Rein spielerisch gelingt Jadon Sancho längst noch nicht alles. Die Schwerfälligkeit in seinem Spiel ist weiterhin sichtbar, die Leichtigkeit noch nicht komplett zurück. Über weite Strecken der Hinrunde litt das BVB-Spiel unter der Formkrise einer seiner besten Einzelkönner. Unter dem neuen Trainer Edin Terzic ähnelt der junge Engländer nun aber immer häufiger dem Spieler, der er in der vergangenen Saison war - und das belebt den kompletten Verein.
In der Spielzeit 2019/20 gehörte der 20-Jährige zu den größten Attraktionen im Weltfußball. Der Name Sancho stand trotz seines trickreichen, spektakulären Spiels für gnadenlose Effizienz.
17 Treffer und 17 Assists in der Bundesliga, 20 Tore und 20 Vorlagen in allen Wettbewerben - klar, dass sich die großen Klubs aus der englischen Heimat um ihn bemühten. Umso erstaunlicher ist es, dass der gebürtige Londoner noch immer Woche für Woche das schwarz-gelbe Trikot überzieht.
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Der BVB lehnte Berichten zufolge eine Offerte von Manchester United in dreistelliger Millionenhöhe (trotz horrender Verluste durch die Corona-Pandemie) für sein Supertalent ab, verlängerte stattdessen klammheimlich dessen Vertrag um ein weiteres Jahr.
Eine mutige Entscheidung, wie der bisherige Saisonverlauf zeigt.

Jadon Sancho (Borussia Dortmund) trifft zum 1:0 gegen RB Leipzig

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Sancho gegen Wolfsburg: Zumindest statistisch stimmt's

Sancho war in der laufenden Spielzeit nämlich nur selten der Spieler, der er sein kann. 13 Spieltage wartete der englische Nationalspieler auf seinen ersten Saisontreffer in der Liga, wirkte glücklos in seinen Dribblings und Abschlüssen. Zuletzt jedoch gab es Anzeichen der Besserung.
Treffer und Assist im Pokal bei Eintracht Braunschweig (2:0), Treffer und Assist im Bundesligaspiel gegen den VfL Wolfsburg (2:0), Treffer und Assist beim 3:1-Sieg in Leipzig. Jadon Sancho ist wieder da - zumindest statistisch.
"In den letzten Wochen haben die Leichtigkeit und die Magie gefehlt. Das haben wir angesprochen", sagte Terzic nach dem Ausrufezeichen in Leipzig am Samstagabend, bei dem vor allem die Kreativabteilung zumindest eine Halbzeit lang einen deutlichen Aufschwung erlebte.
Es sei "logisch, dass wir im Training nicht angefangen haben, Tore mit der Hacke oder Fallrückzieher zu üben. Uns ging es um die Intensität", so der 38-Jährige weiter. Im Fall Sanchos scheint er damit die richtigen Mechanismen in Gang gebracht zu haben.

Starker Sancho, starker BVB!?

Wie wichtig ein starker Sancho für das Dortmunder Leistungsniveau ist, kann an der Statistik ganz gut abgelesen werden. In der vergangenen Saison war der Stürmer in 21 Bundesligaspielen an mindestens einem Tor direkt beteiligt. Nur zwei dieser Spiele (3:4 in Leverkusen, 1:3 bei Union Berlin) gingen verloren (15 Siege, 4 Remis).
Diese Saison verlor der BVB noch keines seiner sieben Spiele, in denen Sancho (zwei Treffer, sieben Assists) traf oder vorlegte (sechs Siege, ein Remis). Vor allem die vergangenen drei Spiele wecken beim BVB die Hoffnung, dass Sancho Talsohle seines Formtiefs endgültig hinter sich gelassen hat.
Denn klar ist: Von einem starken Sancho profitiert der ganze Klub.

Jadon Sancho

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Der Druck der Erwartungen

Es lastet eine Menge Druck auf dem talentierten Engländer - vielleicht ein wenig zu viel Druck.
Denn im Falle Sancho wird oft vergessen, wie jung er eigentlich noch ist. Doch der Brite spielt nun mal seit nunmehr drei Jahren auf konstant hohem Niveau. Sein Debüt gab er im zarten Alter von 17 Jahren unter Thomas Tuchel. Seitdem verlief der Aufstieg des Dribblers ohne Komplikationen. Die Öffentlichkeit hat sich daran gewöhnt, dass Sancho Spielen seinen Stempel aufdrückt.
Im vierten Bundesligajahr hat er sich nun die erste Verschnaufpause gegönnt, jedoch nie aufgesteckt. Sportdirektor Michael Zorc und Trainer Terzic betonten in den vergangenen Wochen immer wieder, dass sich der 20-Jährige nicht hängen lasse und akribisch daran arbeite, seine Form zu finden.
Dass ihm das nun zu gelingen scheint, wird Sancho als weitere wichtige Erkenntnis für seinen weiteren Weg als Fußballprofi abspeichern. Genauso klar ist aber auch, dass man immer nur so gut ist wie das letzte Spiel.
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