Champions League: Drei Dinge, die bei Bayern gegen Lyon auffielen
Der FC Bayern wird seiner Favoritenrolle im Champions-League-Halbfinale gegen Olympique Lyon gerecht und zieht mit einem 3:0 (2:0)-Sieg ins Endspiel ein. Dabei scheint es lange Zeit nicht der Abend des Robert Lewandowski zu sein. Für den Polen springt jedoch Serge Gnabry in die Bresche. Allerdings gibt die Defensivleistung im Hinblick auf das Finale Grund zur Sorge. Was uns auffiel.
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1. Gnabry auf den Spuren von Olic
Obwohl mit Thomas Müller und David Alaba lediglich zwei Spieler aus dem aktuellen Kader des FC Bayern das letzte Aufeinandertreffen mit Lyon in der Königsklasse hautnah auf dem Platz miterlebten, dürfte das Ergebnis jedem noch in bester Erinnerung sein.
Vor mehr als zehn Jahren, genauer im April 2010, avancierte Ivica Olic im Champions-League-Rückspiel (3:0) mit einem Dreierpack zum Matchwinner und sicherte dem Rekordmeister damit den Einzug ins Endspiel.
In dessen Rolle schlüpfte am Mittwochabend im Estadio José Alvalade Serge Gnabry, der auf der rechten Außenbahn eine herausragende Vorstellung ablieferte und die Bayern nach einer turbulenten Anfangsphase in Ruhe Gewässer manövrierte.
"Die erste Phase des Spiels haben wir auch mit Glück überstanden. Serge hat uns mit einer Einzelleistung in Führung gebracht. Das hat uns Sicherheit gebracht", konstatierte Trainer Hansi Flick nach dem 3:0-Erfolg am "Sky"-Mikrofon.
Der Nationalspieler zog nach einer guten Viertelstunde von der rechten Seite in bester Arjen-Robben-Manier - vorbei an der halben Lyoner Hintermannschaft - nach innen und hämmerte den Ball mit seinem schwächeren linken Fuß zur Führung in den Knick - ein Treffer der Marke Weltklasse (18.). "Das sind Dinge, die er auch im Training oftmals macht. Er hat beidbeinig einen enorm guten Schuss", lobte Flick seinen Schützling.
Dabei wäre alles ganz anders gekommen, hätte Lyon-Angreifer Karl Toko Ekambi exakt 59 Sekunden zuvor aus fünf Metern nicht nur den Pfosten des Bayern-Gehäuses getroffen.
"Wir hatten am Anfang ein bisschen Glück, aber dann haben wir gut reingefunden", sagte Gnabry. Hauptverantwortlich dafür war dabei der 25-Jährige selbst. Lediglich eine Viertelstunde nach dem Führungstreffer legte er per Abstauber mit seinem zweiten Treffer, den er zuvor selbst initiiert hatte, nach und ließ Flick damit ganz tief durchatmen.
Bis zu seiner Auswechslung in der 75. Minute (für Philippe Coutinho) war Gnabry ein ständiger Unruheherd und feuerte gemeinsam mit Lewandowski die meisten Torschüsse aufseiten der Münchener ab (drei).
Apropos Lewandowski: Gemeinsam mit dem Polen, der den Endstand zum 3:0 markierte, erzielte er in dieser Champions-League-Saison nun 24 Treffer (Gnabry neun, Lewandowski 15) und damit mehr als jedes andere Duo zuvor in Europa. Zehn Siege in zehn Spielen sowie ausschließlich Siege bis zum Endspiel waren vor Bayern auch noch keinem Team gelungen.
2. Lewandowski steht sich (fast) selbst im Weg
Lewandowski schüttelte ungläubig den Kopf.
Der Torjäger hatte soeben abermals ein Zuspiel von seinem kongenialen Offensivpartner Thomas Müller nicht verwerten können und hämmerte frustriert auf den Rasen (68.).
In der Tat schien es lange so, als sollte es nicht der Abend des Torjägers werden.
Lewandowski offenbarte ungewohnte Nachlässigkeiten in der Chancenverwertung (33., 38.) und agierte alles in allem äußerst unglücklich. Stellvertretend hierfür war die Szene kurz vor der Halbzeit, als er einen Abschluss von Leon Goretzka unfreiwillig abblockte (43.). Und seine leicht slapstickartige Einlage vor Gnabrys 2:0.
De facto strahlt der Pole im Finalturniers in Lissabon nicht mehr die Leichtigkeit aus, die ihn bei seinem Gala-Auftritt im Achtelfinal-Rückspiel gegen den FC Chelsea (4:1) vor rund zwei Wochen noch auszeichnete.
Bereits eine Runde zuvor gegen den FC Barcelona (8:2) ging er deutlich verbissener zu Werke als sonst, wohlwissend, dass die ganze Welt auf ihn schaut und der Torrekord von Cristiano Ronaldo (17 Treffer) im Bereich des Möglichen ist.
Der Druck der Favoritenrolle, des Glänzen-Müssens, war gegen den Favoritenschreck aus Lyon aber nicht nur Lewandowski anzumerken. "Wir hatten am Anfang den einen oder anderen Ballverlust zu viel, obwohl wir eigentlich gar nicht so sehr unter Druck standen. So haben wir sie ins Spiel gebracht und sie dran glauben lassen. Zum Glück haben sie es vorm Tor nicht ausgenutzt", sagte Joshua Kimmich.
Für die Klasse der Bayern spricht, dass sie die Partie dennoch 3:0 gewannen. Und für die Klasse Lewandowskis, dass er am Ende eines nicht ganz so glänzenden Spiels wie schon gegen Barcelona dennoch in die Torschützenliste eintrug.
In der 88. Minute schraubte der 31-Jährige mit einem unnachahmlichen Kopfball nach Freistoß-Flanke von Kimmich sein Konto auf 15 Tore. Ronaldo ist weiter erreichbar ...
3. Gegen Mbappé und Neymar geht das nicht gut
Der FC Bayern war gewarnt. Mit Manchester City (3:1) und Juventus Turin (1:0, 1:2) hatte Olympique Lyon bereits zwei europäische Schwergewichte aus dem laufenden Wettbewerb bugsiert.
Dementsprechend klar war die Marschroute von Coach Flick vor der Partie. "Wir müssen versuchen, wenig Ballverluste zu haben, weil sie offensiv auch einen guten Zug zum Tor haben", so der 55-Jährige.
Einzig richtig aufgehen wollte das Erfolgsrezept zunächst nicht. Nach einem kapitalen Fehlpass von Thiago war Memphis Depay schon nach vier Minuten auf und davon und hätte um ein Haar die frühe Führung für den Außenseiter erzielt - er traf nur das Außennetz.
Lyon spielte die Bälle ein ums andere Mal gut hinter die Kette auf das pfeilschnelle Offensiv-Trio Depay, Toko Ekambi und Maxwel Cornet und profitierte dabei auch von den teilweise zu weit aufgerückten Außenverteidigern (Alphonso Davies und Kimmich) der Bayern.
"Wir wussten, dass sie versuchen, hinter unsere Abwehr zu kommen, das haben wir zu Anfang schlecht verteidigt", sprach Flick die Fehler seiner Mannschaft gnadenlos an. Besonders wenn das Pressing der Bayern nicht funktionierte, hatte Lyon Räume und konnte so mehrere Chancen kreieren.
Was Lyon ausließ, würde Paris mit den Superstars Neymar und Kylian Mbappé im Angriff mutmaßlich nicht so generös liegen lassen.
"Wenn Bayern am Sonntag so spielt, werden sie verlieren", lautete die entsprechend harte Analyse des "Sky"-Experten Jan Aage Fjörtoft.
Auch Lothar Matthäus warnte seinen Ex-Klub: "Vielleicht sollten sie gegen PSG auch nicht so hoch verteidigen, weil Paris dann die Geschwindigkeit von Neymar und Mbappé perfekt einsetzen kann. Wenn sie am Sonntag so spielen wie heute, wird es vielleicht nichts mit der Champions League."
Trainer Flick und seine Mannen sollten für das Endspiel am Sonntag (21:00 Uhr im Liveticker) ausdrücklich gewarnt sein. Der Bayern-Trainer wird zudem überlegen, ob er Kimmich nicht wieder vor die Abwehr setzt und dafür den wiedergenesenen Benjamin Pavard (Comeback gegen Lyon als Einwechselspieler, 82.) rechts hinten verteidigen lässt.
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