Das Warten auf den Nachfolger von Timo Werner geht weiter.

Obwohl RB Leipzig mit Hee-Chan Hwang unlängst einen nominellen Ersatz für den Nationalstürmer verpflichtet hat, fehlte dieser zunächst beim Trainingsauftakt zu Beginn der Woche. Laut "rblive" muss sich der Südkoreaner, der kürzlich für 15 Millionen Euro von Red Bull Salzburg kam, noch um Formalitäten kümmern.

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Zweifelsohne ein ärgerlicher Ausfall für die Sachsen - im Hinblick auf das anstehende Finalturnier der Champions League jedoch zu verschmerzen, da sowohl Hwang als auch Benjamin Henrichs, Leipzigs zweiter Sommer-Neuzugang, ohnehin nicht für die Königsklasse spielberechtigt sind.

Dabei ist RB nach dem Viertelfinal-Verzicht von Top-Torjäger Werner - so zumindest die öffentliche Wahrnehmung - auf jede Verstärkung angewiesen, um in Lissabon dauerhaft bestehen zu können.

Timo Werner

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Hamann: "Vielleicht sehen wir Leipzig im Finale"

Die Mannschaft von Julian Nagelsmann trifft in der Runde der letzten Acht auf Atlético Madrid, die mit ihrem dramatischen Sieg im Achtelfinale gegen Titelverteidiger FC Liverpool für die wohl größte Sensation im laufenden Wettbewerb sorgten.

"Wir freuen uns alle auf die Champions League. Wir haben ein schwieriges Los, aber wir rechnen uns einiges aus. Es sind zwei Spiele bis zum Finale", erklärte Sportdirektor Markus Krösche im klubeigenen Livestream.

In der Tat haben die Rojiblancos trotz des Achtelfinal-Coups in der laufenden Spielzeit deutlich an Souveränität verloren, die den Hauptstadtklub in den vergangenen Jahren auszeichnete.

Das Team von Kult-Coach Diego Simeone rettete in La Liga nach einer äußerst durchwachsenen Saison am Ende den dritten Tabellenplatz. Vom Titelgeschehen war Atlético praktisch die komplette Spielzeit über meilenweit entfernt.

"Sky"-Experte Dietmar Hamann, der mit dem FC Liverpool 2005 den Henkelpott gewann, sieht die Rojiblancos daher sogar als Glückslos. "Die Leipziger haben eine sehr, sehr gute Auslosung erwischt. Atlético liegt in der spanischen Meisterschaft 17 Punkte hinter Tabellenführer Real Madrid und weiß bis heute nicht genau, wie und warum sie im Achtelfinale Titelverteidiger Liverpool ausschalten konnten. Vielleicht sehen wir Leipzig im Finale", prognostizierte der 46-Jährige kürzlich in der "AZ".

RB Leipzig: Nagelsmann ist jetzt gefordert

Dafür müssten die "Nagelsmänner" im Vergleich zu den vergangenen Bundesliga-Auftritten aber mehr als nur eine Schippe drauflegen. Zumal die Formkurve zuletzt eher nach unten zeigte.

Obwohl die Roten Bullen seit dem Restart nur ein Spiel verloren (0:2 gegen den BVB) haben, präsentierten sie sich speziell gegen vermeintlich kleine Gegner zu inkonstant und holten lediglich acht Punkte aus den vergangenen fünf Partien.

An dieser Stelle ist RB-Trainer Nagelsmann gefragt, nach der letztlich deutlich verpassten Meisterschaft, den Fokus wieder voll auf das sportliche Geschehen zu richten und das Team auf seine unnachahmliche Art mitzureißen. Dass er dies kann, stellte er vor der Corona-Pause eindrucksvoll unter Beweis. Im CL-Achtelfinale fegte RB als unbeschriebenes Blatt über den favorisierten Vorjahresfinalisten Tottenham Hotspur hinweg (1:0, 3:0).

Silberware konnte der 32-Jährige bei seinen bisherigen Stationen in Leipzig und bei der TSG Hoffenheim trotz großer Vorschusslorbeeren bislang jedoch noch nicht gewinnen.

Marcel Sabitzer von RB Leipzig

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CL: RB Leipzig rechnet sich Chancen aus

Und auch wenn sich die Chancen auf Europas Krone aufgrund des zum FC Chelsea abgewanderten Werner deutlich verschlechtert haben, sieht Stürmer Yussuf Poulsen sein Team auch aufgrund des neuen Turnierformats keineswegs chancenlos.

"Wir sind unter den letzten Acht. Als Underdog ist es leichter, drei Spiele zu gewinnen als fünf. Deswegen haben wir durch die neue Turnierform bessere Möglichkeiten", sagte der 26-Jährige in der "Bild".

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In die gleiche Kerbe schlug auch Keeper Peter Gulacsi im hauseigenen "BullenTV": "Es gibt den sogenannten Außenseitern noch größere Chancen. Die Erholungspause tut uns auch gut und wir können frisch in das Turnier gehen. Ich will so weit wie möglich kommen, denn ich spiele gegen die Besten am liebsten - aber erst am Ende."

CL: PSG oder Bergamo wartet im Halbfinale

In einem möglichen Halbfinale würde RB dann entweder auf Dortmund-Bezwinger Paris Saint-Germain oder Überraschungsteam Atalanta Bergamo treffen - eine erneut schwere, aber bei Weitem nicht unlösbare Aufgabe.

Personell stehen Nagelsmann darüber hinaus mit Patrik Schick und Angeliño, dessen Leihen bis Ende August verlängert wurden, weiterhin zwei Leistungsträger zur Verfügung.

"Wir haben die Option, mit zwei großen Stoßstürmern, zwei richtigen Kanten, zu spielen, was gegen den Atlético-Block auch nicht ganz verkehrt wäre", sagte Nagelsmann nach dem Trainingsauftakt und betonte: "Es kann auch sein, dass wir mit sehr vielen wuseligen Mittelfeldspielern auflaufen, quasi so spielen, wie Barcelona jahrelang gegen Atlético in der Liga gespielt hat."

Die vergangenen Auftritte auf internationalem Parkett haben durchaus gezeigt, dass Leipzig im Kollektiv einen Ausfall von Werner kompensieren kann. Der im Vergleich zum FC Bayern vermeintlich leichtere Weg ins Endspiel könnte sein Übriges für eine Europacup-Sensation tun.

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