Giro d'Italia: UAE glänzt mit Masterclass und holt sich durch Jhonatan Narváez den dritten Etappensieg der Woche
Die 8. Etappe des Giro d'Italia hatte sich fast jedes Team dick markiert, doch am Ende war es zum dritten Mal die UAE-Mannschaft, die den Tagessieg holte. Wie die Truppe um Jhonatan Narváez diesen Coup auf dem Weg von Chieti nach Fermo einfädelte, war ein absolutes Lehrstück. Neben dem Etappensieger und seinem MVP Mikkel Bjerg glänzte auch einer der Podiumsanwärter - drei Dinge, die auffielen.
Highlights: Attacken-Festival an der Adria mit UAE-Krönung
Quelle: Eurosport
Der längsten Etappe des Giro folgte die mit Abstand schnellste: Vollgas von Start bis Ziel hieß es auf den 156 Kilometern.
Mit über 45 km/h im Durchschnitt wurde das Teilstück absolviert und war damit trotz der vier Bergwertungen im Finale flotter als die zum Teil fast topfebenen Sprintetappen zuvor.
Fahrern wie Fans blieb kaum Zeit, durchzuatmen - aber sie wurden mit einem Spektakel belohnt. Herausragend war dabei nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch die Erfolgstaktik von UAE.
Drei Dinge, die auf der 8. Giro-Etappe auffielen:
1. Attacken-Festival an der Adria
Wer gedacht hatte, das Feld würde es am Tag zwischen zwei Bergankünften ruhiger angehen lassen, sah sich übelst getäuscht: Zu viele Teams hatten sich diese Etappe markiert, denn viele Rennställe haben weder auf Sprintetappen noch bei Bergankünften Chancen - also muss es an Tagen wie diesem achten Teilstück um jeden Preis klappen.
So entwickelte sich eine Vollgas-Verfolgungsfahrt, der selbst Zeitfahr-Superstar Filippo Ganna nicht gewachsen war: Zusammen mit Landsmann Alberto Bettiol kämpfte der Italiener knapp eine Stunde als Duo, doch selbst sie konnten sich nicht lösen.
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Permanent folgte im Feld Attacke auf Attacke und trotz des Gegenwindes lag der Schnitt nach zwei Stunden noch immer bei fast 50 km/h. Für Ganna zumindest "ein gutes Training fürs Zeitfahren am Dienstag", für alle anderen eine reine Qual.
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Experten erklären: Darum wurde die 8. Etappe zum Highspeed-Rennen
Quelle: Eurosport
"Viele Rennfahrer hätten sich etwas anderes gewünscht, aber es ist eben kein Wunschkonzert", bilanzierte Eurosport-Experte Robert Bengsch im Velo Club. Selbst der letztlich doch noch als Ausreißer glänzende Norweger Andreas Leknessund hatte die Hoffnung schon aufgegeben: "Am Start hatten wir enorm viel Gegenwind. Ich war schon sehr aktiv, um in die Gruppe zu kommen. Irgendwann habe ich den Jungs gesagt, dass ich es aufgebe. Niemand würde bei dem Wind wegfahren können."
2. Masterclass von UAE
Dass letztlich doch eine Spitzengruppe Erfolg hatte, war einer absoluten Masterclass von UAE geschuldet. Das Team wartete mit seinem Vorstoß sehr lange und verschleuderte weniger Kräfte in den ersten anderthalb Rennstunden als die Konkurrenz. Erst nach 82 Kilometern startete Mikkel Bjerg durch, Narváez sprang an sein Hinterrad und dann konnte nur Leknessund mithalten.
Die darauf folgende aufopferungsvolle Tempoarbeit von Bjerg ließ im weiteren Verlauf selbst eine über zwanzigköpfige Verfolgergruppe nie wieder herankommen und UAE am Ende über den dritten Sieg in dieser Woche jubeln.
Die Etappenjäger des Pogacar-Rennstalls nutzen ihre Freiheiten nach dem Aus ihrer Stars im Aufgebot perfekt - und haben noch lange nicht genug: "Ich denke, wir werden hier noch öfter gewinnen in den nächsten Wochen", kündigte Narváez an.
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"Teamarbeit aus dem Lehrbuch": Experten loben UAE-Auftritt
Quelle: Eurosport
"UAE hat es perfekt gemacht", lobte Ex-Profi Rolf Aldag bei Eurosport und Bengsch pflichtete bei: "Das war Teamarbeit, wie sie im Lehrbuch steht". Besonders die Rolle von Bjerg könne nicht hoch genug eingeschätzt werden: "Ich hätte meine Zweifel, ob ohne ihn überhaupt ein Sieg herausgekommen wäre."
Ganz nebenbei gewann UAE auch die Tageswertung im Mannschaftsklassement, vier ihrer nur noch fünf im Rennen verbliebenen Fahrer landeten in den Top 20 dieser Etappe.
3. Hindley gibt nächsten Hinweis
Vor dem Start des Giro waren sich fast alle Experten einig: Giulio Pellizzari dürfte der größte Herausforderer von Jonas Vingegaard werden. Dass Red Bull-Bora-hansgrohe ankündigte, der junge Italiener würde eine Doppelspitze mit Teamkollege Jai Hindley bilden, wurde vielfach abgetan. Sympathische Nostalgie, den australischen Giro-Sieger von 2022 symbolisch auf Augenhöhe zu stellen und ihm in Anerkennung vergangener Großtaten die erste Startnummer im Aufgebot zu geben.
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Jai Hindley zeigt seine Klasse auch beim Giro d'Italia 2026
Fotocredit: Getty Images
Doch der 30-Jährige bewies nun bereits zum zweiten Mal, dass man ihn keinesfalls zu früh abschreiben sollte. Bei der Bergankunft am Blockhaus teilte er sich mit seiner Erfahrung die Kräfte clever ein, sprintete noch auf den dritten Platz und holte so die letzten Bonussekunden - und nahm Pellizzari einige Meter ab.
Ähnliches Spiel heute im Finale von Fermo: An der Rampe zum Ziel verschärften der Reihe nach etliche Fahrer aus der Favoriten-Gruppe das Tempo - doch das beste Timing hatte wieder Hindley: Seinem Antritt konnte nur Vingegaard folgen. Die Zwei-Sekunden-Lücke mag mit Blick auf die noch anstehenden Prüfungen banal erscheinen, doch sie beweist: Hindley ist ein ernstzunehmender Podiumskandidat.
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Giro-Strecke: Profil der 9. Etappe - vom Meer zur Bergankuft
Quelle: Eurosport
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