Rudi Molleker wurde schon früh in der Öffentlichkeit als die nächste große deutsche Tennis-Hoffnung gehypt. Mit 14 Jahren wurde er Junioren-Europameister, mit 16 stand er in Hamburg erstmals im Hauptfeld eines Turniers auf der ATP Tour. Dazu erhielt er eine Förderung durch den DTB.
Fortan reiste er durch die Tennis-Welt, in der Hoffnung auf den großen Durchbruch.
Doch dazu kam es (bislang) nicht. Seine bisher höchste Karriere-Platzierung war Weltranglistenplatz 146 in der Saison 2019. In den vergangenen Jahren ging es dann wieder deutlich zurück. Inzwischen rangiert der heute 21-Jährige nur noch auf Position 445.
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Eurosport-ExperteBoris Becker betrachtet den damaligen Umgang mit dem Youngster inzwischen kritisch. "Du kannst einen 14-jährigen Jungen oder Mädchen eigentlich nicht aus dem familiären Umfeld reißen. Wir haben das mit unserem geliebten Rudi Molleker versucht. Das war vielleicht damals ein Fehler", sagte Becker in der aktuellen Folge des Eurosport-Tennis-Podcasts"Das Gelbe vom Ball".
"Vielleicht war er noch zu jung für die viele Reiserei, auch weg von zu Hause", erklärte der sechsmalige Grand-Slam-Champion. Becker war von August 2017 bis Ende 2020 beim Deutschen Tennis-Bund "Head of Men's Tennis" und begleitete in dieser Funktion auch den Weg Mollekers.

Molleker schlägt Alcaraz und Mayer

In dieser Zeit ging es mit dem Nachwuchstalent zunächst weiter bergauf. Im Jahr 2019 schaffte es Molleker bei den Australian Open und den French Open jeweils ins Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers, wo er jedoch jeweils in der ersten Runde verlor. Zudem schlug er bei den Murcia Open den damaligen Wildcard-Starter Carlos Alcaraz, heute Nummer elf der Welt.
Allerdings unterlief ihm auch ein seltenes Missgeschick: Molleker verpasste es, sich für den Rasen-Klassiker in Wimbledon anzumelden, weshalb er dort nicht spielen durfte. Kurz danach schrieb er aber schon wieder positive Schlagzeilen: Beim Turnier in Hamburg gelang dem Teenager der nächste Coup, als er Vorjahresfinalist Leonardo Mayer in der ersten Runde glatt in zwei Sätzen rauskegelte.

"Absoluter Hammer!" Becker staunt über Phänomen Alcaraz

Doch seitdem kamen keine weiteren wichtigen Erfolgserlebnisse hinzu, stattdessen rutschte der in der Ukraine geborene Tennisprofi sportlich ab.
Becker macht dafür auch das in jungen Jahren veränderte Umfeld verantwortlich und regt daher für die Zukunft einen anderen Umgang mit jungen Tennis-Talenten an. "Man muss den Jungen Zeit und auch ihre Wohlfühloase geben, was natürlich das Zuhause ist", sagte Becker.

Becker kritisch: "Veränderung darf nicht mit Gewalt passieren"

Man solle die jungen Sportler dort so lange lassen, bis sie von selber merken würden, "ich muss vielleicht mehr reisen, bessere Trainingsmöglichkeiten haben, mehr Konkurrenz haben im Training, um mich zu verbessern", so Becker. Diese Veränderung dürfe aber "nicht mit Gewalt passieren".
Wie wichtig diese Wohlfühloase für einen Sportler ist, bestätigte Molleker selbst. Im Interview mit "Tennisnet.com" sagte er über sein aktuelles Umfeld: "Ich bin nun wieder zu Hause in Berlin und habe mein allererstes Team mit Papa und Benjamin Thiele um mich herum. Hier fühle ich mich am wohlsten. Berlin ist meine Heimatstadt. Freunde und Familie sind vor Ort. Gerade für uns Tennisspieler kann das Leben auf der Tour mit all den Reisen schon recht hart sein."

Molleker sieht sich wieder auf dem richtigen Weg

In dem Gespräch ging es auch um seine schwierige Zeit seit Ende 2019. "Nach dem guten Jahr 2019 hatte ich mit einigen Verletzungen zu kämpfen. Dazu kamen mentale Probleme und ich habe ein wenig die Richtung verloren. Ich wusste nicht wirklich, was ich machen sollte und was ich machen möchte. Ehrlich gesagt habe ich auch den Spaß am Tennis verloren", erklärte Molleker.
Nun gehe es wieder "in die richtige Richtung". Diesmal jedoch komplett abseits des Rampenlichts.
Während Alexander Zverev momentan als Weltranglistendritte beim Masters in Monte Carlo im Halbfinale steht, spielte Molleker in dieser Woche bei einem Challenger-Turnier in Madrid. Dort musste er jedoch schon in der zweiten Qualifikationsrunde nach einer Niederlage gegen den Weltranglisten-294. Johan Nikles aus der Schweiz die Segel streichen.
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