Florian Lipowitz zeigt Extraklasse bei Tour de France - braucht Red Bull noch Remco Evenepoel als neuen Star?
Update 21/07/2025 um 22:21 GMT+2 Uhr
Florian Lipowitz begeistert bei der Tour de France und ist auf dem besten Weg, das Podium in Paris zu erobern. Gleichzeitig verdichten sich die Gerüchte über einen Wechsel von Remco Evenepoel zum Team Red Bull-Bora-hansgrohe. Doch braucht die deutsche Mannschaft noch einen neuen Star als Rundfahrt-Kapitän neben Lipowitz und Primoz Roglic? Robert Bengsch und Jens Voigt diskutieren die Situation.
Expertentalk: Lipowitz kämpft ums Podium - so stehen seine Chancen
Quelle: Eurosport
Wie erwartet präsentierte Red Bull-Bora-hansgrohe am Ruhetag der Tour de France eine Vertragsverlängerung - allerdings nicht jene von Florian Lipowitz: Verkündet wurde die Verlängerung der Zusammenarbeit mit dem Dänen Frederik Wandahl.
Doch darf davon ausgegangen werden, dass für Teamchef Ralph Denk die langfristige Zukunftsplanung mit dem neuen deutschen Publikumsliebling höchste Priorität hat.
Für 2026 hat Lipowitz, ebenso wie der eigentliche Tour-Kapitän Primoz Roglic, dem Vernehmen nach noch einen Vertrag mit dem einzigen deutschen Toprennstall. Derweil reißen Berichte über einen möglichen Transfer von Olympiasieger Remco Evenepoel nicht ab, der Belgier könnte aus seinem noch laufenden Arbeitsverhältnis beim Soudal-Rennstall herausgekauft und zum neuen Aushängeschild bei Red Bull werden.
Für Jens Voigt ein grundsätzlich sinnvoller Schritt der Mannschaftsleitung: "Konkurrenz belebt das Geschäft. Ein weiterer Fahrer zwingt jeden anderen Fahrer, so gut zu sein, wie er nur kann, um besser als er oder auf Augenhöhe zu sein." Und Bedarf an einem weiteren Topfahrer sieht Voigt durchaus gegeben. "Bei Roglic muss man sagen: Er ist nächstes Jahr 35, vielleicht fährt er nicht mehr aufs Grand-Tour-Podium. Aber Remco ist ein interessanter Fahrer."
Evenepoel vor Wechsel? Zeichen stehen auf Abschied
"Die Gerüchteküche sagt eher: Ja, er kommt, als Nein, er kommt nicht", fasst Robert Bengsch die Meldungen der letzten Tage und Wochen zusammen. Der unerwartete Ausstieg von Evenepoel auf der 14. Etappe könnte das Verhältnis zwischen dem Belgier und seinem Team nun zusätzlich negativ beeinflusst haben.
"Wir haben uns etwas umgehört: Die Stimmung dort war nicht so super", berichtet der Eurosport-Insider, "da läuft es ein, zwei Tage nicht so richtig gut für Remco und dann steigt er aus. Das ist wirklich schwierig. Er ist auch nicht krank, sondern er hatte die Beine nicht. Da sind wir ganz schnell an dem Punkt, wo wir darüber diskutieren müssen: Ist es notwendig, da auszusteigen, oder nicht besser, dann rauszunehmen und dann dem Team etwas zurückzugeben, indem man in der dritten Woche nochmal auf Etappensieg fährt."
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Tour-Aus! Evenepoel steigt am Tourmalet vom Rad
Quelle: Eurosport
Die Zeichen könnten also auf Abschied für den 25-Jährigen stehen, der nicht nur mit der Vuelta schon die Gesamtwertung einer dreiwöchigen Rundfahrt gewonnen hat, sondern dazu auch schon Klassiker sowie Goldmedaillen bei Olympia und WM in Straßenrennen wie Zeitfahren: Ein echter Garant für ein dutzend Siege pro Saison, wenn er verletzungs- und sturzfrei bleibt.
"Remco ist Doppel-Olympiasieger, hat zwei Mal Lüttich - Bastogne - Lüttich gewonnen - er holt spektakuläre Rennen", begeistert sich Voigt - legt aber gleichzeitig den Finger in die Wunde: "Er steigt aber auch bei großen Rundfahrten aus."
Evenepoel macht das Team stärker - und unruhiger
Aus Sicht des deutschen Tour-Rekordstarters ist klar, dass bei einem Wechsel von Evenepoel zu Red Bull die Kapitänsrolle unmissverständlich vergeben wäre:
"Er ist ein Fahrer, der absolute Liebe, Unterstützung und Zuneigung braucht. Ich glaube nicht, dass er einen Co-Leader haben möchte. Er ist: Ich, und nichts anderes außen herum. Du musst also wissen, was du einkaufst. Das kann ein Riesenjoker werden, aber auch kompliziert sein. Er würde die Mannschaft sicher stärker machen, aber auch unruhiger."
Eine Einschätzung, der sich Bengsch anschließt: "Wenn es wirklich so kommt, und davon gehe ich aus, sehe ich es eher als schwierigen Transfer, diese beiden großen Fahrer unter einen Hut zu bekommen. Sicher hat man drei Grand Tours, aber es fokussiert sich natürlich alles auf die Tour de France."
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Meister im Kampf gegen die Uhr: Evenepoel hängt Pogacar und Co. ab
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Wie geht es für Lipowitz nach 2025 weiter?
Für 2026 sieht Voigt noch die Option, dass sich Lipowitz und Evenepoel in der Planung der Saisonhöhepunkte einigen, doch mittelfristig könnte das Konkurrenzverhältnis seinerseits den Ulmer auf Wechselgedanken bringen: "Florian sagt sich vielleicht: Er (Remco) darf sich bei der Tour probieren und ich versuche vielleicht erstmal, das erste Klassement zu gewinnen - vielleicht bei Giro oder Vuelta. Und dann wäre er Ende 2026 am Vertragsende und kann sich sicherlich aussuchen, wo er hinmöchte."
Auch Bengsch hält einen Abschied von Lipowitz nach der kommenden Saison für ein zumindest theoretisch denkbares Szenario: "Florian hat ein starkes Management, bei dem ja auch Felix Gall und Matteo Jorgenson sind. Und natürlich muss man dann auch überlegen, wo die Reise hingeht in der Zukunft."
Noch halten sich alle Seiten weiter bedeckt im Pokerspiel, doch es könnte auch sehr wohl sein, dass hinter den Kulissen die Würfel längst gefallen sind, gibt der aus vielen Vertragsgesprächen während fast 20 Jahren als Profi erfahrene Voigt zu bedenken.
"Die Gespräche mit Remco haben ja sicher begonnen, bevor Florian zum Superstar wurde. Da war noch nicht abzusehen, dass er Dritter bei der Dauphiné wird und eventuell auch bei der Tour de France. Sie haben versucht, einen zweiten starken Kapitän neben Roglic zu installieren. Jetzt kommt die aktuelle Situation und natürlich denkt man: Brauchen wir ihn noch? Aber vielleicht ist der Vertrag ja sogar schon unterschrieben. Dann ist unser Gerede müßig."
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