US Open 2023: Carlos Alcaraz übertrifft sich selbst - die größte Leistung wird erst auf den zweiten Blick deutlich

Carlos Alcaraz ist fast ungebremst durch die US Open gepflügt, einzig in Runde drei gegen Daniel Evans gab er einen Satz ab. Mit dem Sieg im Viertelfinale gegen Alexander Zverev schaffte der Titelverteidiger ein Kunststück, das zuletzt Novak Djokovic vor 16 Jahren gelungen war: drei Grand-Slam-Halbfinals in einem Jahr mit gerade einmal 20 Jahren. Alcaraz übertrifft sich - mal wieder - selbst.

Carlos Alcaraz peilt die Titelverteidigung bei den US Open an

Fotocredit: Getty Images

Alexander Zverev monierte vor ein paar Tagen, dass es "auf eine gewisse Art und Weise respektlos" sei, schon vom Finale zwischen Novak Djokovic und Carlos Alcaraz zu sprechen, bevor überhaupt klar ist, ob es so kommt.
Inzwischen fehlt den beiden Superstars jeweils "nur" noch ein Sieg bis zum Einzug ins Endspiel und auch Zverev hat zugegeben, dass Djokovic und Alcaraz sich auf einem "ganz eigenen Level" bewegen.
Vom Rekord-Grand-Slam-Champion aus Serbien kennt man dieses Niveau seit vielen Jahren.
Bei Alcaraz war im Prinzip zwar klar, dass er in New York groß aufspielen würde - und trotzdem ist genau das seine wohl größte Leistung.

Alcaraz: "Bin ein ganz anderer Spieler"

Mit 19 Jahren katapultierte sich der Spanier mit dem Gewinn des US-Open-Titels ins Scheinwerferlicht des Weltsports. Es gibt genug Beispiele aus der Tennis-Geschichte, die zeigen, wie schwer es ist, mit dem ersten Major-Triumph der Karriere umzugehen. Erinnert sei aus der jüngeren Vergangenheit an Dominic Thiem oder Emma Raducanu, die ebenfalls die US Open gewannen und seitdem nicht einmal mehr annähernd an das Level ihres größten Erfolgs herankamen.
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Carlos Alcaraz bei den US Open 2023

Fotocredit: Getty Images

Nicht so Alcaraz. Beeindruckend, wie er nach seinem Durchbruch trotz aller Termine, Interviews und Erwartungen den Fokus hielt. Bravourös, wie er nach seiner Muskelverletzung und der Absage der Australian Open zurückkam und Platz eins in der Weltrangliste zurückeroberte. Sympathisch, wie bodenständig und höflich der 20-Jährige auftritt.
Er sei "reifer" geworden, erklärte Alcaraz nun in Flushing Meadows. "Ich bin seit dem vergangenen Jahr sehr erwachsen geworden und ich habe das Gefühl, ein ganz anderer Spieler zu sein." Er komme generell "mit dem Druck besser zurecht".

Vier Grand-Slam-Halbfinals für Alcaraz

Tatsächlich ist es erstaunlich, wie souverän Alcaraz, der in jede Partie als klarer Favorit ging, seiner Rolle gerecht wird. Vor einem Jahr reihte er drei kraftraubende Fünfsatz-Matches aneinander, ehe er das Finale gegen Casper Ruud gewann. In diesem Jahr gab er bis zum Halbfinale nur einen Satz ab.
Und Alcaraz siegt nicht nur, er zieht die Fans in seinen Bann. Er versuche bewusst, "verschiedene Schläge zu bringen, die das Publikum wahrscheinlich nicht gewohnt ist", verriet der Weltranglistenerste in New York. Es sei ihm wichtig, dass "die Menschen Spaß am Tennis und an den Matches" hätten.
Neben dieser Spielfreude und der außerordentlichen Klasse gibt es einen weiteren Grund, weshalb Alcaraz bei seinen vier letzten Grand-Slam-Teilnahmen viermal im Halbfinale stand.
Der Youngster ist mental extrem stark. "Er spielt in den entscheidenden Phasen sein bestes Tennis", lobte Tennis-Legende Boris Becker bei "sportdeutschland.tv", nachdem Alcaraz im Viertelfinale gegen Zverev nicht immer sein Topniveau abrufen konnte, bei den Big Points aber eiskalt zuschlug.

Alcaraz vor kniffliger Aufgabe gegen Medvedev

Eine Eigenschaft, die große Tennis-Champions auszeichnet und selten bei derart jungen Spielern wie Alcaraz zu finden ist. Es ist eine Fähigkeit, die gerade im Halbfinale gegen Daniil Medvedev (ab 1:00 Uhr im Livescoring) sehr nützlich werden könnte.
Der Russe, US-Open-Champion von 2021, ist auf dem Platz mit allen Wassern gewaschen, zieht gerne jedes nur erdenkliche Register, um die Dinge in seinem Sinne zu beeinflussen.
Alcaraz ist einmal mehr der Favorit in der Partie. Ändern könnte sich das erst im Finale, falls es dort tatsächlich zum Showdown mit Djokovic kommt, dem einzigen Gegner, der aktuell Alcaraz' Flughöhe erreicht.
Es ist schon was dran an Zverevs Aussage, wonach es ein wenig respektlos sei, vorschnell über das Traumfinale zwischen der Nummer eins und zwei der Welt zu sprechen. Auf der anderen Seite wird kaum jemand in Zweifel ziehen, dass es derzeit kein interessanteres Duell auf der Tour gibt - oder wie es Alcaraz ausdrückte: "Das könnte großartig werden ..."
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Quelle: Eurosport

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