French Open 2026 in Paris - Alexander Zverev im Halbfinale gegen Jakub Mensik - und die bösen Geister der Vergangenheit
Update 04/06/2026 um 16:28 GMT+2 Uhr
Der Druck auf Alexander Zverev wächst bei den diesjährigen French Open täglich. Vor den Halbfinals im Stade de Roland-Garros ist der Hamburger turmhoher Favorit. Zverev begegnet dem Trubel um seine Situation - das ist vor Ort klar zu erkennen - mit einer Mischung aus stoischer Ruhe, Gelassenheit und dem Vertrauen in seine Erfahrung und Spielstärke. Für Medien kann das mitunter langweilig sein.
Zverev: Junge Tennis-Generation spielt "unfassbar aggressiv"
Quelle: Perform
Aufritt Jakub Mensik. Der Überraschungs-Halbfinalist - die Bezeichnung trifft auf alle Semifinalisten außer Zverev zu - aus Tschechien schlurfte mit seinem Physiotherapeut in Richtung Trainingscourt 29.
Um anzukommen, bedarf es der Überquerung eines kleinen Schotterweges, der wiederum an Platz 28 angrenzt. Dort trainierte Alexander Zverev. Mensik suchte den Blick Zverevs und blieb für eine Sekunde stehen. Der Deutsche bemerkte dies, nahm die Situation mit einem Lächeln auf, das sein Kontrahent erwiderte.
Vor einem Grand-Slam-Halbfinale bleibt solch ein Moment etwas Besonderes. Selbst wenn Mischa Zverev dies später im Gespräch als "Alltag" und "normal" bezeichnete. Der ältere Bruder spielt in diesen Tagen von Paris eine noch wichtigere Rolle als sonst ohnehin.
Er übernimmt einige Interviews und Verpflichtungen, um Sascha den Rücken freizuhalten und die nötige Ruhe zu geben. In einer Trainingspause warf das Duo selbst einen Blick zu Mensiks Training und unterhielt sich über dessen Vorhandbewegung.
Zverev stoisch: "Kann nur beeinflussen, was in meiner Macht steht"
Vor dem Halbfinale (Freitag ab 14:30 Uhr im Liveticker und im Stream bei HBO Max) gegen den immer noch erst 20-Jährigen, der 2025 das Masters in Miami gewann, kommt es intern auf kleine Details an. Nach außen vermitteln die Zverevs stoische Ruhe. Die Antworten in Interviews von Alexander sind von ihm stilistisch bewusst kurzgehalten.
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Alexander Zverev bei den French Open 2026
Fotocredit: Imago
Wird er nach Erwartungshaltung oder Druck befragt, antwortet er immer wieder mit dem Credo: "Ich kann nur beeinflussen, was in meiner Macht steht. Das ist mein nächstes Match. Der Rest interessiert mich nicht." Dabei ist der 29-Jährige keinesfalls unhöflich. Nach außen hin kann das mitunter langweilig klingen. Aus Sicht des Spielers ist die Lage verständlich.
Vergleichbar oder nicht? Zverevs Finals auf Grand-Slam-Niveau
Es ist Zverevs zehntes Grand-Slam-Halbfinale, das fünfte in sechs Jahren in Paris. Der 24-malige ATP-Turniersieger stand in drei Major-Endspielen, unterlag in allen auf teilweise dramatische Art und Weise. Während er 2024 in Paris gegen Carlos Alcaraz und 2025 in Melbourne gegen Jannik Sinner verlor, ist die Situation vor mittlerweile fast sechs Jahren mit heute vergleichbar.
In New York 2020 unter Ausschluss der Öffentlichkeit waren ebenfalls alle großen Favoriten ausgeschieden oder disqualifiziert (Djokovic Anm. d. Red.). Damals war Zverev mit seinen 24 Jahren der immense Druck auf seinen Schultern anzumerken. Er quälte sich gegen deutlich schwächer gerankte Spieler ins Finale. Dort zeigte er gegen Dominic Thiem seine beste Leistung, war zwei Punkte vom ersten Grand-Slam-Erfolg entfernt. Am Ende Zverev verlor im Tiebreak des fünften Satzes.
Diese herbe Enttäuschung schleppte Zverev lange mit sich herum, erinnerte öffentlich regelmäßig an die große Chance. In Paris ist die Lage eine andere.
Zverev immun gegen das Favoritensterben von Paris
Mit der Erfahrung eines absoluten Weltklasse-Spielers, der sich tennistechnisch weiterentwickelt und offensiver ausgerichtet hat, begegnete Zverev dem Favoritensterben mit souveränen Vorstellungen in der Hitze von Paris.
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Mischa über spaßige Routine im Team Zverev: "Muss jeden Abend ran"
Quelle: Eurosport
Als es kälter wurde und dann sogar regnete, hatte Zverev jeweils in Satz eins gegen Jesper de Jong und im Viertelfinale gegen den hochveranlagten Rafael Jódar größere Anpassungsprobleme mit kälteren Bedingungen und geschlossenem Dach. Der 29-Jährige kämpfte sich beide Male zurück und ließ zwei hochklassige Satzgewinne folgen, bei denen neben seinen Stärken auch die Vorhand und die Stoppbälle funktionierten.
Zverev sachlich und abgeklärt bei Medien-Terminen
Sobald der Matchball verwandelt und das On-Court-Interview absolviert ist, zieht sich Zverev rasch zurück. Es gibt keine langen Interaktionen, Autogramme und Fotos mit den Fans. Einer Pflicht, die der Weltranglistendritte sonst regelmäßig nachkommt. Selbst die Wartezeiten bis zu den Pressekonferenzen und TV-Interviews hat Zverev von mitunter zwei Stunden auf unter eine Stunde verkürzt.
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Viertelfinale: Zverev entzaubert Shootingstar Jódar - Highlights
Quelle: Eurosport
Dann absolviert er seine Medien-Verpflichtungen sachlich. Spielerische Details zu sich oder Gegnern gibt er nicht preis. Anschließend verschwindet er mit Bruder und Sergej Bubka junior rasch in den Katakomben. Es folgen Abendessen sowie die sofortige Rückkehr in sein Hotelzimmer. Die Frage nach sonstigen Aktivitäten in Paris verneinten sowohl Zverev als auch sein Bruder.
Zverev erkennt Parallelen zu Youngstern: "Spielen unfassbar aggressiv"
Die Social-Media-Aktivitäten auf Zverevs offiziellen Seiten managed sein Team dieser Tage. Zverev, der durchaus bekannt dafür ist, auch mal selbst zu posten oder zu kommentieren, hat seine Social-Media-Apps wieder Mal gelöscht. "Ich mache das seit sieben Jahren so", konstatierte der Hauptprotagonist. Was Medien und Experten schreiben und sagen würden, interessiere ihn ohnehin nicht. Mit dem Social-Media-Detox aber geht Zverev auf Nummer sicher.
Die neue Langeweile ist quasi zum Stilmittel geworden, wird aber auch durchbrochen, denn Zverev hat ja Interessantes zu sagen. Etwa wenn er auf die nächste Generation angesprochen wird, die sich ihm in den Weg stellt. Erst war es Jódar, nun folgt Mensik. Die seien ähnlich wie er damals. "Die Jungen spielen jetzt unfassbar aggressiv. Habe ich früher auch getan." Aber das lege sich mit der Zeit. Er habe mit den Jahren gelernt, wann er die Waffen einsetzen müsse und wann nicht.
"Aber Spieler wie Mensik haben unglaubliches Potenzial. Doch ich muss mir und meinem Spiel selbst vertrauen", sprach Zverev und zog sich wieder auf sein neues Narrativ zurück.
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Grand Slam oder Olympia-Gold? Zverev würde "niemals tauschen"
Quelle: Perform
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