Giro d'Italia - Fünf Themen für die Schlusswoche: Macht Vingegaard den Pogacar? Duell ums Podium und Punktetrikot
VonFelix Mattis
Update 25/05/2026 um 18:49 GMT+2 Uhr
Die Schlusswoche des Giro d'Italia ist traditionell jedes Jahr die schwerste der Italien-Rundfahrt - so auch 2026. In den verbleibenden sechs Tagen des "Corsa Rosa" folgt ein Highlight auf das andere und das Rennen bietet noch viele spannende Themen. Es geht um Rosa, es geht um Ciclamino und es geht um den wichtigen Etappensieg für die deutschen Teams Lidl-Trek und Red Bull-Bora-hansgrohe.
Highlights: Ausreißer überrascht auf verkürzter Etappe nach Mailand
Quelle: Eurosport
15 Etappen sind absolviert, nur sieben Teams durften bislang einen Etappensieg bejubeln - das heißt im Umkehrschluss: 16 Mannschaften sind beim 109. Giro d'Italia noch ohne Erfolgserlebnis und werden darauf brennen, die verbleibenden sechs Teilstücke zu nutzen.
Ein Spektakel darf erwartet werden!
Spannend wird es aber auch im Kampf um die Gesamtwertung. Auch wenn es scheint, als wäre Jonas Vingegaard (Visma-Lease a Bike) das Rosa Trikot kaum mehr abzunehmen, so verspricht zumindest der Kampf um die weiteren Podestplätze zwischen vor allem Felix Gall (Decathlon-CMA CGM), Thymen Arensman (Netcompany-Ineos) und dem Red-Bull-Duo Jai Hindley und Giulio Pellizzari Hochspannung.
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Fünf Themen für die Schlusswoche des Giro d'Italia 2026.
- Giro d'Italia live im TV bei Eurosport und im Stream bei HBO Max
- Ergebnisse und Klassements: So steht's beim Giro im Kampf um Rosa
1. Macht Vingegaard den Pogacar?
Zwei Jahre ist es her, dass Tadej Pogacar das Double anvisierte und viel darüber diskutiert wurde, inwiefern der Slowene bei deutlicher Führung von damals nach Etappe 15 bereits 6:41 Minuten auf Geraint Thomas in der Giro-Schlusswoche Kräfte sparen sollte, um mit Blick auf die Tour de France nicht zu erschöpft aus dem Mai zu kommen.
Einen Energiesparmodus schien Pogacar damals aber nicht zu kennen. Er fügte seinen bis dahin vier Tageserfolgen in der Schlusswoche noch zwei weitere hinzu, baute seinen Vorsprung in der Gesamtwertung immer weiter aus und gewann das Maglia Rosa schließlich 9:57 Minuten vor Dani Martinez.
Jetzt ist die Frage: Nimmt sich Vingegaard das zum Vorbild? Der Däne steht nach zwei Giro-Wochen bei drei Tagessiegen, hat aber auch noch drei schwere Alpen-Bergankünfte vor sich und könnte es seinem großen Dauer-Rivalen damit gleichtun. Vor der Tour de France im Juli, wo er Pogacar erneut versuchen will, das Gelbe Trikot streitig zu machen, wäre das ein starkes Statement.
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Quelle: Eurosport
2. Erstmals seit 2012 kein Sprinter im Ciclamino?
Die Sprinter hatten bei diesem Giro bislang einen schweren Stand: Zwar gab es gleich zum Auftakt in Bulgarien zwei Massenankünfte, die beide Paul Magnier (Soudal-Quick-Step) für sich entschied. Doch seitdem guckten die 'schnellen Männer' in die Röhre:
In Neapel auf Etappe 6 verhinderte das feuchte Kopfsteinpflaster in der letzten Kurve den 'Sprint Royale', Etappe 12 in Novi Ligure machte Movistar unterwegs am Berg so schwer, dass die Sprinter im Finale nicht mehr zurückkommen konnten und nun am Sonntag bei der 15. Etappe in Mailand, kam das Ausreißer-Quartett um Fredrik Dversnes (Uno-X Mobility) sensationell durch.
Gleichzeitig ist auf den hügeligen Etappen dieser Italien-Rundfahrt ein Mann bislang das Maß der Dinge: Jhonatan Narváez (UAE-Emirates-XRG) hat bereits drei Etappen gewonnen und hat mit seiner Jagd nach Zwischensprint-Punkten am Wochenende nun seine Ambitionen in Sachen Maglia Ciclamino endgültig.
- Der Giro d'Italia 2026 live und auf Abruf bei HBO Max
Am letzten Ruhetag steht es 145:131 für Magnier im Duell mit dem Ecuadorianer. Doch die schwere Schlusswoche wird extrem spannend: Die Ankünfte der Etappen 17 und 18 in Andalo und Pieve di Soligo sind wie gemacht für Narváez und er könnte dort als Sieger maximal 25 (Etappe 17) und 50 (Etappe 18) Punkte einstreichen. Dem gegenüber steht nur ein zu erwartender, echter Massensprint auf der Schlussetappe in Rom, wo Magnier 50 Zähler winken, wenn er auch dort Jonathan Milan und Co. hinter sich lässt.
Auf den Etappen 16, 19 und 20 sollten beide im Ziel leer ausgehen und so könnten die Zwischensprints mit ihren 12-8-5-3-1 Punkten für die Top 5 zum Zünglein an der Waage werden: Jeden Tag gibt es einen davon. Auf den Etappen 16, 17 und 19 dürfte es für Magnier aufgrund vorheriger Anstiege schwer werden, dort zu punkten, auf den Etappen 18, 20 und 21 ist es aber durchaus möglich, wenn sein Team erfolgreiche Ausreißer jagt.
Zuletzt ging das Maglia Ciclamino übrigens 2012 nicht an einen Sprinter. Damals gewann es der Gesamtzweite Joaquim Rodriguez mit einem einzigen Punkte Vorsprung auf Sprint-Ass Mark Cavendish.
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Quelle: Eurosport
3. Wie spielt Red Bull die Doppelspitze?
Die zwei großen Ziele von Red Bull-Bora-hansgrohe bei diesem Giro d'Italia waren von Beginn an ein Podestplatz in der Gesamtwertung und ein Etappensieg. Nach 15 Etappen ist beides noch nicht erreicht, beides aber durchaus noch machbar.
Als Fünfter und Sechster der Gesamtwertung liegen Hindley und Pellizzari 53 Sekunden beziehungsweise 1:32 Minuten hinter dem dritten Rang von Felix Gall, der seinerseits 13 Sekunden Vorsprung auf den Gesamtvierten Arensman hat. Dass Afonso Eulalio (Bahrain Victorious) 2:26 Minuten hinter Leader Vingegaard noch vor allen vier liegt, scheint nur noch eine Momentaufnahme zu sein, wenn er auf dem Podium bliebe, wäre das nicht weniger als eine Sensation.
Der Trend bei der letzten Bergankunft in Pila im Aostatal hat gezeigt: Das Red-Bull-Duo ist nach Krankheitsproblemen wiedererstarkt und klettert besser als Arensman, sodass der dritte Podestplatz sehr gut erreichbar scheint - vor allem wenn man zu zweit taktisch klug agiert und den Niederländer sowie Gall abwechselnd attackiert. Und selbst wenn das mit dem Attackieren von Vismas Helferzug unterbunden wird, scheint es realistisch, dass entweder Hindley oder Pellizzari noch aufs Podium klettert.
Schwieriger, so scheint es, ist das Sekundärziel zu erreichen: der Etappensieg. Denn aus der Favoritengruppe heraus dürfte es für Hindley und Pellizzari schwer bis unmöglich werden, Vingegaard zu schlagen. Und in Ausreißergruppen fand Aleksandr Vlasov bislang am Berg auch immer nicht nur einen besseren Gegner.
Die Frage ist also: Ist die Sportliche Leitung um Christian Pömer mutig genug, einem der anderen Helfer für die mittelschweren Etappen 17 und 18 freie Fahrt für eine Fluchtgruppe zu geben und haben die dann auch die Power, die Nico Denz 2025 auf Etappe 18 in Cesano Maderno hatte, als er damals die Giro-Bilanz seines Teams rettete.
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4. Schafft Lidl noch den Etappensieg?
Mit großen Ambitionen ist Lidl-Trek zum Giro gereist: Gleich zum Auftakt wollte Jonathan Milan ins Rosa Trikot sprinten, Giulio Ciccone wollte in den Bergen einen Etappensieg einfahren sowie vielleicht das Bergtrikot angreifen und Derek Gee-West an seinen vierten Gesamtrang aus dem Vorjahr anknüpfen.
Nach zwei Wochen ist zu konstatieren: Milan wurde zwei Mal von Magnier klar geschlagen und hatte sonst Pech. Gee-West ist als Neunter knapp drei Minuten von seiner Vorjahresplatzierung weg. Und Ciccone erfüllte sich zwar den Traum vom Rosa Trikot für zumindest einen Tag, litt bei seiner Etappenjagd aber stark unter dem Siegeshunger von Vingegaard und der Fahrweise der GC-Teams.
Trotzdem: Das zweite deutsche WorldTeam hat bislang nicht enttäuscht, es fehlte lediglich immer wieder das letzte Quäntchen. Man darf auch in der Schlusswoche davon ausgehen, dass Ciccone weiter täglich seinen Offensivgeist zeigt und nicht locker lässt - schließlich könnten die Etappen 16, 17, 18, 19 und 20 allesamt etwas für ihn sein, wenn es die Rennkonstellation zulässt.
Und auch an den Etappensieg von Milan zum Abschluss in Rom glaubt man weiterhin fest, wie Walscheid nach der Enttäuschung von Mailand am Sonntagabend am Eurosport-Mikrofon betonte. Und der Sportliche Leiter Bernhard Eisel stellte fest, dass sein italienischer Sprintstar im Vergleich zur Konkurrenz bislang recht gut durch die Berge gekommen sei und daher vielleicht am Ende der Rundfahrt weniger müde sein könnte.
Weit mehr als ein Trostpreis wäre es übrigens, wenn Ciccone noch das Maglia Azzurra gewinnen würde. Dafür aber müsste der Italiener wohl ohnehin darauf hoffen, dass Vingegaards Visma-Mannen die Ausreißer auf einer der Bergetappen durchkommen lassen und er dadurch auch an das Primärziel Tageserfolg einen Haken setzen kann. Denn wenn Vingegaard die drei Bergankünfte alle für sich entscheidet, wäre er zwar rein rechnerisch trotzdem noch, aber realistisch nicht wirklich mehr einholbar.
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5. Holt sich Gall den Podestplatz?
Bislang war Felix Gall die klare Nummer zwei an den Bergen dieses Giros. Sowohl am Blockhaus als auch am Corno alle Scale und nun am Samstag im Aostatal in Pila kam nur Vingegaard vor dem Salzburger an.
Trotz des Zeitverlusts im Einzelzeitfahren von Massa ist Gall daher klar auf Podiumskurs bei dieser Italien-Rundfahrt. Einzig das Ende der Schlusssteigung von Pila ließ einen klitzekleinen Zweifel aufkommen: Da nämlich wankte der 28-Jährige etwas, verlor plötzlich mehr Boden auf Vingegaard und musste auch die Verfolger Hindley, Pellizzari und Davide Piganzoli nochmal näher herankommen lassen.
War das die Trendwende und man muss sich doch noch um den Podestplatz des Österreichers sorgen? Das nicht unbedingt, trotzdem aber liegen natürlich noch viele schwere Kilometer vor ihm und ein schlechter Tag könnte im engen Vierkampf mit Hindley, Pellizzari und Arensman reichen, um den Traum platzen zu lassen. Es wird spannend - nicht nur für die österreichischen Fans!
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