Karl Geiger klatschte glücklich und entspannt Beifall, als Ski-Idol Felix Neureuther dem polnischen Überflieger Dawid Kubacki die Siegertrophäe in die Hand drückte. Mit einer grandiosen Aufholjagd hatte der Skiflug-Weltmeister kurz zuvor einen nie mehr für möglich gehaltenen fünften Platz beim Neujahrsspringen gerettet und damit den Traum vom Sieg bei der Vierschanzentournee am Leben erhalten.
"Dass es noch so weit nach vorne geht, das hätte ich nicht mehr gedacht", sagte Geiger nach dem unverhofften Happy-End eines schwierigen Tages in Garmisch-Partenkirchen.
Dass es für die deutschen Skispringer nichts mit dem Traumstart ins Jahr 2021 wurde, weil auch Markus Eisenbichler als Siebter die Podestchance verspielte; dass Geiger die Tournee-Führung mit nunmehr vier Punkten Rückstand an den diesmal zweitplatzierten Norweger Halvor Egner Granerud verlor - beides zu verschmerzen: Das deutsche Topduo reist mit allen Chancen auf den ersten Gesamtsieg seit 19 Jahren und großer Angriffslust zur dritten Tournee-Station nach Innsbruck.
Innsbruck
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"Wir werden den Norwegern und Polen schon noch zeigen, wo der Bartl den Most holt", sagte Eisenbichler, Fünfter in der Tournee-Wertung, in breitestem Bairisch mit Blick auf den Bergisel, wo schon am Samstag die Qualifikation und am Sonntag der Wettkampf ansteht (beides 13:30 Uhr live im Free-TV bei Eurosport 1 und bei Eurosport auf Joyn!). Dort könnte es wie schon bei der WM 2019 zur großen "Geigenbichler"-Show kommen: Eisenbichler wurde damals Weltmeister, Geiger holte an einem traumhaften Tag Silber.

Spielfilm mit klarem Hauptdarsteller: So lief das Neujahrsspringen

Geiger fehlen in Garmisch-Partenkirchen nur 0,5 Punkte aufs Podest

In Partenkirchen sah es am Freitag lange nach einem ganz üblen Nachmittag für Geiger aus. Drei Tage nach seinem großen Heimsieg in Oberstdorf hatte er nach dem ersten Durchgang bei ungünstigem Wind abgeschlagen auf Platz 14 gelegen, dann aber mit Wut im Bauch aufgedreht und starke 138,0 m von der Großen Olympiaschanze ins Tal gezaubert. Letztlich fehlten ihm mit 259,9 Punkten ein halber Zähler oder umgerechnet 28 Zentimeter zum erneuten Podestplatz.

"Wirklich gut!" Geiger startet Aufholjagd mit Sprung auf 138 Meter

"Der Wettkampf heute war echt nicht ohne, eine schwierige Nummer", sagte Geiger, der nicht zu viele Gedanken an einen möglichen Tournee-Sieg verschwenden wollte: "In Bischofshofen wird's entschieden. Ich will gar nicht darüber sprechen. Nächster Wettkampf, Vollgas geben, und dann schauen wir."
So lief das Neujahrsspringen: Geiger mit wichtiger Schadensbegrenzung
Kubacki sprang mit dem Schanzenrekord von 144,0 m im zweiten Durchgang noch ganz nach vorne (282,1 Punkte) und fing den führenden Granerud (274,9) noch ab. Platz drei und vier gingen durch Piotr Zyla und Kamil Stoch ebenfalls an die Polen, die sich bestens erholt von ihrem kurzzeitigen Corona-Ausschluss in Oberstdorf zeigten. Eisenbichler lag nach Durchgang eins noch auf Platz vier, konnte daran aber nicht anknüpfen.

"Bester Sprung der Saison!" Kubacki segelt zum Schanzenrekord

Eurosport-Experte Martin Schmitt lobte Geiger für seinen zweiten Sprung: "Karls Sprung muss man sehr hoch einschätzen."
Der Unterschied zwischen dem Oberstdorfer und Kubacki war aus Sicht von Schmitt gar nicht so klar, wie es das Ergebnis am Ende ausdrückt: "Kubacki ist bei Aufwind gesprungen - umgerechnet müsste man Karl rund fünf Metern drauf rechnen, dann ist er schon bei 143 Metern. Karl war mit seinem Sprung absolut auf Augenhöhe. Es ist alles noch eng."

Analyse zu Garmisch: "Geigers Sprung war bärenstark"

Horngacher: "Bin mit unserem Ergebnis sehr zufrieden"

"Die Polen hatten heute auch Glück mit den Verhältnissen", sagte Bundestrainer Stefan Horngacher über seine früheren Schützlinge: "Mit unserem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Karls zweiter Sprung war stark. Es ist aber zu früh, über die Gesamtwertung zu sprechen."
Geiger knapp Zweiter: So steht es in der Tournee-Gesamtwertung
Auch wenn die DSV-Adler mit Athleten im zweiten Durchgang - Martin Hamann (11.), Pius Paschke (13.) und Richard Freitag (27.) kamen hinzu - mannschaftlich besser abschnitten als in Oberstdorf, setzte sich die längste deutsche Tournee-Durststrecke fort. Seit Hannawald, der danach auch als letzter DSV-Adler den Gesamtsieg holte, am 1. Januar 2002 gab es keinen Heimsieg in Garmisch-Partenkirchen.
Vierschanzentournee in Innsbruck live im TV, Livestream und Liveticker
Den deutschen Stars fehlte allerdings die gewohnte Unterstützung durch das schwarz-rot-goldene Fahnenmeer an der futuristischen Schanze. Statt der 21.000 Fans, die Geiger im Vorjahr auf Platz zwei gebrüllt hatten, herrschte wie bei allen Stationen der "Corona-Tournee" gähnende Leere.
Die Vierschanzentournee 2020/21: Alle Springen - Qualifikation und Wettkampf - in Oberstdorf (28.12./29.12.), Garmisch-Partenkirchen (31.12./1.1.), Innsbruck (2.1./3.1.) und Bischofshofen (5.1./6.1.) LIVE im Free-TV bei Eurosport 1 und bei Eurosport auf Joyn!
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