duell am Schlussanstieg mithalten kann - aber sie haben mehrere Fahrer, die fast so stark sind und darauf müssen sie bauen."
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