Tadej Pogacar unbesiegbar? Konkurrenz um Remco Evenepoel und Paul Seixas schöpft Hoffnung für neue Klassiker-Duelle
VonJan Zesewitz
Update 17/04/2026 um 17:41 GMT+2 Uhr
Der Dominator ist nicht unschlagbar: Mit seinem Triumph gegen Tadej Pogacar hat Wout van Aert nicht nur die Siegesserie des Weltmeisters in diesem Jahr beendet, sondern auch dessen Konkurrenz vor den nächsten Klassikern Mut gemacht. Dort wollen Olympiasieger Remco Evenepoel und der französische Himmelsstürmer Paul Seixas ihre Chance suchen und beim nächsten Monument mehr als nur aufs Podium.
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Quelle: Eurosport
Der junge Franzose gewann zuletzt die Baskenland-Rundfahrt mit drei Tagessiegen in beeindruckender Manier. Bei Lüttich - Bastogne - Lüttich kommt es zum ersten Duell mit Pogacar seit Strade Bianche Anfang März, wo Seixas der härteste Konkurrent des Slowenen war. Am Ende war der Youngster aber klar geschlagen, doch seine Formkurve steigt seitdem extrem an.
Christian Prudhomme, Chef der ASO, die Rennen wie die Tour de France, Paris - Roubaix und auch den Ardennen-Klassiker organisiert, sieht das Duell zwischen Pogacar und dem 19-Jährigen schon vor sich. "Ich träume von einem Sprint in Lüttich zwischen Pogacar und Paul (Seixas) um den Sieg bei La Doyenne, und ich glaube, dass das möglich ist", sagte er gegenüber "RMC Sport".
Pogacar war in den vergangenen Jahren auf dem Weg nach Lüttich eine Klasse für sich. Stets attackierte er an der Côte de la Redoute und fuhr rund 35 Kilometer als Solist ins Ziel. Die Redoute und die 20 Kilometer später folgende Côte de la Roche-aux-Faucons sind traditionell die entscheidenden Anstiege bei diesem Klassiker.
"Ich glaube, dass Seixas, egal welche Angriffe kommen, an der Redoute oder der Roche-aux-Faucons nicht abgehängt wird", meinte Prudhomme, der große Hoffnungen in seinen jungen Landsmann steckt. Wer gesehen hat, wie der Teenager die Konkurrenz im Baskenland in den Anstiegen, auf den Abfahrten und im Zeitfahren beherrschte, dürfte dem Tour-Direktor zustimmen.
Seixas: "Kann die Lücke schließen"
Der Décathlon-Kapitän zeigte schon im vergangenen Jahr, dass er dem aktuellen Dominator nicht kampflos das Feld überlassen will. Im Herbst wurde er hinter Pogacar und Remco Evenepoel Dritter bei den Europameisterschaften und Siebter bei der Lombardei-Rundfahrt.
Im Jahr 2026 hat er einen weiteren Schritt nach vorne gemacht - und ist immer noch Teenager. Seine Unbekümmertheit und sein Selbstvertrauen sind vielleicht sein größter Trumpf gegen Pogacar. Ihm fehlen die unzähligen Niederlagen, die andere Konkurrenten gegen den Slowenen schon einstecken mussten.
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Paul Seixas und Tadej Pogacar auf dem Podium von Strade Bianche 2026
Fotocredit: Getty Images
"Wenn ich ihnen am Ende der letzten Saison folgen konnte, obwohl ich viel jünger bin, glaube ich, dass ich diese Lücke schließen kann, wenn ich mich verbessere", sagte Seixas schon vor Saisonstart gegenüber "RMC Sport".
In Lüttich wird sich zeigen, ob seine Verbesserungen die Lücke zu Pogacar schon schließen können. Bei Strade Bianche war Seixas zwar näher dran als die Konkurrenz, der Weltmeister aber dennoch eine Klasse für sich. Auch bei der Flandern-Rundfahrt konnte er das Rennen fast nach Belieben bestimmen.
Van Aert zeigt, dass man Pogacar schlagen kann
Aber es klappt auch beim Slowenen nicht immer - und genau da liegt die Hoffnung für die Konkurrenz. Bei Paris - Roubaix, ein zugegebenermaßen völlig anderes Rennen als Lüttich - Bastogne - Lüttich, hatte er Defektpech und konnte den späteren Sieger van Aert nicht abschütteln. Im Gegenteil: Es war der Belgier, der den Rhythmus in der Hölle des Nordens vorgab und die entscheidende Selektion mit seiner Attacke erzwang.
Roubaix ist unvorhersehbarer als La Doyenne, die an den steilen Ardennen-Anstiegen entschieden wird und für die Bergfahrer vorteilhaft ist. Mathieu van der Poel wirkte ohne sein Defekt-Fiasko als der stärkste Fahrer auf dem Weg ins Velodrom, aber auch van Aert hatte Defekt-Pech und schlug den Slowenen letztlich fair im Sprint.
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Quelle: Eurosport
Bei Mailand - Sanremo konnte Pogacar einen Zweier-Sprint für sich entscheiden. Wieder war es aber so, dass der Rennverlauf nicht komplett nach seinen Wünschen verlief. Trotz seines Sturzes 30 Kilometer vor dem Ziel attackierte er an der Cipressa, aber Tom Pidcock wurde er bis zur Ziellinie nicht los.
Der Brite, der auch in Lüttich am Start stehen wird, wurde schließlich um wenige Zentimeter geschlagen - und darf berechtigte Hoffnungen haben, dass er dieses Ergebnis umdrehen kann, wenn auch hinter seinem Start nach seinem Sturz bei der Katalonien-Rundfahrt Fragezeichen stehen.
Evenepoel mit Top-Vorbereitung auf Augenhöhe?
Und dann ist da noch Remco Evenepoel. Der Red Bull-Bora-hansgrohe-Profi ist immerhin seinerseits zweifacher Sieger von "La Doyenne" und hat den Anspruch an sich selbst, Pogacar bei genau solchen Rennen mehr als nur herauszufordern.
Bei der Flandern-Rundfahrt gelang das zuletzt nicht, obwohl er sich beim Debüt als Dritter sehr achtbar schlug. Auch im vergangenen Jahr war er bei der EM, WM, der Lombardei-Rundfahrt und Lüttich - Bastogne - Lüttich chancenlos.
Als Olympiasieger und ehemaliger Weltmeister - damals schlug er den Slowenen und gewann mit einem langen Solo quasi in Pogacar-Manier - muss das aber nicht in Stein gemeißelt sein. Zumal Evenepoel im vergangenen Jahr nach seinem Unfall mit einem Postauto erst spät in die Saisonvorbereitung einsteigen konnte. Diesmal lief sein Frühjahr nach Plan und der dritte Platz bei seiner Premiere in Flandern sollte dem Belgier Selbstvertrauen geben.
Pogacar bleibt zwar großer Favorit bei einem Rennen, das auf seine Fähigkeiten wie zugeschnitten ist. Aber hinter ihm stellt sich eine Reihe an Kontrahenten an, die beim kleinsten Fehler oder Schwäche des Dominators nicht zögern werden, ihre Chance zu ergreifen. Letztes und vielleicht bestes Beispiel: Mattias Skjelmose, der 2025 beim Amstel Gold Race völlig überraschend dafür sorgte, dass Pogacar seinen Traum vom Ardennen-Triple schon nach dem ersten der drei Rennen beendet sah.
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