Vierschanzentournee: Karl Geiger rappelt sich auf - die Lehren von Teil eins aus Bischofshofen

Ryoyu Kobayashi feiert beim Ersatzspringen für Innsbruck in Bischofshofen seinen dritten Tagessieg bei der Vierschanzentournee - und ist damit ganz nah dran am zweiten Grand Slam. Marius Lindvik hätte ihm aber schon in die Suppe spucken können, analysierten Martin Schmitt und Werner Schuster für Eurosport. Und auch Karl Geiger und Markus Eisenbichler trauen die beiden am Donnerstag einiges zu.

Martin Schmitt, Karl Geiger und Werner Schuster (v.l.n.r.)

Fotocredit: Eurosport

Ryoyu Kobayashi wackelte ein bisschen - aber er fiel nicht. In Bischofshofen hatte Marius Lindvik schon auf den Tagessieg geschielt, am Ende fehlten dem Norweger aber 4,7 Punkte, um den dritten Tagessieg des Japaners bei der diesjährigen Vierschanzentournee zu verhindern.
Bei seinem Sprung auf 135,5 Meter wurde Lindvik eine verpatzte Landung zum Verhängnis - dadurch verlor er im Vergleich zu Kobayashi sechs Punkte bei den Haltungsnoten. "Er hätte es draufgehabt. Mit einer durchschnittlichen 18,0 hätte er das Springen gewonnen", meinte Martin Schmitt in der Experten-Analyse für Eurosport.de.
Für Ex-Bundestrainer Werner Schuster stand dem 23-Jährigen sein Ehrgeiz ein bisschen im Weg. "Kampfgeist ist im Skispringen meistens kontraproduktiv. Er hat ein bisschen die Balance verloren", analysierte der Eurosport-Experte: "Der Absprung war grandios, aber dann will er unbedingt runter, hat ein bisschen zu viel Vorlage und verhaut den Telemark."
Schmitt fügte an, dass die mit einer Lichtschranke eingeblendete Weitenlinie dabei auch eine Rolle gespielt haben könnte: "Ohne die grüne Linie hätte er es wahrscheinlich gewonnen, weil er sich dann nicht so darauf fokussiert hätte."

Ryoyu Kobayashi peilt historischen Grand Slam an

So war Kobayashi erneut der strahlende Sieger. Nun peilt der Tournee-Sieger von 2018/19 seinen zweiten Grand Slam an, Historisches.
Einen doppelten Vierfach-Triumph gab es noch nie. Vor Kobayashi hatten nur Sven Hannawald (2001/02) und Kamil Stoch (2017/18) alle vier Springen der Tournee gewonnen. Allerdings fehlt 2021/22 Innsbruck im Programm; das Bergiselspringen war am Dienstag abgesagt und nach Bischofshofen verlegt worden, wo nun zweimal gesprungen wird.
Bei Teil eins hatte der Japaner nicht seinen besten Tag. "Es hätte eine Chance gegeben, ihn zu schlagen", sagte Schuster, "aber er hat ein bisschen Luft zum Rest, da reicht es auch mal mit einem nicht ganz perfekten Sprung."
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Kobayashi nach 3. Tournee-Springen ehrlich: "Ich war nervös"

Quelle: Eurosport

Bischofshofen: Kobayashi springt taktisch - und siegt trotzdem

Mit Sprüngen auf 137,0 und 137,5 Metern war der 25-Jährige, der am frühen Nachmittag auch schon die Qualifikation gewonnen hatte, erneut einen Tick besser als die Konkurrenz. "Er ist gut gesprungen, aber nicht perfekt gesprungen. Ein gutes Gefühl für den Athleten, wenn du weißt: Ich habe ein bisschen Puffer zum nächsten", so Schuster.
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Lindvik verpatzt Landung - Kobayashi gewinnt auch drittes Springen

Quelle: Eurosport

Schmitt vermutete hinter Kobayashis Auftritt aber auch taktische Gründe. Das Training am Morgen hatte der Japaner bewusst ausgelassen, in Quali und Wettkampf wirkte er kontrolliert, nicht so risikobereit wie noch bei der Qualifikation in Innsbruck (die er auch gewann).
"Der Sprung war ein bisschen auf Sicherheit, als würde er seinen Vorsprung in der Gesamtwertung ein bisschen verwalten wollen", sagte der Team-Olympiasieger von 2002: "Aber er war sehr sauber mit schönem Telemark, damit bekam er gute Haltungsnoten." Und so reichte es erneut.

Karl Geiger mit positivem Trend

Nicht ganz aufs Podest schaffte es dagegen Karl Geiger - trotz Leistungssteigerung. Nach Platz fünf in Oberstdorf und Rang sieben in Garmisch-Partenkirchen sprang der 28-Jährige bei Teil eins in Bischofshofen als Vierter nur um 1,6 Punkte hinter dem amtierenden Gesamtweltcupsieger Halvor Egner Granerud (Norwegen) am Treppchen vorbei.
Für Schuster war dabei eine klare Leistungssteigerung erkennbar. "Es ist außergewöhnlich, wie schnell er sich nach Tiefschlägen aufrappeln kann", sagte der Ex-Bundestrainer, der seinem ehemaligen Schützling einen "sehr guter Wettkampf, speziell im zweiten Sprung" attestierte.
Schuster: "Das war sein flüssigster Absprung und dann wird die Luftfahrt auch wieder leichter. Morgen könnte ein Podiumsplatz rausschauen, den Granerud könnte er noch einholen."
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"Das war eine Ansage!": Geiger schrammt knapp am Podium vorbei

Quelle: Eurosport

Geiger rappelt sich auf

Geiger habe seine Situation gut angenommen. "Er war der Tournee-Favorit, hat dann gemerkt, dass es für die Gesamtwertung nicht reicht", bilanzierte Schuster - nun springe Geiger am Donnerstag zum Abschluss um den Tagessieg mit. "Karl hat seine Gelassenheit zurückgewonnen", sagte Schmitt.
Gemischt fiel dagegen das Urteil bei Markus Eisenbichler aus. Der Siegsdorfer war im ersten Durchgang mit nur 130,0 Meter auf Rang 16 zurückgefallen, zeigte dann aber mit einem Satz auf 140,5 Meter im zweiten Sprung die Tagesbestweite.
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Weitester Satz des Tages: Eisenbichler knallt richtig einen raus

Quelle: Eurosport

"Er war heute mein Favorit", gab Schuster zu und hoffte: "Vielleicht kann er morgen mit einer Granate Kobayashi fordern."

DSV-Springer auf dem Podium zum Abschluss?

Für die Verfolger des Japaners geht es nun (wohl) nur noch um eins: den Tagessieg. Schwer genug, hat der Japaner doch sieben seiner letzten neun Weltcup-Springen gewonnen.
Noch krasser: Bezieht man die Qualifikationen mit ein, stand der 25-Jährige zuletzt 13 von 16 (!) Mal ganz oben - nur einmal in Klingenthal (7.), einmal in Engelberg (2.) und bei der Qualifikation von Garmisch (2.), die Eisenbichler gewann, nicht.
"Den Grand Slam können sie ihm noch vereiteln - die Tournee kann er sich fast nicht mehr nehmen lassen", sagte Schuster angesichts von 17,9 Punkten Vorsprung in der Gesamtwertung auf Lindvik, was knapp zehn Meter Weite entspricht: "Ihn kann eigentlich fast nur noch ein Sturz aufhalten, den wünschen wir ihm nicht."
Geiger und Eisenbichler werden am Donnerstag (Quali um 14:30 Uhr, Springen um 17:30 Uhr live bei Eurosport 1 im TV, bei Eurosport mit Joyn und im Liveticker bei Eurosport.de) versuchen, Kobayashi noch in die Suppe zu spucken. "Beide haben die Form, um aufs Podium zu kommen - vielleicht sogar gemeinsam", meinte Schmitt: "Das wäre ein Traum."
Und ein schöner Abschluss der Tournee aus deutscher Sicht.

Vierschanzentournee: Gesamtwertung

(nach 3 von 4 Wettkämpfen)
PLATZNAMEPUNKTE
1.R. Kobayashi (Japan)884,5
2.M. Lindvik (Norwegen)866,6 (- 17,9)
3.H. E. Granerud (Norwegen)845,8 (- 38,7)
4.Eisenbichler (Deutschland)842,4 (- 42,1)
5.K. Geiger (Deutschland)841,7 (- 42,8)
6.R. Johansson (Norwegen)830,2 (- 54,3)
7.L. Kos (Slowenien)819,4 (- 65,1)
8.J. Hörl (Österreich)800,4 (- 84,1)
9.Y. Sato (Japan)783,6 (- 100,9)
10.D. Huber (Österreich)783,1 (- 101,4)

Zeitplan Bischofshofen - 6. Januar:

UHRZEITEVENT
14:30 UhrQualifikation (live bei Eurosport)
17:30 UhrSpringen (live bei Eurosport)
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"Ganz bitter!" Tournee-Dritter Kos stürzt im Schnee von Bischofshofen

Quelle: Eurosport

Eurosport zeigt alle vier Springen der Vierschanzentournee inklusive der Qualifikation LIVE im Free-TV. Werner Schuster kommentiert mit Gerhard Leinauer, Martin Schmitt analysiert mit Birgit Nössing im Studio. Alle Springen LIVE gibt's auch bei Eurosport mit Joyn+!
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"Hier ist alles anders": Schmitt erklärt Bischofshofen-Springen

Quelle: Eurosport

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