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Heilsbringer Can: Die Lösung der BVB-Abwehrprobleme?

Heilsbringer Can: Die Lösung der BVB-Abwehrprobleme?

12/02/2020 um 13:52

Trotz der bitteren 3:4-Niederlage hat Emre Can in Leverkusen ein verheißungsvolles Startelfdebüt für den BVB gefeiert. Sowohl auf dem Platz als auch in der Analyse nach dem Spiel ging der Neuzugang voran. Lucien Favre darf sich berechtigte Hoffnungen machen, dass er im 26-Jährigen den dringend benötigten emotionalen Leader gefunden hat. Allerdings nicht im Mittelfeld, sondern in der Abwehr.

Lucien Favre wirkte ratlos.

Der Schweizer konnte sich (einmal mehr) keinen Reim auf die defensive Anfälligkeit seines Teams machen. Vier Gegentore. Wieder ein Spiel aus der Hand gegeben. Eine Erklärung? Fehlanzeige.

Can überzeugt - und spricht Probleme deutlich an

"Dreckiger" müsse der BVB spielen, wenn er in Fühung liege, "manchmal ein Foul spielen, besser verteidigen". Während seine Mannschaftskollegen dieselben abgestumpften Parolen bemühten, die man bei Borussia Dortmund in dieser Saison schon zu Genüge gehört hatte, scheute sich der 26-Jährige nicht, den Finger in die Wunde zu legen.

Es war bereits die zweite Bewerbung als Führungsfigur. Denn auch zuvor auf dem Platz konnte Can auf der Doppelsechs neben Axel Witsel durchaus überzeugen.

Nachdem die Leihgabe von Juventus Turin zehn Minuten Einsatzzeit beim DFB-Pokal-Aus gegen Werder Bremen gesehen hatte, durfte er gegen Bayer von Beginn an ran – und lieferte genau das, wofür ihn der BVB geholt hatte.

Win-win-Situation mit Can

Emotionen, Kampfgeist, Leidenschaft – auch wenn ihm die fehlende Spielpraxis aus der Hinrunde und der konditionelle Rückstand gegen Ende deutlich anzumerken waren.

Can redete immer wieder auf die jüngeren Spieler wie Jadon Sancho oder Achraf Hakimi ein und rief sie zurück, wenn sie in Kontersituationen nicht schnell genug den Rückwärtsgang einschalteten. Dazu kam sein traumhafter Treffer zum zwischenzeitlichen 2:1.

Jürgen Klopps prophezeite "Win-win-Situation" für Verein und Spieler scheint tatsächlich nicht so weit hergeholt.

Boss Can? Nicht im Mittelfeld

Der immer wieder taumelnde BVB darf sich Hoffnungen machen, dass Can die vakante Rolle als lautstarker Leader auf Dauer erfolgreich einnehmen wird. Allerdings nicht im Mittelfeld.

Auf Dauer ist Can in der Abwehrkette eingeplant, das berichteten "kicker" und "Ruhrnachrichten" bereits kurz nach dessen Ankunft übereinstimmend.

Can soll die BVB-Abwehr stabilisieren

Erstens, weil er in Favres Ballbesitzfußball, der auf pass- und kombinationsstarke Mittelfeldspieler ausgerichtet ist, ohnehin besser auf diese Position passt. Und zweitens, weil dies der Teil der Mannschaft ist, der den Westfalen bereits seit geraumer Zeit Kopfzerbrechen bereitet.

Allein auswärts kassierten die Dortmunder in dieser Saison bereits 22 Gegentore. Absolut inaktzeptabel für einen selbsternannten Meisterschaftsanwärter. Vor allem individuelle Fehler kosten den BVB immer wieder Punkte.

Lizenspielerchef Sebastian Kehl hatte die Mannschaft deshalb nach dem Spiel in Leverkusen heftig kritisiert:

"Wenn man so viele Treffer kassiert und sich teilweise so doof anstellt, dann kann man keine Spiele gewinnen."

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BVB: Muss Akanji für Can weichen?

Zu den Hauptschuldigen gehörte auch am vergangenen Samstag wieder Manuel Akanji. Von Favre diesmal als rechter Verteidiger in einer Viererkette aufgeboten, war er an den ersten beiden Gegentreffern maßgeblich beteiligt.

Der Schweizer befindet sich bereits seit Wochen im Formtief. Gut möglich, dass er mittelfristig für Can weichen muss.

Can kommt zudem zugute, dass er sehr flexibel ist und sowohl auf der rechten Verteidigerposition als auch als Teil einer Dreierkette eingesetzt werden kann. Beide Positionen bekleidete er sowohl beim FC Liverpool als auch im DFB-Team unter Joachim Löw erfolgreich.

Egal, ob Favre in Zukunft wieder zum zuletzt präferierten 3-4-3 zurückkehrt, oder beim 4-2-3-1 bleibt, Can wird in seinen Plänen neben Mats Hummels und Dan-Axel Zagadou eine zentrale Rolle einnehmen.

Der 26-Jährige ist bereits jetzt so etwas wie Dortmunds letzte Hoffnung. Der letzte Trumpf des langsam verzweifelnden Favre, mit dem er dem fragilen Gebilde der Dortmunder Hintermannschaft endlich Stabilität verleihen will.

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