Alexander Zverev - warum der Blick in den Rückspiegel Sorgen bereitet
Alexander Zverev hat Platz drei in der Weltrangliste beim ATP Masters von Miami zurückerobert und ist damit seinem Ziel, irgendwann die Spitze zu übernehmen, nähergekommen. So weit die gute Nachricht. Gleichzeitig war in den vergangenen drei Wochen nicht zu übersehen, dass der 24-Jährige seine Konstanz verloren hat. Hinzu kommt: Im Rückspiegel nähern sich sechs Youngster mit hoher Geschwindigkeit.
Alexander Zverev
Fotocredit: Imago
Alexander Zverev brachte sehr schön auf den Punkt, worauf es für einen Topspieler wie ihn, der große Ziele formuliert, ankommt. "You’ve got to not just talk the talk - you’ve also got to walk the walk", erzählte der Olympiasieger dem Lifestyle-Magazin "Haute Living".
Nicht nur reden also, sondern handeln.
Und ja, es besteht dringender Handlungsbedarf bei dem Mann, der den Sprung auf Platz eins im Ranking und den Gewinn von Grand-Slam-Events offensiv und öffentlich proklamierte.
Es ist gerade einmal zweieinhalb Monate her, da schien der Teppich schon ausgerollt für Zverevs Machtübernahme im Tennis. Novak Djokovic durfte bei den Australian Open nicht antreten, was den Hamburger in die Situation versetzte, mit dem Turniersieg in Melbourne die Spitze zu übernehmen. Den ersten Grand-Slam-Titel hätte er en passant auch gleich aufs Konto gebracht.
Zverev verliert an Konstanz
"Nur noch fünf Siege bis zur Nummer eins", titelte Eurosport.de, nachdem Zverev mit zwei blitzsauberen Erfolgen gegen Daniel Altmaier und John Millman in den Klassiker gestartet war. Der anvisierte Doppelschlag ging bekanntlich schief, der 24-Jährige zog im Achtelfinale gegen Denis Shapovalov den Kürzeren.
Womit wir bei einem der großen "Probleme" wären, denen sich Zverev stellen muss. Shapovalov, 22 Jahre alt, gehört zu jenen sechs Top-15-Spielern, die jünger sind als der Deutsche und ihm schon jetzt unangenehm dicht im Nacken sitzen.
Komplettiert wird das Sextett von Stefanos Tsitsipas, Casper Ruud, Félix Auger-Aliassime, dem frischgebackenen Miami-Champion Carlos Alcaraz und Jannik Sinner.
Zverev: Sechs Youngster - ein Problem
Sie alle orientieren sich natürlich an den Profis, die noch vor ihnen stehen. Heißt: Sie analysieren mit ihren Teams das Spiel von Zverev, was für den die Gefahr birgt, dass die Youngster strategisch immer cleverer agieren. Schon jetzt verstehen sie es ziemlich gut, dem Goldmedaillengewinner von Peking auf höchster Ebene einen Strich durch die Rechnung zu machen.
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Aus in drei Sätzen: So verlor Zverev sein Viertelfinale in Miami
Quelle: Eurosport
Das zeigen die vergangenen sechs Grand-Slam-Wettbewerbe: Zverev scheiterte an Sinner (French Open 2020), Tsitsipas (French Open 2021), Auger-Aliassime (Wimbledon 2021) und Shapovalov (Australian Open 2022).
Die übrigen beiden Niederlagen bei den US Open und Australian Open der Vorsaison kassierte er gegen Altmeister Novak Djokovic. Die Rückblende offenbart, dass es längst nicht mehr nur die Big 3 sind, die zwischen Zverev und seinen Träumen stehen.
Zverevs Plan: Den Druck "auch genießen"
Von daher war es ein richtiger Versuch, in Miami mit Testcoach Sergi Bruguera neue Impulse zu setzen. Zverev muss seine Konstanz wiederfinden, dann ist er mit seinem überragenden Aufschlag und dem formidablen Spiel von der Grundlinie nur schwer zu schlagen.
Er hat alle Fähigkeiten, um die jüngere Konkurrenz in Schach zu halten, in Bestform ist Zverev gegen keinen Spieler der Welt mehr in der Außenseiterrolle.
Nicht umsonst zeichnen die direkten Vergleiche gegen die sechs genannten Herausforderer ein freundliches Bild. Einzig gegen Tsitsipas hat der 1,98-m-Schlaks eine negative Bilanz. Dazu kommt, dass der Grieche und auch der Norweger Ruud nur etwa ein Jahr jünger sind. Die Zeit spielt noch lange nicht gegen Zverev, der gerade einmal 24 Jahren alt ist.
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Zverevs Australian Open - zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Quelle: Eurosport
Und der von Saison zu Saison steigende Druck? Als Spitzenspieler müsse man "lernen, damit umzugehen und diesen Teil auch zu genießen, denn schließlich haben die Leute, die an der Spitze stehen, nicht ohne Grund Druck", winkt Zverev ab. Deutschlands Nummer eins will und muss in mentaler Hinsicht dennoch dazulernen.
Ausraster und Fokus - woran Zverev arbeiten muss
Zum einen geht es darum, den Fokus während langer Matches zu halten, zum anderen darum, Wut besser zu kanalisieren. Den Eklat von Acapculco, als er nach einer Niederlage im Doppel mit dem Racket auf den Schiedsrichterstuhl eindrosch, bezeichnete er kurz darauf als "größten Fehler seiner Karriere".
Es sei ihm "peinlich, wenn ich durch die Umkleidekabine laufe", gab Zverev zu.
Es wird interessant zu beobachten sein, wie er in Zukunft mit Frust umgeht, denn das immer stärker in die Kritik geratene Zertrümmern von Schlägern auf dem Platz gehört eben auch zu seinem Repertoire.
Zverev weiß, dass er spielerisch wie mental weltklasse sein muss, um den eigenen Ambitionen gerecht zu werden. Das ist die Aufgabe, denn sonst könnte es sein, dass er Sinner, Alcaraz und Co. bald nicht mehr im Rückspiegel sieht - und zwar deshalb, weil sie ihn überholt haben ...
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Das geht ans Herz: Geflüchteter Tennis-Opa (98) zockt mit Radwańska
Quelle: Eurosport
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