Tour de France: Florian Lipowitz oder Remco Evenepoel? Dann entscheidet sich die Kapitänsrolle bei Red Bull

Die Doppelspitze aus Florian Lipowitz und Remco Evenepoel hat in der ersten Woche der Tour de France längst nicht so reibungslos funktioniert wie beim Team Red Bull-Bora-hansgrohe erhofft. Wie lange also kann der Rennstall diese Strategie bei der Frankreich-Rundfahrt fortsetzen? Das Eurosport-Expertenteam erwartet eine klare Festlegung auf einen Leader erst zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt.

Experten-Talk: Lipowitz oder Evenepoel - hier entscheidet sich die Kapitänsrolle

Quelle: Eurosport

Erst der verpasste Sieg im Mannschaftszeitfahren von Barcelona, dann der Wirbel um die Kritik von Evenepoel an Teamkollege Lipowitz und nun die frühe Isolierung der Kapitäne auf der 9. Etappe: Beim deutschen Topteam lief im ersten Teil der Tour vieles nicht wie geplant.
Gleichzeitig liegen aber die beiden Anführer des Rennstalls in der Gesamtwertung noch gut im Rennen um einen Platz auf dem Podium. Die Konkurrenz ist allerdings enorm stark und so steht die Frage im Raum, wann sich die Teamleitung auf einen alleinigen Leader festlegen sollte.
Ein wichtiger Punkt dabei ist das Einzelzeitfahren auf der 16. Etappe: Evenepoel ist Weltmeister und Olympiasieger in dieser Disziplin und rechnet sich dort große Chancen auf den Tagessieg aus. Aber welchen Zeitabstand kann er auf den 26 Kilometern auf die Konkurrenz herausfahren und wie beeinflusst das die Kapitänsfrage?
"Der Zeitfahrkurs liegt ihm garantiert, da wird er nach dem Etappensieg schielen", unterstreicht Rolf Aldag im Eurosport-Expertentalk zum Ruhetag, "und wenn er seine Rückstände bei den Bergankünften limitieren kann, dann muss das sein Ansatz sein, übers Zeitfahren Zeit gutzumachen." Der Sieg dort dürfte aber keine signifikante Rolle mit Blick auf die Gesamtwertung und die Kapitänsfrage haben, vermutet er.
"Ich glaube, der Rückstand wird bis dahin zu groß sein, als dass das noch zu reparieren ist. Aber Remco wäre nicht Remco, wenn er nicht dran glauben würde und das macht ihn natürlich auch erfolgreich - er ist der Letzte auf dem Planeten, der nicht mehr an sich glaubt."

Tour-Einzelzeitfahren "wird nicht entscheiden"

Auch Robert Bengsch legt sich in seiner Einschätzung fest. "Das Einzelzeitfahren wird nicht übers Podium entscheiden. Der Etappensieg für Remco ist eingepreist und das Zeitfahren liegt ihm auch. Der erste Teil ist sehr schwer mit 4,8 % durchschnittlicher Steigung, danach wird es flach und ich kann mir nicht vorstellen, wer da schneller fährt. Aber die Abstände werden aufgrund der geringen Distanz nicht unendlich groß sein. Vielleicht eine Minute, vielleicht 1:10 Minuten. Das heißt, die Gesamtwertung wird in den Bergen entschieden auf den schweren Bergetappen."
Dort aber hat Lipowitz seine Stärke und dürfte den aktuellen Rückstand von 30 Sekunden auf den Belgier problemlos aufholen und auch zusätzlichen Rückstand aus dem Kampf gegen die Uhr kompensieren können.
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Red-Bull-Duo ohne Helfer: "Die Erwartungen sind andere"

Quelle: Eurosport

Wann also sollte es seitens der Mannschaftsleitung eine Entscheidung geben? Wie groß muss der Abstand sein, damit Lipowitz bei Red Bull offiziell als Kapitän ausgerufen wird?
Eurosport-Kommentator Karsten Migels erwartet, dass die Fans des Tour-Dritten von 2025 noch Geduld brauchen werden: "Die Entscheidung wird vielleicht erst innerhalb der letzten zwei, drei Tage der Tour de France fallen. Denn dann wird es noch mal richtig schwer und da wird sicherlich dann auch die Entscheidung fallen, für wen man fahren wird", rechnet er mit einer Festlegung erst zu den beiden Bergankünften in Alpe d'Huez.

Red Bull muss intern Klarheit schaffen

Aber hätte Red Bull sich nicht schon im Vorfeld der Tour festlegen müssen? Dazu hat Aldag, der Lipowitz im Vorjahr noch als Sportchef des Teams aufs Podium führte, eine differenzierte Sichtweise:
"Ich glaube, dass es intern entschieden sein muss. Extern, in der Kommunikation, hält man es natürlich offen, weil es macht dich ja auch ein bisschen unberechenbar. Ich glaube, dass die sich schon zusammensetzen mussten und gesagt haben bei welchem Verlauf entscheiden wir wie.
Einfach mal auf der Straße sehen, wie es so läuft, ist ja keine wirkliche Taktik. Intern musst du es besprechen, damit solche Sachen nicht passieren, die jetzt passiert sind. Aber nach außen mit einer Doppelspitze reinzugehen, das nimmt Druck von beiden. Das sorgt erst mal bei den Gegnern so ein bisschen für Kopfzerbrechen und deshalb ist das vielleicht ein guter Weg. Aber dass du natürlich innerhalb der Mannschaft darüber sprechen musst, finde ich eigentlich logisch."

Tour: Del Toro als lachender Dritter?

Der Kampf ums Tour-Podium wird in jedem Fall eine Mammutaufgabe, egal auf welchen seiner Topfahrer Red Bull letztlich setzt. Denn hinter Dominator Pogacar sehen die Eurosport-Experten auch den zweiten Platz schon als vergeben an. "Jonas ist mit Abstand der zweitbeste Fahrer und deshalb wird er auch Zweiter werden. Wenn wir eine steile Bergankunft haben, dann kommt Pogacar vorne an, dann Vingegaard - und dahinter wird es interessant", fasst es Aldag zusammen.
Bleibt also nur noch der dritte Platz auf dem Podium für die verbleibenden Spitzenfahrer. Und dort scheint Pogacar unbedingt seinen jungen Teamkollegen Isaac del Toro sehen zu wollen. "Klar ist es der Plan, Isaac auf die drei zu stellen und das kann auch klappen, so stark wie er ist", sagt Bengsch. Gleichzeitig gibt er zu bedenken: "Trotzdem glaube ich, dass der Fokus erst mal ganz klar auf dem Hauptziel liegt. Und alles, was dann kommt, nehmen sie natürlich gerne mit. Aber es wird natürlich auch ein langer Weg und deswegen wird man erst mal Pogacar absichern."
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Alle Helfer abgehängt: Lipowitz holt Flaschen für Evenepoel

Quelle: Eurosport

Red Bull: Ziel ist der Tour-Sieg

Sollte aber tatsächlich der Mexikaner oder gar Frankreichs Teenager-Toptalent Paul Seixas auf den Champs-Elysées das Podium erreichen, würde das bei Red Bull für Gesprächsbedarf sorgen.
"Das Ziel war ganz klar, mit Evenepoel die Tour de France zu gewinnen. Und davon sind sie aktuell sehr weit entfernt", stellt Migels als Zwischenbilanz fest. Ähnlich urteilt Aldag: "Der Plan muss ja gewesen sein, man addiert die beiden Talente, um dann Pogacar zu schlagen. So viel Geld gibt ja man nicht aus, um Rennen wie das Amstel Gold Race zu gewinnen. Aber so ist halt der Sport, man muss es ja auch respektieren und akzeptieren. Die Frage ist: War es voraussehbar oder nicht?"
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Lipowitz mit Zwischenbilanz nach 9. Etappe: "Können happy sein"

Quelle: Eurosport


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