Vom ATP-Turnier in Stuttgart berichtet Tobias Laure
Andy Murray legte die Stirn in Falten, grübelte, musste aber zugeben: "Ich weiß gar nicht mehr, wann wir vier zum letzten Mal gemeinsam bei einem Grand-Slam-Wettbewerb waren."
Ein Blick in die Historie zeigt, dass man bis an den Anfang der Saison 2019 zurückgehen muss. Bei den Australian Open schlugen die Big 4 in voller Besetzung auf. Novak Djokovic bezwang im Finale Rafael Nadal, Roger Federer kam bis ins Achtelfinale, für Murray war nach Runde eins Schluss.
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UPDATE 08/06/2022 UM 11:33 UHR
In diesem Jahr war einzig Nadal sowohl bei den Australian Open als auch in Roland-Garros dabei - und räumte prompt beide Titel ab.
"Ich fände es toll, wenn es noch einmal dazu käme, dass wir gemeinsam aufschlagen", erklärte Murray beim derzeit laufenden ATP-Turnier in Stuttgart auf Nachfrage von Eurosport.de. "Es wäre großartig, wenn Roger wieder spielen würde. Das würde ich gerne sehen."

Murray über Federer: "Wenn ich wetten muss ..."

Federer ist mit 40 nicht nur der Älteste der Big 4, sondern auch der mit der unsichersten Zukunft. Nach insgesamt drei Operationen am rechten Knie, die letzte im vergangenen Jahr, arbeitet der Schweizer am Comeback. Wann es soweit sein wird? Der Herbst gilt als wahrscheinlichste Option. Für den Laver Cup ab 23. September und sein Heimturnier in Basel ab 24. Oktober hat der Tennis-Virtuose gemeldet.
"Ich weiß nicht, wie es Roger geht, wie seine Situation ist", sagt Murray. "Aber wenn ich wetten muss, dann tippe ich darauf, dass er wieder in den Wettkampf einsteigt."
Geht Federers Comeback-Planung für Ende September auf, bedeutet dies: Eine Vereinigung der Big 4 kann es frühestens bei den Australian Open im kommenden Januar geben.
Titelverteidiger Nadal und Rekordsieger Djokovic, insofern er 2023 als mutmaßlich ungeimpfter Sportler die Genehmigung zur Einreise erhält, dürften nach Lage der Dinge im Melbourne Park mitmischen. Murray ebenfalls, allerdings ist die Situation beim Schotten um einiges komplizierter.

Murray: "Es gab keine Garantie"

2019 stand die Karriere des zweimaligen Olympiasiegers vor dem Aus. Die Hüfte machte dem Schotten dermaßen zu schaffen, dass ihm erst der Einsatz eines künstlichen Gelenks Linderung verschaffte. Es habe "die Gefahr bestanden, dass ich den Eingriff nicht gut verkraften könnte und niemals wieder einen Tennisschläger vernünftig in der Hand halten könnte. Es gab keine Garantie", erzählte Murray vor knapp zwei Jahren dem Magazin "Socrates".

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Gemessen daran lief es gut für Murray, der sich dieser Tage beim Rasenturnier auf dem Stuttgarter Killesberg auf den Saisonhöhepunkt in Wimbledon vorbereitet. 2013 und 2016 gewann er den Klassiker an der Church Road, in diesem Jahr gehört er nicht zu den Favoriten.

Haas rechnet mit Djokovic in Wimbledon

Dennoch wäre es verwunderlich, wenn die Krone nicht wieder in Händen der Big 4 landet. "Die Leute sprechen schon seit Jahren von der neuen Generation, und die ist ja auch schon da. Trotzdem gehen die Grand Slams noch immer an die alten Jungs", unterstreicht Murray.
Als Topfavorit gilt Djokovic, der als Titelverteidiger anreist. "Man weiß noch nicht genau, wer am Ende alles mitspielt, aber Novak wird mit seiner Klasse auch auf Rasen prägend sein in Wimbledon", betont Tommy Haas im Exklusiv-Interview mit Eurosport.de. Der 44-Jährige nahm während seiner Laufbahn 16 Mal am berühmtesten Turnier der Welt teil und stieß 2009 bis ins Halbfinale vor.

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Nadal ließ nach dem Coup von Roland-Garros offen, ob er dabei ist. Wimbledon sei zwar "kein Turnier, das ich verpassen möchte", so der 36-Jährige, aber nur unter der Prämisse, dass es ohne Spritzen gehe. Bei den French Open musste sich Nadal aufgrund seiner Fußschmerzen vor jeder Partie Injektionen in den Nerv geben lassen. "So kann und will ich nicht weitermachen", stellte der Rekord-Grand-Slam-Champion klar.

Klappt es noch mit dem Big-4-Grand-Slam?

Murray sehnt das Comeback von Federer herbei, dürfte sich aber auch für einen Wimbledon-Start von Nadal begeistern. Die Frage, ob er ohne den Rest der Big 4 während seiner Karriere nicht noch wesentlich mehr Grand-Slam-Titel geholt hätte, beantwortete der 35-Jährige einst mit den Worten: "Ich weiß nicht, ob ich ohne diese Konkurrenten dieses Level erreicht hätte."
Von daher kann man dem Tennissport nur wünschen, dass es zumindest noch einmal ein Major-Event gibt, bei dem die Namen Nadal, Djokovic, Federer und Murray auf der Teilnehmerliste stehen.
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