Das Ende einer Ära neigt sich entgegen.

Fast schon etwas wehmütig lag Thiago nach dem 1:0-Erfolg des FC Bayern im Champions-League-Endspiel gegen Paris Saint-Germain auf dem Rasen des Estádio da Luz und vergoss dabei die ein oder andere Träne.

Premier League
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29/08/2020 AM 08:02

Über sieben Spielzeiten hinweg begeisterte der inzwischen 29-Jährige die Anhänger mit seiner Kreativität und seinem Spielwitz und trug maßgeblich dazu bei, den ohnehin gut ausgestatteten Trophäenschrank des Klubs weiter zu füllen. In eben jenem Zeitraum holte der Rekordmeister nicht weniger als sage und schreibe 17 Titel.

Nun, sieben Jahre nach Thiagos verheißungsvoller Ankunft in München ("Thiago oder nix!"), deutet vieles darauf hin, dass der Triple-Triumph in Lissabon gleichzeitig die Abschiedsvorstellung des Spaniers war.

Thiago vom FC Bayern München

Fotocredit: Getty Images

FC Bayern: Abschied von Thiago steht bevor

"Wir haben mit ihm seriös verhandelt und haben ihm alle seine Wünsche erfüllt. Doch es sieht so aus, dass er zum Ende seiner Karriere vielleicht noch einmal etwas Neues machen möchte", verkündete Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge bereits vor wenigen Wochen in der "Bild".

An jenem Vorhaben scheint sich nach wie vor nichts geändert zu haben, wie der 64-jährige Bayern-Boss kürzlich im Interview mit der "Welt am Sonntag" bestätigte.

Bei einer internen Feier nach dem Champions-League-Triumph sei Thiago mit seiner ganzen Familie in der Allianz Arena "in wirklich großer Nostalgie über den Platz gelustwandelt. Das sah schon sehr nach Abschied aus", urteilte Rummenigge.

Fakt ist, der Mittelfeldregisseur, dessen Vertrag in München noch bis 2021 datiert ist, sucht nochmal eine neue Herausforderung.

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Thiago-Poker: Liverpool ziert sich weiter

Dem Vernehmen nach zieht es Thiago in die Premier League. Die Spatzen pfeifen es schon länger von den Dächern, dass ein Wechsel zum FC Liverpool um Erfolgscoach Jürgen Klopp nur noch Formsache sein soll.

Als filigraner Techniker wäre er die perfekte Ergänzung im Mittelfeld der Reds, das hauptsächlich von Akteuren wie Jordan Henderson, Fabinho und Georginio Wijnaldum (dem enge Kontakte nach Barcelona nachgesagt werden) geprägt wird, die sich über ihre Physis und ihre Zweikampfstärke definieren.

Auf ein Angebot vonseiten des englischen Meisters wartete der FC Bayern bislang jedoch vergeblich. "Wir haben immer viel gelesen über Liverpool, aber gemeldet haben sie sich bisher auch noch nicht", konstatierte Rummenigge.

Obwohl sich Thiago mit Liverpool laut übereinstimmenden Medien bereits einig ist, soll dem Traditionsklub die kolportierte Ablösesumme in Höhe von 30 bis 40 Millionen Euro zu hoch sein.

Einem Preisnachlass aufgrund der gegenwärtigen Corona-Pandemie schob der Bayern-Boss jedoch einen klaren Riegel vor: "Summer Sale beim FC Bayern wird es nicht geben, erst recht nicht nach diesem Turnier. Die Spieler sind ja nicht preiswerter geworden durch den Europapokal-Sieg."

Thiago: Sticht ManUnited die Reds aus?

Ein baldiges Ende im Transferpoker ist daher nicht absehbar - im Gegenteil. Das Zögern der Reds könnte einen weiteren Interessenten auf den Plan gerufen haben. Angeblich mischt nun plötzlich auch Erzrivale Manchester United kräftig mit und das offenbar mit sehr guten Chancen.

Die Red Devils seien im Gegensatz zu Liverpool bereit, die von Bayern geforderte Summe zu zahlen. Demnach sollen die Münchener mit United heimlich, still und leise eine Einigung erzielt haben, heißt es von der Insel.

Hat sich Liverpool somit tatsächlich verpokert oder handelt es sich schlichtweg um taktisches Kalkül? Die kommenden Wochen werden Licht ins Dunkel bringen.

Sicher ist dagegen, dass ein möglicher Abgang Thiagos trotz eines satten Transfererlöses ein heftiger Schlag ins Kontor der Bayern wäre. "Wenn es so kommt, ist es ein Abgang, der schon etwas schmerzt", räumte Rummenigge ein.

Philippe Coutinho (links) und Thiago | FC Bayern München

Fotocredit: Imago

CL-Finalturnier: Thiago zeigt es allen Kritikern

Kein Wunder, immerhin lief der Spanier pünktlich zum Saisonhöhepunkt, als er aufgrund der Verletzung von Benjamin Pavard (Bandverletzung an der linken Fußwurzel) bei Trainer Hansi Flick plötzlich wieder erste Wahl war, zur Hochform auf.

Ganz nebenbei räumte er endlich mit dem Vorurteil auf, dass er gerade in den entscheidenden Spielen abtauchen würde.

Sowohl beim historischen 8:2 gegen den FC Barcelona, seinem Ex-Klub, als auch im Endspiel gegen PSG (1:0) glänzte der 29-Jährige mit einer fehlerlosen Vorstellung und stellte somit eindrucksvoll unter Beweis, dass er eben doch ein Spieler für die entscheidenden Momente ist. "Für ihn war es wichtig, dass er gezeigt hat, dass er in den großen Spielen sehr wohl top spielen kann", verriet Rummenigge.

Auch Mannschaftskollege Thomas Müller hatte bereits in der "Süddeutschen Zeitung" Thiagos technische Fertigkeiten und dessen Ballsicherheit in den höchsten Tönen gelobt. Darüber hinaus werde bei ihm oft unterschätzt, so Müller weiter, "dass er auch sehr aggressiv gegen den Ball arbeitet".

All dies sind Attribute, die mit Sicherheit auch in der Premier League Anklang finden werden - unabhängig davon, welcher Topklub letztlich das Rennen um den Spanier machen wird.

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