Sinner in Wimbledon im Top-Duell mit Alcaraz gefordert: Wenn ein Haar den Unterschied macht
Update 28/06/2025 um 12:58 GMT+2 Uhr
Jannik Sinner hat in Carlos Alcaraz mit fünf Niederlagen in Serie zuletzt scheinbar sein Kryptonit gefunden. Glaubt man Toni Nadal, ist das aber nur eine Momentaufnahme - in den direkten Duellen hätten zuletzt nur Winzigkeiten den Ausschlag für den spanischen French-Open-Sieger gegeben. Sinner muss für Wimbledon nun aber sein Rasenspiel flott kriegen, will er Alcaraz abermals herausfordern.
Tenniswelt verneigt sich vor Alcaraz und Sinner
Quelle: Perform
Es war ein Duell, das man wahrlich nicht häufig zu Gesicht bekommt.
Aryna Sabalenka forderte auf einem Trainingsplatz im Aorangi Park in Wimbledon Jannik Sinner zu einem kleinen Duell heraus. Wer zuerst die Dose auf der Seite des jeweils anderen trifft, gewinnt. Das Trainerteam des Verlierers muss die Wettschuld mit Liegestützen bezahlen. Zwei Weltranglistenerste unter sich - und ein Hauch von Lockerheit.
Zweimal behielt Sabalenka in diesem spaßhaften Kräftemessen die Oberhand, verabschiedete sich von Sinner mit einer Umarmung.
Während sich die Belarussin ihre Sachen packte, ging es für Sinner mit seiner Trainingseinheit auf dem Court weiter. Für den Italiener gibt es auf dem heiligen Rasen an der Church Road nämlich nur ein Ziel - den Titel. Auf dem Weg dorthin will er mit einem Vorurteil aufräumen.
Toni Nadal: "Und das Chaos bricht aus"
"Es genügt ein einziger Ball ins Aus und das Chaos bricht aus", meinte Toni Nadal in einem Interview mit der italienischen Sport-Tageszeitung "Gazzetta dello Sport". Damit bezog sich der Onkel und langjährige Trainer von Rafael Nadal auf die mediale Aufarbeitung des epischen Endspiels der French Open zwischen Sinner und Carlos Alcaraz (6:4, 7:6, 4:6, 6:7, 6:7), mit deren Tenor er nicht einverstanden ist.
Die Tennis-Welt sei seiner Meinung nach nicht nur schwarz und weiß, oftmals würden eben nur Kleinigkeiten entscheiden.
"Die Wahrheit ist: Wenn Jannik ein bisschen mehr Glück gehabt hätte, hätte er zwei Siege und Carlos zwei Niederlagen mehr gehabt", führte der 64-Jährige angesichts der knappen Niederlagen Sinners gegen den Spanier in Paris und Peking im Oktober 2024 (7:6, 4:6, 6:7) aus.
Was Toni Nadal stört: "Jeder wird zum Experten, die Presse sucht nach außergewöhnlichen Erklärungen. Stattdessen muss man sich damit abfinden, dass Sport eine einfache Sache ist."
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/06/08/image-997a5a8e-1793-4751-b644-b44ac0f4af74-85-2560-1440.jpeg)
"Ist das ein Match!" Alcaraz schafft Break zum 5:5 im Vierten
Quelle: Eurosport
Toni Nadal: Sinner fehlt die Ruhe
Die Erzählung vom spanischen Kryptonit für den italienischen Superman sei laut Toni Nadal daher trotz zuletzt fünf Niederlagen in Folge nur konstruiert, dafür fielen die Vergleiche zwischen den beiden Giganten im Einzelnen viel zu knapp aus.
Mit Blick auf die beiden jüngsten Niederlagen in Rom und Paris müsse man zudem Sinners dreimonatige Auszeit miteinbeziehen.
"Jannik fehlte ein bisschen die Ruhe. Er machte Fehler, die sein Spiel beeinträchtigten, und das lag eindeutig an der fehlenden Matchpraxis", meint Nadal: "Ich bin mir sicher, wenn er nach Indian Wells, Miami, Monte-Carlo und Madrid nach Rom gefahren wäre, hätte er den richtigen Rhythmus gefunden."
Sinner vs. Alcaraz: "Ein Haar" macht den Unterschied
Ohnehin müsse sich laut Nadal mit Blick auf die nackten Zahlen nicht Sinner die Frage stellen, wie er zu seinem Rivalen aufschließen kann. Vielmehr sei das Gegenteil Realität. "Jannik ist seit mehr als einem Jahr die Nummer eins der Welt", merkte der Spanier an: "Carlos ist also derjenige, der zurückliegt und auf der Jagd ist."
Am Platz mag Alcaraz "im entscheidenden Moment um ein Haar überlegen" sein, auf eine gesamte Saison gesehen hingegen kann Sinner durch seine unheimliche Konstanz die Nase vorn haben.
Zum Vergleich: Die Bilanz von Roger Federer gegen Rafael Nadal sprach einst auch nicht für den Schweizer (16:24), dennoch war es stets eine Rivalität auf Augenhöhe.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/06/08/image-58567a6f-d3a7-4292-95ad-668ad2f08d0a-85-2560-1440.jpeg)
"Eins der krassesten Matches!" Sinner breakt in Satz fünf zum 5:5
Quelle: Eurosport
Sinner und Alcaraz auf den Spuren der Ikonen
Apropos Federer und Nadal: Sinner und Alcaraz könnten in Wimbledon zu den beiden ersten Spielern seit 2008 werden, die im selben Jahr sowohl das Finale in Roland-Garros als auch das Endspiel an der Church Road ausfechten. Vor 16 Jahren gelang dies den zuvor erwähnten Ikonen - übrigens auch in den Jahren 2006 und 2007.
Der Weg bis zu diesem historischen Duell ist jedoch auf beiden Seiten lang. Sinner muss sich dabei nach dem jüngsten Rückschlag im Achtelfinale des ATP-Turniers von Halle gegen Alexander Bublik (6:3, 3:6, 4:6) erst wieder in seiner gewohnten Form zurückmelden.
"Ich hatte das Gefühl, dass es auf zwei oder drei Punkte hinauslaufen würde", gab er nach seinem Aus in Halle zu und räumte ein, in den 50:50-Momenten nicht immer auf der Höhe zu sein. "Er war in den entscheidenden Situationen besser, und die Wahrheit ist, dass es nach der Niederlage in Paris nicht einfach war, hier konkurrenzfähig zu sein", so Sinner.
Gegen den Kasachen gewann Sinner lediglich 33 Prozent der Pressure Points (5 von 15) - ein extrem niedriger Wert für seine Verhältnisse, den er mit physischer Müdigkeit erklärte. Darüber hinaus erzielte er beim Return nur 32 Prozent der Punkte. Schwächen, die es auszumerzen gilt, aber in den Augen von Nadal nicht besorgniserregend sind.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/06/08/image-f8e44bf2-3f84-4791-84c4-2045db5a8788-85-2560-1440.jpeg)
Sinner hat die richtige Antwort - "das ist Weltklassetennis!"
Quelle: Eurosport
Sinner: Kritik auf ganz hohem Niveau
So soll sich Sinner auf zwei andere Aspekte fokussieren. "Seine Stoppbälle könnten präziser sein", meint Nadal: "Und manchmal hat er es beim Ballwechsel etwas eilig."
Kritik auf ganz hohem Niveau - doch in der Weltspitze entscheiden Kleinigkeiten. Diese Lektion musste der Südtiroler in Paris bitter lernen.
"Jannik wird weiterhin kleine Details hinzufügen, sich weiterentwickeln", blickte Nadal voraus. Was man sich von Wimbledon erwarten darf? "Normalerweise ein Finale zwischen Sinner und Alcaraz."
Das könnte Dich auch interessieren: Becker erklärt seine Zverev-Kritik: "Will, dass er gewinnt"
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/06/22/image-afea9fe3-9c00-4b14-842f-b778c8d1b845-85-2560-1440.png)
Highlights: 18. Sieg in Folge! Alcaraz dominiert Lehecka im Finale
Quelle: Eurosport
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung