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Joshua Kimmich im Fokus beim FC Bayern München: Warum es für Julian Nagelsmann nun auf den Leitwolf ankommt
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Publiziert 26/09/2022 um 16:03 GMT+2 Uhr
Der FC Bayern steht vor den Wochen der Wahrheit. Nach vier sieglosen Spielen braucht Julian Nagelsmann nun die Trendwende. Bei nur vier Toren in vier Begegnungen schienen die Probleme schnell ausgemacht. Doch nun geriet auch Chefstratege Joshua Kimmich in den Fokus der Kritik. Der 27-Jährige steht als Sinnbild für die Probleme der Münchner - und wird nun umso mehr zum entscheidenden Faktor.
Joshua Kimmich als Sinnbild der Bayern-Krise
Fotocredit: Getty Images
Pünktlich zum kalendarischen Herbstanfang weht an der Säbener Straße ein rauer Wind. Nach einem Traumstart in die Saison folgte die sportliche Eiszeit, seit vier Ligaspielen ist der deutsche Rekordmeister ohne Sieg, das gab es zuletzt 2001/2002.
Im letzten Bundesligaspiel vor der Länderspielpause verloren die Münchner 0:1 (0:0) in Augsburg, blieben zum ersten Mal seit 87 Partien ohne Treffer - und das trotz 19 Torschüssen auf den Kasten von Rafał Gikiewicz.
Trainer Julian Nagelsmann machte nach der Begegnung die Chancenwertung als klares Manko aus, auch Thomas Müller sagte nach dem Spiel: "Heute lag es daran, dass wir die Dinger nicht reingemacht haben."
Doch auch in der ersten Nations-League-Begegnung in Leipzig gegen Ungarn (0:1) schossen sich die Bayern-Stars um Müller, Leroy Sané und Serge Gnabry den Offensiv-Frust nicht von der Seele. Im Gegenteil. "Es wird immer dunkler, das ist gerade auch unsere Gefühlswelt", ließ Müller in der Red Bull Arena tief blicken.
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Nagelsmann genervt von Stürmerfrage: "Wurscht, was ich antworte"
Quelle: Perform
Alarmglocken schrillen in München
Den Bayern droht ein düsterer Herbst. In der Bundesliga ist man auf Tabellenrang fünf abgerutscht. Auch wenn der Rückstand auf den Meisterschaftsrivalen Borussia Dortmund nur bei drei Punkten liegt, schrillen bereits die Alarmglocken an der Säbener Straße.
Nagelsmann war nach der Pleite bei den Fuggerstädtern merklich angefressen. Der normalerweise redselige Bayern-Coach stellte nur kurz klar: "Ich mache mir meine Gedanken und dann schauen wir, wie es weitergeht."
Nach Informationen der "Sport Bild" bezeichnete der Trainer seine Mannschaft in Bezug auf ihren Auftritt in Augsburg als "Hühnerhaufen". Weltmeister Philipp Lahm legte nun bei "Bild TV" den Finger in die Wunde: "Das A und O ist, jeder muss wissen, was er zu tun hat auf dem Spielfeld. Das sehe ich aktuell nicht ganz so."
Eine Breitseite!
Lahm kritisiert Kimmich
Offensiv haperte es bei den Münchnern zuletzt in aussichtsreichen Situationen oft am vorletzten Pass. Doch auch defensiv wirkte der Rekordmeister gegen Stuttgart und in Augsburg instabiler als zu Beginn der Saison. Dabei griff sich Lahm ausgerechnet einen Nationalspieler heraus, der in den zurückliegenden Jahren über jeden Zweifel erhaben schien: Joshua Kimmich.
"Er ist ein offensiver Spieler, der seine Position offensiv begreift", erklärte der ehemalige Bayern-Kapitän. "Aber er muss ein bisschen an der Denkweise arbeiten, einen Tick defensiver denken", forderte der 38-Jährige und schob nach: "Dann kann er ohne Probleme auf der Sechs spielen."
Den 27-Jährigen als Problem beim FC Bayern zu bezeichnen, wäre vermessen. Der gebürtige Rottweiler ist der Leitwolf des Rekordmeisters und der Stratege im System von Nagelsmann. Kimmich kommt im Schnitt auf 100 Ballkontakte pro Spiel und steuert die meisten Torschussvorlagen aller Bayern-Akteure bei (durchschnittlich drei pro Begegnung).
Kimmich offensiver als zuletzt
Gerade mit seinen tiefen Bällen hinter die Kette hebelt er immer wieder gegnerische Defensiven aus, bereitete in dieser Saison bereits vier Pflichtspieltreffer vor und erzielte zwei Tore selbst. Doch Kimmich ist ein Sinnbild dafür, dass der Rekordmeister seine Ordnung seit der Sommerpause noch nicht gefunden zu haben scheint. In den zurückliegenden Jahren spielte der Mittelfeldspieler als defensiverer Part auf einer Doppel-Sechs - meist an der Seite von Leon Goretzka.
Doch in dieser Spielzeit drängt Kimmich nach vorne, spielt offensiver, gibt doppelt so viele Torschüsse ab wie noch im zurückliegenden Jahr. Markus Babbel kritisierte kürzlich, er "turne überall herum, nur nicht da, wo er spielen sollte" und bemängelte, der 27-Jährige habe "nicht mehr die Disziplin, auf seiner Position zu spielen".
Der "Kicker" hatte kürzlich berichtet, Kimmich bevorzuge inzwischen den defensiveren Marcel Sabitzer an seiner Seite. "Wir ergänzen uns ganz gut. Er kann sich auch sehr viel nach vorne einschalten. Ich halte ihm gerne den Rücken frei", bestätigte der Österreicher indirekt Kimmichs Wunsch nach mehr Freiheiten.
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So schlecht wie zuletzt vor 20 Jahren: Die Bayern-Krise in Zahlen
Quelle: Perform
Ausbaupotential im Zweikampf
Doch die offensivere Ausrichtung birgt auch Risiken. Gegen Bochum (23), Gladbach (26) und zuletzt auch in Augsburg (23) verlor der Stratege die meisten Bälle aller Bayern-Spieler, gegen Frankfurt und Stuttgart die zweitmeisten, hatte gegen den VfB Glück, dass der Gegentreffer von Serhou Guirassy nach seinem Ballverlust im Sechzehner durch den VAR zurückgenommen wurde.
Zudem hat Kimmich von allen zentralen Mittelfeldakteuren beim FC Bayern schwächste Zweikampfquote (51 Prozent). Ausbaufähig, meint auch Lahm. "Am Defensivzweikampf kann man noch ein bisschen arbeiten", bemängelte der Rio-Weltmeister bei der "Bild", schränkte aber ein: "Die Frage ist dann, ob man die Offensivstärke rausnimmt."
Vor seinem Amtsantritt hatte Nagelsmann, dessen große Stärke es ist, in den Begegnungen reagieren und flexibel umzustellen, erklärt: "Ich bin ein Freund davon, Spieler zu haben, die in verschiedenen Positionen spielen können."
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Marcel Sabitzer (l.) und Joshua Kimmich
Fotocredit: Imago
Nagelsmann braucht Kimmichs Balance
Derzeit scheint aber, dass die Bayern mehr Ordnung und Struktur als Flexibilität benötigen. Am Freitag (20:30 Uhr im Liveticker) treffen die Münchner auf Bayer Leverkusen, danach folgen neben den Champions-League-Spielen gegen Viktoria Pilsen die Duelle mit Borussia Dortmund und dem SC Freiburg, die tabellarisch vor dem Rekordmeister stehen.
Der Trainer hat dabei die volle Rückendeckung des Klubs, wie Sportvorstand Hasan Salihamidzic kürzlich beteuerte. "Er und sein Trainerteam wissen genau, was zu tun ist", stellte sich der 45-Jährige hinter Nagelsmann, der in der Bundesliga nun aber die schnelle Wende einläuten muss.
Dabei braucht er auch und allen voran seinen Stabilisator Kimmich. Umso mehr, weil der Nationalspieler als großer Fürsprecher und verlängerter Arm des Trainers gilt. Die ordnende Hand beim FC Bayern München muss auch die eigene Balance wiederfinden. Ansonsten droht den Bayern ein eisiger Winter an der Säbener Straße.
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