Lionel Messi hatte beste Sicht.
14. August 2020, Lissabon. Im Viertelfinale der Champions League zwischen dem FC Bayern und dem FC Barcelona läuft die 62. Spielminute, da bekommt Alphonso Davies auf der linken Angriffsseite den Ball zugespielt.
Was folgt, versetzt die Fußballwelt ins Staunen: Davies vernascht nacheinander Messi, Arturo Vidal und den bemitleidenswerten Nelson Semedo, lässt auch noch Gerard Piqué stehen und legt schließlich Joshua Kimmich das 5:2 auf.
Champions League
Vor Duell mit Atlético: Flick bangt um Kimmich
20/10/2020 AM 12:57
Ein Weltklasse-Tor, das schönste auf dem Weg zum historischen 8:2. "Unglaublich", sagt Kimmich nach dem Spiel: "Ich habe mich fast geschämt, wie ich mich nach dem Tor gefreut habe, weil das natürlich zu 99 Prozent sein Tor war."
Spätestens nach dem Barcelona-Spiel ist klar: Der Roadrunner, wie ihn Thomas Müller taufte, ist in Rekordgeschwindigkeit auf der Weltbühne angekommen. Transfermarkt.de beziffert den Marktwert des 19-Jährigen nach dem Triple-Triumph trotz der Coronakrise auf 80 Millionen Euro.

Alphonso Davies findet sich auf der Bank wieder

Cut. Zwei Monate später hat Davies nun oft gute Sicht auf das Bayern-Spiel – weil er draußen sitzt und Lucas Hernández dabei zusieht, wie dieser die linke Seite der Bayern beackert. In kurzer Zeit haben sich die Machtverhältnisse auf Bayerns linker Abwehrseite verschoben.
Davies ist nun wieder der Herausforderer für den 80-Millionen-Transfer. Ein heißes Duell in Bayerns 80er-Zone.
Das liegt zum einen an Hernández, der, endlich verletzungsfrei und fit, gute Leistungen zeigt. "Das vergangene Jahr war sehr kompliziert mit meinen Verletzungen und Operationen", erzählte er am Dienstag. Er habe lange gebraucht, um sich einzugewöhnen.

Lucas Hernández sammelt Pluspunkte

Nun aber fühle er sich bereit zu glänzen: "Ich versuche, mich gut in die Mannschaft einzubringen und das Vertrauen des Trainers und des Klubs zu rechtfertigen." So wie in Bielefeld, als er auf der linken Seite oft angespielt wurde (102 Ballkontakte), mutig nach vorne verteidigte und auch offensiv Akzente setzte (zehn Flanken).
"Lucas hat in den Spielen eine sehr stabile Leistung gebracht. Er ist auf einem sehr guten Level, tut uns mit seiner Aggressivität gut", sagte Flick. Der französische Weltmeister bringe einfach "eine gewisse Qualität gegen den Ball" mit. "Ich bin sehr zufrieden mit ihm."
Zum anderen liegt es aber auch an Davies, der nicht gut aus den Startlöchern gekommen ist, schon zu Saisonbeginn überspielt wirkte.

Davies im Tief

"Die vielen Spiele der letzten Saison und in der Champions League, die sehr, sehr intensiv waren, dann die kurze Pause - es ist für einen so jungen Spieler wie Davies nicht so einfach, damit umzugehen", deutete Trainer Hans-Dieter Flick den Substanzverlust des Youngsters nach dem 4:1 in Bielefeld an.
Am Dienstag wurde Flick konkreter. "Alphonso Davies hatte vielleicht ein bisschen ein Tief", sagte der Bayern-Coach. Den kometenhaften Aufstieg vom Talent, das vornehmlich in der dritten Liga zum Einsatz kommt, zum gehypten Triplesieger müsse der Kanadier aktuell noch "verarbeiten", so der Bayern-Coach, "und wir müssen ihn dabei unterstützen und helfen".
Kam Davies 2019/20 noch auf dreimal mehr Pflichtspielminuten als Lucas Hernández (3421:1119), haben sich 2020/21 die Vorzeichen geändert: Hernández (434 Minuten) stand bisher länger auf dem Platz als Davies (380). Aggressivität schlägt Tempo.

Lucas Hernández (r.) vom FC Bayern München

Fotocredit: Getty Images

Davies fehlt die mentale Frische

Davies sei, so machte es Flick klar, im Tripletrubel ein wenig aus der Spur geraten und brauche offenbar Zeit, bis er wieder die Leistungen aus dem Vorjahr im Drei-Tages-Rhythmus abrufen könne.
"Das ist für so einen jungen Spieler nach so einer überragenden Saison vielleicht auch ein bisschen normal", mutmaßte der Trainer.
Um seine Stärken - Geschwindigkeit, Handlungsschnelligkeit, Dynamik - wieder ins Bayern-Spiel einbringen zu können, brauche der 19-Jährige "eine gewisse Fitness und mentale Frische", erklärte Flick. Was Davis aktuell offensichtlich nicht habe.
Im Abschlusstraining vor dem Atlético-Spiel (Mittwoch ab 21:00 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de) habe der Linksverteidiger jedoch schon wieder eine gute Reaktion gezeigt, meinte sein Coach: "Das hat mir sehr gut gefallen. Er war viel präsenter als in den Spielen zuvor."

Hernández' Qualitäten gefallen Flick

Gegen die Spanier wird Flick aber sehr wahrscheinlich erneut auf Hernández setzen. Dafür spricht dessen aktuelle Form und die Tatsache, dass es gegen den Ex-Klub des 24-Jährigen geht. Das kitzelt normalerweise die letzten Prozente heraus.
"Wir sind beide gute Spieler", meinte der Franzose am Dienstag salomonisch. "Wir verstehen uns gut, die Entscheidung trifft einzig der Trainer. Und momentan vertraut er mehr auf mich."

Hernández: "Würde auf dem Platz sterben, wenn es nötig ist"

Schon nach dem Supercupsieg gegen Dortmund hatte Flick Hernández als "absoluten Fighter" gerühmt. "Er tut uns gut, weil er auch die gewisse Härte hat, die man braucht in solchen Spielen. Ich finde, dass er angekommen ist", sagte der Trainer.

Alaba und Hernández aktuell vor Davies

Hernández selbst sehe sich zwar nach wie vor eher als Innenverteidiger, er finde sich aber "auf beiden Positionen zurecht". Da David Alaba links innen weiterhin gesetzt ist, spielt Hernández bei Bayern also meist in der Rolle, in der er mit Frankreich 2018 Weltmeister wurde.
Und nun auch mit dem nötigen Selbstvertrauen. "Ich möchte beweisen, was ich kann. Jetzt bin ich auch entsprechend fit, um das umsetzen zu können", sagt er.
Zum Nachteil des Roadrunners.
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