Es ist so einfach - und eben doch wieder nicht. Je nach Perspektive.
Rafael Nadal versuchte auf der Pressekonferenz nach seinem 6:3, 6:3, 6:0-Erfolg im Finale gegen Casper Ruud zu erklären, woraus er seine Motivation zieht. Warum er mit 36 Jahren, 22 Grand-Slam-Titeln und 14 Erfolgen in Roland-Garros weiterkämpfen will. Und das, obwohl der Körper bedenklich viele und schmerzhafte Alarmsignale sendet.
"Für mich ist das sehr einfach zu verstehen, für euch wohl eher nicht. Diese Momente, die für immer in mir bleiben, vor den besten Fans und in den besten Stadien der Welt - das treibt mich an", betonte Nadal. Und: Es gehe ihm "nicht um Rekorde und nicht darum, der Beste der Geschichte" zu werden. Sagt sich natürlich leicht, wenn man bereits zahlreiche Rekord gesammelt hat und zumindest im Hinblick auf die Zahl der Major-Erfolge der größte Spieler der Tennishistorie ist.
French Open
Die größte Leistung der Sportgeschichte - warum Nadal alle übertrifft
05/06/2022 UM 22:03
Trotzdem nimmt man Nadal diese Erzählung zu 100 Prozent ab.

Nadal - was für ein Unterschied zu Djokovic

Novak Djokovic, der wie Roger Federer bei 20 Grand-Slam-Kronen steht, unterstrich stets, dass er auf den Platz gehe, um die Bestmarken einzureißen und seine Laufbahn irgendwann als sogenannter GOAT zu beenden. Nadal tickt anders. "Ich will gar nicht mehr Grand Slams als die anderen gewinnen, mir geht es um die Passion fürs Spiel. Ich möchte mir einfach die Chance geben, das zu tun, was ich mag."

Finale: Nadal zieht es gegen Ruud gnadenlos durch - Highlights

Das ist der eine Teil der Nadal'schen Motivation, denn natürlich geht es dem Mallorquiner nicht nur ums Dabeisein. "Wenn ich nicht mehr konkurrenzfähig bin, habe ich keinen Spaß mehr." So ehrlich war Nadal nach dem Endspiel von Roland-Garros. Doch genau da wird es knifflig.
Viel mehr noch als in seiner bisherigen Karriere wird sich der Weltranglistenvierte in Zukunft entscheiden müssen zwischen seinen Wünschen als Sportler und den Bedürfnissen seines Körpers nach Ruhe und Erholung. Für die Rasensaison hat Nadal bereits festgelegt: Die Gesundheit kommt an erster Stelle.

Nadal in Wimbledon? Nur unter einer Bedingung

Wimbledon werde er nur spielen, wenn es ohne Injektionen gehe. "Ich kann und will so nicht weitermachen", stellte der 36-Jährige klar. Es sei "ein Risiko", Wettkämpfe zu bestreiten, wenn ein Teil des Körpers betäubt sei. Damit spielte er auf seinen linken Fuß an. 2005 wurde das Müller-Weiß-Syndrom diagnostiziert. Dabei stirbt das Knochengewebe des Kahnbeins am Fußskelett ab.

Nadal exklusiv: "Ich hatte kein Gefühl im Fuß. Nur so konnte ich spielen"

Gegen die Probleme und Schmerzen im Fuß werde er noch in dieser Woche eine neue Behandlung beginnen. Sollte die nicht anschlagen, werde der Name Nadal auf der Teilnehmerliste in Wimbledon fehlen.
Völlig offen wäre dann, wie es in der Hartplatzsaison, die ab 29. August bei den US Open ihren Höhepunkt findet, weitergeht. Man darf annehmen, dass Nadal derzeit nicht allzu viel darüber nachgrübelt. Mit dem komplett unerwarteten Gewinn der Australian Open zu Jahresbeginn und dem Triumph bei den French Open hat der Routinier bereits mehr erreicht als gedacht.

Kein weiterer Injektions-Marathon für Nadal

Einen Injektions-Marathon wie in Roland-Garros könne man "einmal machen, aber das ist nicht die Philosophie, der ich folge", so der Superstar. Zumal mit zunehmendem Alter die Wahrscheinlichkeit steigt, dass sich die alten Problemzonen wieder melden. Ob Knie, Ellbogen oder Rücken - Nadals Weg war gepflastert von Verletzungen.

Nadal: Wimbledon? "Kein Turnier, das ich verpassen möchte"

Entsprechend gespannt blickte die Szene auf die Siegerehrung nach dem Finale in Paris. Nicht wenige rechneten damit, dass der Sandkönig ob all der Widrigkeiten verkünden würde, seine letzten French Open gespielt zu haben. Es kam anders. "Ich werde versuchen, weiterzumachen", sagte Nadal unter tosendem Applaus von den Rängen. Eurosport-Experte Mischa Zverev sprach gar vom "größten Moment des Turniers".
Nadal hat eben noch immer unglaublichen Spaß am Spiel. So einfach ist das.
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