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Alle Trainer-Szenarien: Hat Bayern ein Ass im Ärmel?

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Hasan Salihamidzic, Karl-Heinz Rummenigge - FC Bayern München

Fotocredit: Getty Images

VonFlorian Bogner
09/11/2019 Am 23:04 | Update 10/11/2019 Am 09:42
@flopumuc

Thomas Tuchel und Erik ten Hag stehen kurzfristig wohl nicht zur Verfügung, Ralf Rangnick will nicht. Arsène Wenger hätte gewollt, ihm aber erteilte der FC Bayern München eine Abfuhr - was der Franzose wiederum dementierte. Nach einer Woche der Absagen und Verwirrungen hat plötzlich Hans-Dieter Flick gute Karten, die Kovac-Nachfolge dauerhaft anzutreten - aber will er das überhaupt? Die Szenarien.

  • Rummenigge stellt klar: Flick soll Bayern-Trainer bleiben

Die Absage kam klar und unmissverständlich. "Der FC Bayern schätzt Arsène Wenger für seine Arbeit als Trainer beim FC Arsenal sehr, aber er ist keine Option als Trainer beim FC Bayern München", ließ der Deutsche Meister am Donnerstagabend via "Bild" verlauten.

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Wenger seinerseits reagierte irritiert. "Mein Name kam aus dem Nichts", sagte der 70-Jährige im Interview mit "beIN Sports".

Am Mittwoch rief mich Rummenigge an, ich habe aus Höflichkeit zurückgerufen. Wir haben vier oder fünf Minuten lang geredet, maximal, und er hat berichtet, dass sie Flick für die nächsten beiden Spiele verpflichtet haben.

Rummenigge habe ihn gefragt, ob er Interesse habe, "weil sie einen Coach suchen. Ich habe gesagt, ich habe mir darüber noch keine Gedanken gemacht. Ich brauchte Zeit zum Nachdenken. Wir haben zusammen entschieden, in der kommenden Woche zu sprechen, weil ich mich in Doha aufhalte", so Wenger. "Das ist die wahre Geschichte."

Wie auch immer: Es ist und bleibt ein ungewöhnliches Statement der Bayern zum Thema Wenger, ein bisschen ohne Not, weil es suggeriert, dass man bereits einen besseren Plan hat.

Doch wie sieht der aus?

FC Bayern: Trainersuche wird zum Domino-Spiel

In Sachen Bayern und Trainer war es die letzten Tage schließlich ein bisschen wie beim Domino. Erst kippte der Klub selbst Niko Kovac. Dann nahmen sich Thomas Tuchel, Erik ten Hag und Ralf Rangnick selbst aus dem Spiel. Und dann die Sache mit Wenger.

So steht aktuell eigentlich nur noch Hans-Dieter Flick. Der will aber von einer etwaigen Beförderung vom Interimscoach zur Dauerlösung nichts wissen. Auch nach dem 4:0 gegen den BVB hielt er sich bedeckt.

Wie geht es weiter, welche Szenarien sind denkbar? Ein Überblick.

Szenario 1: Bayern hat ein Ass im Ärmel

Dass Flick nur für die Spiele gegen Olympiakos Piräus (2:0) und Borussia Dortmund auf der Bayern-Bank sitzt, hat übrigens nie jemand so behauptet - außer er selbst.

In der Pressemitteilung zur Kovac-Entlassung vom Sonntag hieß, es dass der bisherige Co-Trainer die Mannschaft "bis auf Weiteres" betreuen und "damit auch auf die wichtigen Spiele in der Champions League gegen Olympiakos Piräus am kommenden Mittwoch und gegen Borussia Dortmund am kommenden Samstag vorbereiten" werde.

Nach dem Piräus-Spiel benutzte Sportdirektor Hasan Salihamidzic ebenfalls die "bis auf Weiteres"-Konstruktion, sagte: "Hansi ist in diesem Moment der richtige Trainer für uns." Rummenigge sagte am Samstag wieder "bis auf Weiteres", ergänzte aber, dass davon auszugehen sei, dass Flick gegen Düsseldorf am 23. November auf der Bank sitzen werde.

So wie sich Flick jedoch äußert, scheint er von einem baldigen Ende seiner Interimstätigkeit auszugehen. Weiß er mehr als alle Außenstehenden, hat Bayern vielleicht ein Ass im Ärmel?

Dieses Ass könnte Erik ten Hag sein. Der Coach von Ajax Amsterdam hatte zwar am Montag vor dem Champions-League-Spiel beim FC Chelsea gesagt, dass er "diese Saison bei Ajax" bleiben werde.

Geht es nach dem ehemaligen Oranje-Kapitän Ruud Gullit, ist hier allerdings das letzte Wort noch nicht gesprochen. "Wenn Bayern München dein Traum ist ...? Dieser Zug hält nur einmal. Und wenn sie dich wollen, würde man dann 'Nein' sagen, nur weil man die Saison beenden will? Ich denke, er wird zu Bayern München gehen", sagte der TV-Experte bei "beIN Sports".

Ten Hag habe schließlich betont, dass Bayern "sein Traumklub ist. Also bitte! Eins und eins ist zwei und nicht drei."

In Person von Sportdirektor Marc Overmars hatte Ajax auch schon erklärt, dass man ten Hag im Ernstfall wohl keine Steine in den Weg legen werde. "Wissen Sie, man muss immer realistisch bleiben: Wenn so große Klubs auf einen zu kommen, wie oft bekommt man so eine Chance? Wir werden uns so etwas immer anschauen", hatte Overmars Ende Oktober gegenüber "Fox Sports" gesagt. Ajax könnte für ten Hag (Vertrag läuft noch bis 2022) allerdings eine satte Ablöse verlangen.

Sofort verfügbar wäre indes Massimiliano Allegri. Karl-Heinz Rummenigge soll mit dem ehemaligen Juve-Trainer, der sich derzeit eine Auszeit nimmt, lose in Kontakt stehen. Allerdings spricht Allegri kein Deutsch - und soll einen Wechsel in die Premier League derzeit bevorzugen.

In der vergangenen Woche ließ sich auch keine heiße Spur zu Allegri finden - nur der "Corriere dello Sport" nannte ihn am vergangenen Wochenende einen "Top-Kandidaten" für Bayern. Der immer wieder um Bayern geisternde José Mourinho gilt derweil nach wie vor als zu abwegig.

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Szenario 2: Flick macht's bis Saisonende - dann kommt der Wunschtrainer

Man darf getrost annehmen, dass sich Rummenigge und Salihamidzic in den letzten Tagen eifrig Gedanken gemacht haben und eine Lösung nicht von einem Spiel - sprich: dem Top-Spiel gegen Borussia Dortmund - abhängig machen wollen.

Gut möglich aber, dass bei beiden nach den Eindrücken der letzten Tage die grundsätzliche Überzeugung gereift ist, Flick die Mannschaft für den restlichen Verlauf dieser Saison anzuvertrauen - und ihn dann wieder ins von ihm bevorzugte zweite Glied rutschen zu lassen.

Das gäbe den Bayern-Bossen Zeit, in Ruhe über eine Wunschlösung für die kommende Saison zu debattieren, Verhandlungen zu führen und das Ding etwas galanter einzutüten als es noch 2018 der Fall war, ehe man Kovac nur als 1c-Lösung präsentieren musste.

Ten Hag wäre auch in diesem Szenario eine Option, aber mehr noch Thomas Tuchel (Vertrag bei PSG bis 2021), den Rummenigge schon 2018 favorisiert haben soll. Der "kicker" brachte diese Woche sogar wieder Pep Guardiola ins Gespräch, wenn gleich das weit hergeholt scheint und dieser gerade eher über eine Zukunft in der Serie A nachdenkt.

Weitere Namen, die in den letzten Tagen durch die Medien geisterten: Mauricio Pochettino, Jürgen Klopp, Mark van Bommel, Xabi Alonso und Julian Nagelsmann - mit sehr geringer und zugleich abfallender Wahrscheinlichkeit.

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Szenario 3: Flick bleibt "bis auf Weiteres" - also unbefristet

Zwar hatte Präsident Uli Hoeneß bis zum Auswärtsspiel am 12. Spieltag bei Fortuna Düsseldorf "Klarheit in der Trainerfrage" angekündigt. Vielleicht tritt die aber auch ein, ohne dass Bayern jemanden holt.

Heißt: Flick bleibt, so wie es schriftlich in der Pressemitteilung und verbal von Salihamidzic festgehalten wurde, "bis auf Weiteres" Bayern-Trainer. Möglicherweise sprechen die Bosse dem 54-Jährigen einfach ganz generell ihr Vertrauen aus - erstmal ohne Be- oder Einschränkungen.

Die Signale aus der Mannschaft sind schließlich positiv. "Jetzt kommt er ein bisschen aus dem Deckungsschatten, weil er jetzt natürlich auch in der Pflicht steht. Nach der Länderspielpause werden wir weitersehen", sagte Kapitän Manuel Neuer, der übrigens für sich in Anspruch nimmt, in Sachen Trainer auch mitreden zu dürfen: "Natürlich werde ich auch mit ins Boot genommen und rede mit den Verantwortlichen über alle Situationen, die im Verein passieren."

Hans-Dieter Flick mit Kingsley Coman - FC Bayern München

Fotocredit: Getty Images

Flick habe viele Einzelgespräche geführt und die Mannschaft "gut aufs Spiel eingestellt". Neuer weiter: "Er ist erfahren und auch besonnen mit der Situation umgegangen. Er hat das sehr professionell gemacht."

So auch der Tenor der Bosse. "Er hat das in den letzten Tagen wirklich sehr fokussiert und selbstbewusst gemacht. Er hat viel mit der Mannschaft gesprochen", lobte Salihamidzic am Mittwoch bereits:

Wichtig ist, dass der Trainer zu dieser Mannschaft passt. Wir werden die richtige Entscheidung treffen.

Womit er auch Flick meinen könnte.

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