Felix Hoffmann erwischte die Neuigkeit kalt - aber er nahm sie gerne an. "Ich musste schnell nochmal meine Startnummer rauskramen und dann ab aufs Podest", schilderte der DSV-Adler die Szenen nach der überraschenden Disqualifikation des Zweiten Timi Zajc in Oberstdorf: "Die Punkte, die in die Tourneewertung gehen, bleiben gleich. Aber das Podest ist das i-Tüpfelchen auf einem schönen und gelungenen Wettkampf."
Mit Philipp Raimund (5.) haben die deutschen Skispringer im Kampf um die Podestplätze in der Tournee-Gesamtwertung nach Oberstdorf auch noch ein zweites Eisen im Feuer. "Mit den beiden kann man sehr zufrieden sein", sagte Bundestrainer Stefan Horngacher bei Eurosport: "Sie haben ganz vorne mitperformt und super Sprünge gezeigt. Sie haben auch dem Druck standgehalten vor deutschem Publikum."
Dass der Traum vom ersten deutschen Tourneesieg seit Sven Hannawald 2001/02 jedoch wahrscheinlich erneut unerfüllt bleiben wird, liegt am "Domenator" des Winters: Domen Prevc.
Die Lehren aus Oberstdorf.
Highlights Oberstdorf: Hoffmann stark - aber der "Domenator" schockt sie alle
Quelle: Eurosport
1. Domen est Omen
Domen Prevc machte seinem Spitznamen als "Domenator" der Szene auch in Oberstdorf wieder alle Ehre. Mit traumwandlerischer Perfektion setzte der Slowene mit 141,5 und 140 Metern in beiden Durchgängen die Bestweite und schnappte sich bereits seinen sechsten Weltcupsieg des Winters.
Dass der 25-Jährige zuvor noch nie bei einem Tourneespringen auf dem Podest stand und bis dato auch noch nie ein Slowene auf der Schattenbergschanze gesiegt hatte, war ihm herzlich egal. "Ich bin super froh, dass ich diesen slowenischen Fluch besiegen konnte", meinte er bei Eurosport.
Prevc durchbricht den "Fluch": Ging "überraschend leicht"
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Seine folgenden Aussagen dürften auf die Konkurrenz ebenso demoralisierend wie seine Sprünge wirken. "Es war überraschenderweise ein leichter Tag für mich", sagte der Bruder des Tourneesiegers von 2015/16, Peter Prevc, ohne den Anflug von Arroganz.
Den Eurosport-Experten Markus Eisenbichler und Martin Schmitt nötigte Prevc phänomenaler Auftritt größten Respekt ab. "Das war eine unglaubliche Performance von ihm", meinte Schmitt.
Eisenbichler imponierte vor allem die Aggressivität des Slowenen am Schanzentisch. "Er springt den Sprung auf Biegen und Brechen nach vorne, das System ist aber gleich geschlossen. Das ist Wahnsinn", meinte der sechsfache Weltmeister in seiner Analyse für Eurosport.de. Damit aber noch nicht genug: "Seine letzte Flugphase ist brutal, er zieht den Sprung ab 120 Meter sogar noch ein bisschen raus."
In der Konsequenz bedeuteten die zwei Traumsprünge 17,5 Punkte Vorsprung auf den Tageszweiten Tschofenig. Stefan Kraft, im Vorjahr immerhin Sieger in Oberstdorf, lag als Tages-Neunter sogar 30,3 Zähler hinter dem Slowenen und verabschiedete sich damit wohl schon aus dem Rennen um den Goldenen Adler.
Hoffmann: "Podest ist das i-Tüpfelchen für heute"
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2. Hoffmann überstrahlt den Wellinger-Fail
Die ersten Ergebnisse des Winters kündigten es bereits an, beim Auftaktspringen der Tournee bestätigte sich die neue Zeitrechnung: Nicht mehr Andreas Wellinger (30), Karl Geiger (32) und Pius Paschke (35) geben im DSV-Team den Ton an, sondern die jüngeren Felix Hoffmann (28) und Philipp Raimund (25).
Mit Sprüngen auf 132,5 und 136 Meter fixierte Hoffmann bereits seinen dritten Podestplatz in Serie. Raimund lag mit 136 und 133 Meter nur 2,1 Punkte dahinter.
"Das war ein herausragender Start. Ein Podiumsplatz bei der Tournee ist ein Traum, so kann es weitergehen", lobte Schmitt Hoffmann entsprechend euphorisch. Es habe ihn "sehr beeindruckt, dass Felix so liefern konnte", meinte der Eurosport-Experte.
Vor allem der "zweite Sprung war fantastisch; so rhythmisch, mit viel Gefühl genau immer im richtigen Winkel geflogen. Sein Flugsystem ist super. Er hat sich Platz drei definitiv verdient."
Schmitt adelt Hoffmann: "Ein herausragender Start"
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So sah es auch Eisenbichler: "Er hat sofort nach dem Schanzentisch die Steigbewegung, ist mit dem Oberkörper drüber und lässt das System entwickeln."
Raimund habe dagegen "im ersten Durchgang ein bisschen was liegenlassen", analysierte Schmitt: Er war über den Vorbau vielleicht ein Tick zu verhalten." Erst den zweiten Sprung habe der Oberstdorfer "verdammt aggressiv und mit vollem Selbstbewusstsein knallhart durchgezogen". Sein großes Plus kommentierte Eisenbichler so: "Der macht keine Gefangenen beim Absprung."
"Die Zwei machen's": Raimund und Hoffmann überzeugen in Oberstdorf
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Mit neun Top-6-Platzierungen in dieser Weltcup-Saison habe der Sommer-Grand-Prix-Gesamtsieger an sich "die Sicherheit und kann im Wettkampf Gas geben. Er muss nicht groß nachdenken. Das hilft ihm auch für Garmisch", hofft Schmitt. Raimund selbst fand seine Sprünge "insgesamt positiv, ich bin relativ nah an Platz zwei dran". Nur Prevc fliege momentan "auf einem anderen Level".
Auf einem anderen Level unterwegs war in Oberstdorf auch Wellinger - im negativen Sinne. Nachdem sich der zweifache Olympiasieger zuletzt die Wettkämpfe in Klingenthal und Engelberg zu Trainingszwecken geschenkt hatte, schied er auf der Schattenbergschanze mit einem Hüpfer auf 110,5 Meter als 49. von 50 Startern sang- und klanglos aus.
Deutsches Duell: Hoffmann "brillant" - Wellinger stürzt ab
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"Das tut mir wirklich im Herzen weh", fühlte Eisenbichler mit: "Das Flugsystem hat er verbessert, aber leider ist zu wenig Druck auf dem Sprung."
Auffällig: Wellingers sehr hohe Position im Anlauf, aus der heraus er keine Sprungkraft entwickeln konnte. "Die Streckbewegung beim Absprung wäre an sich super, aber so bekommt er zu wenig Druck auf den Schanzentisch. Er legt sich eigentlich nur raus", analysierte der ehemalige Weggefährte für Eurosport.de.
Wellinger bleibt neben Geiger, der
als 53. nicht mal die Qualifikation am Sonntag überstanden hatte, das große Sorgenkind im DSV. "Das ist die bittere Pille, die wir schlucken müssen. Es ist leider nicht in die Richtung gelaufen, die wir angepeilt haben", meinte Bundestrainer Horngacher.
Horngacher exklusiv: "Wir können vorne mitspringen"
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3. Slowenen-Motto: Richtig Spannung nur im Schritt
Für die Schlagzeilen waren in Oberstdorf die Slowenen zuständig: Zum einen Prevc durch seinen haushohen Sieg, zum anderen aber Zajc mit seiner Disqualifikation.
Der blaue Anzug des Slowenen war bei der Kontrolle drei Millimeter zu kurz, wie FIS-Chefkontrolleur Mathias Hafele mitteilte. "Das ist nicht viel, aber zu viel", sagte Hafele: "Regel ist Regel."
FIS-Chefkontrolleur: "Zajc' Anzug war drei Millimeter zu kurz"
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"Drei Millimeter ist eine harte Entscheidung, es wurde aber vorher auch angekündigt, dass genau kontrolliert wird", erklärte Schmitt an der Schanze, "und das wollten wir auch alle. Also muss man auch konsequent sein. Trotzdem tut es mir für Timi leid."
Ist das Beinmaß beim Anzug zu kurz, bedeutet das, dass der Skispringer den Anzug im Schrittbereich theoretisch mehr nach unten dehnen kann - so entstünde unerlaubt mehr Fläche, die beim Flug natürlich von Vorteil ist.
Tournee schon vorentschieden? Prevc schockt die Konkurrenz
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Formuliert man es überspitzt, lassen die Slowenen Spannung also nur im Schritt zu. Prevc distanzierte den Zweiten Daniel Tschofenig nämlich bereits um umgerechnet zehn Meter und lehrte der Konkurrenz so schon auf der ersten Station das Fürchten.
"Wir müssen aktuell auf seine Fehler warten", meinte der Österreicher bei Eurosport zerknirscht: "Wenn er so weitermacht, haben wir keine wirkliche Chance." Entsprechend wäre alles andere als ein Tourneesieg des Slowenen für Tschofenig schon jetzt "sehr überraschend". Wobei da bestimmt auch Tiefstapelei des Titelverteidigers dabei war.
Tschofenig über Prevc: "Müssen auf seine Fehler warten"
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Ganz auf einen Prevc-Gesamtsieg setzen will Schmitt nach einer Station jedenfalls noch nicht. "Die Tournee ist noch sehr lang. Er kann sich des Goldenen Adlers erst sicher sein, wenn er in Bischofshofen nach dem zweiten Sprung unten steht. Es kann noch viel passieren", meinte der Eurosport-Experte.
Gerade Tschofenig sei noch einiges zuzutrauen: "Daniel ist ein Wahnsinnswettkämpfer. Er liebt die Herausforderung und ist immer auf den Punkt da. Beeindruckend, wie er sich da immer wieder mobilisieren kann."
Raimund: "Domen fliegt auf einem anderen Level"
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