Eurosport-Moderatorin Barbara Schett über Interviews mit Roger Federer und Novak Djokovic
Roger Federer und Novak Djokovic haben mit ihren Erfolgen Geschichte geschrieben und sich ihren Platz am Tisch der besten Spieler aller Zeiten längst gesichert. Der Schweizer und der Serbe sind aber auch mit einer Qualität zu Stars geworden, die mit sportlicher Klasse nichts zu tun hat: interessanten Interviews. Eurosport-Moderatorin Barbara Schett erklärt, was die Gespräche so einzigartig macht.
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Auf der Pressekonferenz nach seinem siebten Australian-Open-Titel in der vergangenen Saison kam es mal wieder zu einem dieser typischen Novak-Djokovic-Momente.
Der Journalist Ubaldo Scanagatta stellte mit seinem unverkennbar italienisch gefärbten Englisch eine Frage, was der Champion zum Anlass nahm, den guten Mann auf nette Art zu imitieren.
Der Saal brach in Gelächter aus und am lautesten lachte Djokovic selbst. Interviews und Pressekonferenzen betrachtet der Weltranglistenerste nicht als Einbahnstraße nach dem Frage-Antwort-Prinzip. Djokovic ergreift gerne selbst die Initiative, bleibt für Journalisten immer auch ein wenig unberechenbar.
Federer beherrscht das Spiel mit den Worten ebenfalls virtuos.
Unvergessen ist die Anekdote, als der Rekord-Grand-Slam-Champion einst live aus Dubai zu den Swiss Sports Awards zugeschaltet wurde und gleich zu Beginn erklärte, er habe "zu den Kindern gesagt, dass ich noch weg muss, weil ich die Chance habe, zur Nummer eins gewählt zu werden. Sie entgegneten: 'Aber Rafa ist doch die Nummer eins'".
Auf einen Kaffee mit Federer und Djokovic
Es sei diese Mischung aus Schlagfertigkeit und Witz, sagt Eurosport-Moderatorin Barbara Schett, die so besonders mache:
Viele Spieler "könnten von diesen Jungs etwas lernen", ergänzt Schett, die früher selbst Profi war und es bis auf Rang sieben in der Weltrangliste schaffte. Man brauche sowohl Federer als auch Djokovic "nur etwas zuwerfen und sie reden, während die Zeit wie im Flug vergeht. Es fühlt sich an, als würden sie nur einen Kaffee mit dir trinken."
Federer genervt: "Ich frage mich, was euer Problem ist?"
Allerdings gibt es Situationen, da werden auch der Entertainer Djokovic und der Gentleman Federer schmallippig, brüsk. "Ich frage mich, was euer Problem ist?", herrschte der Schweizer 2016 einen Reporter des britischen "Guardian" an, nachdem der mal wieder die Frage nach dem Karriereende gestellt hatte.
Kurz angebunden war der Maestro auch nach seiner Viertelfinal-Niederlage gegen Alexander Zverev beim Masters von Shanghai in der vergangenen Saison. Angesprochen auf eine Punktstrafe während des Matches unterstellte Federer dem Journalisten, dass dieser das Thema nur aufwerfe, um es danach twittern zu können. "Es wäre schön, auch mal etwas Nettes über das Spiel zu schreiben", gab er dem Pressemann noch mit auf den Weg.
Und auch Djokovic kennt den Moment, wenn die falsche Frage zur falschen Zeit kommt. Nach seinem Auftaktsieg bei den ATP Finals 2016 wurde der Serbe gefragt, ob es nicht gefährlich gewesen sei, dass er nach dem ersten Satz aus Ärger einen Ball auf den Court gedroschen habe, der dann im Publikum landete.
Djokovic und Federer bleiben halt immer ein Stück weit unberechenbar. Auf dem Platz sowieso, aber auch abseits des Courts - wie das eben so ist, wenn sportliche Extraklasse und verbale Schlagfertigkeit zusammenkommen.
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