Die Australian Open kommen "überhaupt nicht infrage", Wimbledon wäre "eine Überraschung" - wenn Roger Federer in den vergangenen Wochen über sein Comeback gesprochen hat, klang das extrem zurückhaltend.
Der Schweizer erholt sich derzeit von seiner dritten Knie-Operation seit 2020.
"Ich bin realistisch: Es wäre ein großes Wunder", erklärte Federer vor etwa vier Wochen im "Tagesspiegel". Dennoch bleibe die Rückkehr auf die ATP Tour der "ultimative Traum".
Tennis
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Das Problem ist allerdings: Je länger der Rekord-Grand-Slam-Champion dem Profizirkus fernbleibt, desto schwieriger wird es, den Anschluss herzustellen. "Tennis verändert sich und wird schneller. Das ist dann irgendwann nicht mehr einfach", sagt Alexander Zverev im Podcast-Gespräch mit Eurosport-Experte Boris Becker und Moderator Matthias Stach.
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Obwohl Federer in den vergangenen beiden Jahren nur 19 Matches bestritt, ist er aufgrund diverser Sonderregelungen während der Corona-Pandemie noch immer auf Platz 16 der Weltrangliste notiert.
Der letzte Auftritt des Maestros, die Viertelfinal-Niederlage gegen Hubert Hurkacz in Wimbledon, liegt bereits mehr als 17 Monate zurück.

Becker: "Gibt keinen größeren Roger-Fan als mich, aber ..."

Es war die 1526. Partie auf Tour-Niveau für den Basler - und das Szenario, dass keine mehr hinzukommt, ist nicht unrealistisch. "Es gibt keinen größeren Roger-Fan als mich, aber ich weiß nicht, wie einfach es ist, mit fast 41 Jahren noch einmal ein Comeback nach einer Knie-Operation zu geben", zweifelt auch Zverev an der Güte eines möglichen Comebacks.

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Der Olympiasieger von Tokio vergleicht die Situation von Federer mit der von Rafael Nadal. Auch der Mallorquiner arbeitet derzeit an seinem Tour-Comeback.
Ein erster Test bei der Mubadala World Tennis Championship, einem Einladungsturnier in Abu Dhabi, lief mittelprächtig.
Der 35-Jährige unterlag Andy Murray und Denis Shapovalov, viel schlimmer aber war der positive Test auf das Coronavirus nach der Rückkehr nach Spanien. Eine Hiobsbotschaft nur vier Wochen vor Beginn der Australian Open. Und doch ist die Situation weniger dramatisch als die von Federer.

Becker: Für Nadal wird es einfacher als für Federer

"Bei Rafa wird es einen Tick einfacher als bei Roger", sagt Zverev im Hinblick auf die kürzere Ausfalldauer bei Nadal: "Er ist fünf Jahre jünger als Roger, von daher ist das ein anderes Thema."
Dennoch müssen sich "die beiden Großen des Tennissports jetzt ernsthaft Gedanken machen, wie lange man sie Spieler nennen darf", gibt Becker zu bedenken: "Bei Federer trauen wir uns alle nicht zu sagen, dass er vielleicht auch nicht mehr spielt. Zumal es unrealistisch ist, dass man nach so langer Pause und in diesem Alter noch einmal in die Weltspitze zurückkehren kann."

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Nadal immerhin hat die hartnäckige Fußverletzung, die ihn schon beim Halbfinal-Aus gegen Novak Djokovic bei den French Open behinderte und einen Start in Wimbledon, bei den Olympischen Spielen und den US Open unmöglich machte, auskuriert. Insgesamt fehlte der 13-fache Roland-Garros-Champion "nur" vier Monate.
Überdies ist Nadal deutlich jünger als Federer. Der wiederum hatte in der Saison 2018 noch mit 36 Jahren die Australian Open gewonnen und kurz darauf als ältester Spieler der Geschichte Platz eins in der Weltrangliste erobert.

Der ewige Dreikampf: Vorteil Djokovic

Im ewigen Duell um die Anerkennung als größter Spieler der Tennis-Historie aber haben sowohl Nadal und Federer schlechte Karten. Inzwischen spricht alles für Djokovic, mit 34 Jahren der jüngste der sogenannten Big 3.

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"Roger und Rafa sind immer die Publikumslieblinge und auch die Lieblinge der Medien gewesen, was Novak nie war. Das ist so", betont Zverev, "aber irgendwann kann man die ganzen Rekorde nicht mehr ignorieren. Novak hat genauso viele Grand Slams wie Federer und Nadal. Er hat mehr Masters-Titel und mehr Wochen als Nummer eins der Welt. Novak hat einfach alles mehr - er gewinnt in jeder einzelnen Kategorie", positioniert sich der 24-Jährige klar.
"Wenn sie heute alle drei nicht mehr Tennis spielen würden, dann würde ich Novak auch auf Platz eins sehen", stimmt Becker zu. Noch aber besteht die Hoffnung, dass das Trio im kommenden Jahr wieder gemeinsam bei einem der großen Turniere zu bestaunen ist.
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