Tour de France - Jens Voigt über Paul Seixas und seine Chancen: "Schicksal hat ihm den größtmöglichen Gefallen getan"
Paul Seixas ist der Aufsteiger der Rad-Saison 2026. Der 19-Jährige feierte zahlreiche Erfolge im Frühjahr und wird bei der Tour de France sein Grand-Tour-Debüt geben. Die Generalprobe dafür verlief aber etwas holprig. Bei der Tour Auvergne-Rhône-Alpes musste Seixas nach einem Sturz sogar aufgeben. Eurosport-Experte Jens Voigt verrät, warum der Dämpfer womöglich genau zum richtigen Zeitpunkt kam.
Highlights 7. Etappe: Sturz-Drama um Seixas - Bergankuft geht an del Toro
Quelle: Eurosport
Die Hoffnungen einer ganzen Nation ruhen auf seinen Schultern.
Mit gerade einmal 19 Jahren wird Paul Seixas bei der bevorstehenden Tour de France sein Grand-Tour-Debüt geben - und die Erwartungen sind hoch.
"Paul Seixas hatte ein sehr starkes Frühjahr. Er war bei Lüttich-Bastogne-Lüttich der letzte Fahrer, der Pogacar noch folgen konnte. Das muss man ihm hoch anrechnen", lobt Eurosport-Experte Jens Voigt Seixas' Entwicklung.
"Auch die Baskenland-Rundfahrt hat er eindrucksvoll gewonnen, obwohl er dort zwischenzeitlich einen taktischen Fehler gemacht hat. Er attackierte im Regen hinter der Spitzengruppe, kam aber nicht nach vorne und konnte sich auch nicht absetzen", erklärt Voigt.
Der Franzose räumte jedoch später selbst ein, dass diese Aktion ein Fehler war. "Das zeigt Reife - und ich glaube nicht, dass ihm so etwas noch einmal passiert", so der 54-Jährige.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2026/06/13/image-aa32e84c-3e63-4e64-b860-70718db4b33f-85-2560-1440.jpeg)
Seixas nach Sturz schwer gezeichnet: Blutend auf Verfolgungsjagd
Quelle: Eurosport
Seixas muss Tour-Generalprobe abbrechen
Nach seinem Erfolg bei der Baskenland-Rundfahrt ging es für Seixas weiter zur Tour Auvergne-Rhône-Alpes. Die Tour-Generalprobe in Frankreich lief für ihn allerdings nicht nach Plan.
Der Youngster kam auf der vorletzten Etappe zu Fall und musste damit seine Chancen auf den Gesamtsieg begraben. Tags darauf trat er zwar noch einmal an, beendete die Abschlussetappe jedoch vorzeitig.
"Mit Blick auf die Tour Auvergne-Rhône-Alpes hat ihm das Schicksal sogar den größtmöglichen Gefallen getan. Das klingt zunächst etwas schräg, aber der enorme Erwartungsdruck ist dadurch deutlich kleiner geworden", sagt Voigt und führt weiter aus:
"Die Menschen haben erkannt, dass auch er nur ein Mensch ist. Er muss nicht zwangsläufig gleich in seinem ersten Tour-de-France-Jahr gewinnen. Bis dahin hatte er fast überall gewonnen, wo er am Start stand. Dadurch entstand schnell der Eindruck, dass ihm alles zufliegt."
/origin-imgresizer.eurosport.com/2026/06/13/image-791c76c9-584a-4621-a1f3-88c70164ae70-85-2560-1440.jpeg)
"Jetzt wird's chaotisch!" Seixas mit wilder Verfolgungsfahrt nach Sturz
Quelle: Eurosport
Voigt über Seixas-Sturz: "Daraus wird er lernen"
Neben seinem Triumph bei der Baskenland-Rundfahrt hatte Seixas in diesem Jahr unter anderem den Ardennen-Klassiker Flèche Wallonne sowie die Faun-Ardèche Classic gewonnen.
Auch bei den prestigeträchtigen Eintagesrennen Strade Bianche und Lüttich-Bastogne-Lüttich zeigte er auf und musste sich letztlich jeweils nur Tadej Pogacar geschlagen geben.
Der Sturz und der damit verbundene Ausstieg bei der Tour Auvergne-Rhône-Alpes war somit der erste kleine Dämpfer für den Mann vom Team Decathlon-CMA-CGM.
"Er hat selbstkritisch gesagt, dass er zu viel Risiko eingegangen ist und bergab ein paar Positionen gutmachen wollte. Dabei ist er aber zu schnell in die Kurve gefahren. Auch daraus wird er lernen", versichert Voigt.
Doch schon vor seiner Aufgabe lief es bei Seixas nicht ganz rund. Im Mannschaftszeitfahren musste er von einem Teamkollegen eingebremst werden, als er kurzfristig beschleunigte.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2026/06/24/image-34d1b32d-b236-4b13-ae65-e2fa9c104000.jpeg)
Paul Seixas quält sich bei der Tour Auvergne-Rhône-Alpes ins Ziel
Fotocredit: Getty Images
Voigt: "Die Lektion kam genau zum richtigen Zeitpunkt"
"Die Rundfahrt hat alle kleinen Schwächen offengelegt - beim Mannschaftszeitfahren, in der Taktik, beim Risikomanagement und bei der Geduld. Gleichzeitig hat er Charakter gezeigt. Nach seinem Sturz stand er am nächsten Tag wieder am Start, obwohl er sich offensichtlich ordentlich wehgetan hatte", zeigt sich Voigt beeindruckt.
In den Augen des zweimaligen Tour-Etappensiegers war dies eine durchaus lehrreiche Erfahrung für den 19-Jährigen.
Voigt erläutert: "Er war auf dem Weg zum absoluten Superstar und zum Liebling einer ganzen Nation. Dann kam dieser kleine Schlag ans Kinn. Plötzlich wurde ihm vor Augen geführt: Auch ich muss arbeiten, kämpfen, geduldig sein und die richtigen Entscheidungen treffen. Die schmerzhafte Lektion kam aus meiner Sicht genau zum richtigen Zeitpunkt."
/origin-imgresizer.eurosport.com/2026/06/14/image-bf166e50-1020-4cc0-b9b3-480d1f1ec826-85-2560-1440.jpeg)
Seixas gibt nach Sturz Verletzungs-Update am Start
Quelle: Eurosport
Decathlon: Seixas' Tour-Start nicht in Gefahr
Hinsichtlich seines Gesundheitszustands gab es am Mittwoch positive Nachrichten zu vermelden.
Eine Kernspintomografie habe laut "L'Equipe" erneut bestätigt, dass Seixas' Zustand keinerlei Anlass zur Sorge gebe. Der 19-Jährige, der sich bei seinem Sturz Schürfwunden und Prellungen zugezogen hat, sei am Wochenende bereits wieder ins Training auf der Straße eingestiegen.
Sorgen bereitet hingegen die Helferriege, dort soll es nach mehreren Medienberichten Krankheitsfälle geben, die noch zu ungeplanten Änderungen im Aufgebot führen könnten.
Am Tour-Start des Teamkapitäns gebe es dagegen keinen Zweifel, "Paul wird bei der Tour dabei sein", hieß es gegenüber der Nachrichtenagentur "AFP" aus der Mannschaft.
"Das Zeitfenster bis zur Tour ist groß genug, um vollständig fit zu werden. Deshalb glaube ich sogar, dass er stärker und reifer zur Tour kommen wird, als wenn bei der Tour Auvergne-Rhône-Alpes alles perfekt gelaufen wäre", lautet Voigts Urteil.
Vingegaard-Vergleich: Voigt pflichtet UAE-Teamchef bei
Zumal die Vorschusslorbeeren immer größer werden. Zuletzt hatte UAE-Teamchef Joxean "Matxin" Fernández Seixas mit keinem Geringeren als Jonas Vingegaard auf eine Stufe gestellt. Eine Einschätzung, die Voigt insgesamt jedoch teilt.
"Ich bin da durchaus bei Matxin Fernández: Seixas kann Zweiter oder Dritter werden. Wenn für ihn alles perfekt läuft und bei den anderen etwas schiefgeht, kann er sogar gewinnen. Dafür muss allerdings einiges zusammenkommen", prophezeit der Eurosport-Experte.
"Trotzdem hat er nun verstanden, dass im Profiradsport nichts von allein kommt. Diese Erkenntnis könnte für seine weitere Karriere enorm wertvoll sein. All diese Fehler wird er kein zweites Mal machen", sagt Voigt abschließend.
Das könnte Dich auch interessieren: Schwerer Sturz von Zigart: Denk wünscht sich mehr Hausverstand
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/10/23/image-e9d5c9a0-1f60-4c34-8e3c-0fdbf6092a98-85-2560-1440.jpeg)
Zweimal Alpe d'Huez: Die Tour-Strecke 2026 von Barcelona nach Paris
Quelle: Eurosport
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung
/origin-imgresizer.eurosport.com/2024/12/18/image-75bf2e61-56ec-4375-aef6-96b1adf156e9-68-310-310.jpeg)