"Ich habe jetzt etwas mehr als eine Woche Zeit", erklärte Rafael Nadal nach seiner 4:6, 5:7-Niederlage gegen Alexander Zverev im Halbfinale des ATP Masters von Paris. Zeit, die er nutzen möchte, um eine der merkwürdigsten Statistiken seiner Karriere zu korrigieren.
Seit 2005 qualifizierte sich der Spanier 16 Mal (!) in Folge für die ATP Finals beziehungsweise den Tennis Masters Cup, wie das Event bis 2008 hieß.
Angetreten ist Nadal bislang aber nur neunmal, gewonnen hat er das Turnier noch nie. Kaum zu glauben ob der Klasse des 34-Jährigen, der in seiner Laufbahn zigfach bewiesen hat, dass er nicht nur auf Sand Weltklasse ist.
Tennis
Nächster Meilenstein: Nadal knackt Connors-Rekord
09/11/2020 AM 15:30
20 Grand-Slam-Titel, 35 Masters-Trophäen, 86 Turniersiege, 209 Wochen die Nummer eins der Welt, zweimal Olympia-Gold, fünf Erfolge im Davis Cup - und dann will es einfach nicht klappen mit diesem verdammten Titel bei den ATP Finals.
Dabei war Nadal schon knapp dran. 2010 unterlag er im Endspiel Roger Federer in drei Sätzen, 2013 Novak Djokovic in zwei.

Nadal: Nur ein Titel auf Indoor-Hartplatz

Die Tatsache, dass die ATP Finals immer auf Hartplatz und in der Halle stattfinden, ist dennoch ein wichtiger Faktor, weshalb es noch nicht zum Titel gereicht hat. Die Bedingungen passen nicht so recht zum Spiel des Mallorquiners. Es kommt nicht von ungefähr, dass er von seinen 86 Titeln nur einen bei einem Indoor-Hartplatzturnier geholt halt. 15 Jahre ist das inzwischen her, in Madrid.
Dazu machte der Körper dem Ausnahmespieler immer wieder einen Strich durch die Rechnung, schon bei seiner ersten Qualifikation für den Jahresabschluss-Wettbewerb der Saisonbesten 2005 musste er seinen Start infolge einer Fußverletzung absagen. 2008 und 2012 verhinderte eine Sehnenentzündung im Knie die Teilnahme, 2014 war es eine Blinddarmentzündung, 2016 das Handgelenk, 2018 eine Bauchverletzung.

Nadal witzelt: "Ich muss sehr alt sein"

In dieser Saison, die aufgrund der Corona-Pandemie mit einem stark abgespeckten Turnierkalender über die Bühne geht, wird Nadal nach aktuellem Stand fit an den Start gehen in der englischen Hauptstadt.

Nadal bricht Connors-Rekord

Selbstvertrauen bringt er ebenfalls mit, trotz der Halbfinal-Niederlage zuletzt beim Masters in Paris. "Ich hatte die richtige Einstellung während des gesamten Turniers, habe in jedem Match gekämpft. Das hat mir vier Partien ermöglicht und ich denke, dass das sehr hilfreich war für London."
Hinzu kommt, dass Nadal während des Masters als vierter Spieler der Tennis-Historie die Schallmauer von 1000 gewonnenen Matches durchbrach und am Montag mit nunmehr 790 Wochen in Folge in den Top 10 der Weltrangliste den Rekord von Jimmy Connors brach.

Nadal feiert seinen 1000. ATP-Tour-Sieg

Nadal betonte, "besser auf diesen Belag vorbereitet" zu sein als in der Vergangenheit. "Meine Beine sind nicht so schwer wie früher und mein Spiel hat sich zuletzt gut entwickelt."
Was Paris aber auch gezeigt hat: Nadal tut sich schwer, stand schon in Runde zwei beim 4:6, 7:6 (7:5), 6:4 gegen seinen Landsmann Feliciano López dicht vor dem Aus. Der Rekord-Grand-Slam-Champion ist in der Halle "nur" einer von vielen Topspielern.

Medvedev und Zverev im Vorteil gegenüber Nadal

"Das ist wahrscheinlich der Belag, auf dem ich am besten spielen muss, um erfolgreich zu sein", gab der Superstar unlängst zu. Denn neben den Bedingungen und den Verletzungsproblemen der Vergangenheit ist es ein nicht zu leugnender Faktor, dass Nadals Titellosigkeit in der O2-Arena auch der Klasse seiner Gegner geschuldet ist.
Paris-Champion Daniil Medvedev und Nadal-Bezwinger Alexander Zverev etwa sind derzeit höher einzuschätzen als Nadal.
Wenn Novak Djokovic, der zuletzt mit einer mental bedingten Niederlage in Wien für Aufsehen sorgte, voll da ist und Dominic Thiem fit antreten kann, dürften auch diese beiden Vorteile haben im Vergleich mit der Nummer zwei der Welt aus Spanien. Und nicht zuletzt steht auch Titelverteidiger Stefanos Tsitsipas bei vielen Experten hoch im Kurs.
Nadal hat schon recht, wenn er sagt, dass er es in der Halle am schwersten hat, Erfolge einzufahren. Selbst wenn der 13-fache French-Open-Sieger bei den ATP Finals Topniveau erreicht - die letzte Mission wird eine Herkulesaufgabe.
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