Seinen unerbittlichen Kampfgeist hatte Lucas Hernández nicht verloren.
Im Gegenteil: Die seit Dienstagabend offiziell gescheiterte Mission Titelverteidigung des FC Bayern schien ihn nur noch mehr angestachelt zu haben.
"Wir werden immer weiter kämpfen, sodass die Champions-League-Trophäe wieder nach Hause kommt", war auf dem Twitter-Kanal des 25-Jährigen zusammen mit dem obligatorischen "MiaSanMia" am Tag nach dem letztlich wertlosen 1:0-Sieg der Münchner zu lesen.
Bundesliga
Flick lässt Bayern zappeln: Wohl keine zeitnahe Entscheidung
15/04/2021 AM 15:08
Der französische Weltmeister war es auch, der in Paris als kämpferisches Vorbild voranging und damit maßgeblich dazu beitrug, dass - wenn auch mit etwas Glück - beim FCB letztlich hinten die Null stand.
"Natürlich ist es bei solch schnellen Stürmern immer mal drin, dass sie zu Chancen kommen", räumte Trainer Hansi Flick nach der Partie ein.
Die Rede dürfte selbstverständlich von den beiden PSG-Stars Kylian Mbappé und Neymar gewesen sein. Besonders Letzterer hatte gleich mehrfach die Chance, den Halbfinal-Einzug vorzeitig unter Dach und Fach zu bringen. Doch die Bayern-Defensive um Hernández hielt den Angriffen stand und damit das Spiel bis in seinen letzten Zügen offen.

Flick schwärmt von Hernández: "Herausragend"

Dabei stand ein Einsatz des französischen Weltmeisters aufgrund einer Rippenprellung, zugezogen im Hinspiel (2:3), bis zuletzt auf der Kippe.
"Lucas hatte Probleme, hat sich aber durchgebissen. Von der Mentalität her war es herausragend, wie er in das Spiel gegangen ist. Was er für die Mannschaft eingebracht hat, war top", schwärmte Flick von seinem Schützling.
Das Lob kam nicht von Ungefähr: Der Innenverteidiger gewann 71 Prozent seiner Zweikämpfe und damit nach Nebenmann Jérôme Boateng (83 Prozent) die zweitmeisten direkten Duelle auf Seiten des FC Bayern. Darüber hinaus eroberte er mit Abstand die meisten Bälle (12) und brachte starke 87 Prozent seiner Pässe an den Mann.

Neymar (links; PSG) im Zweikampf mit Lucas Hernández (FC Bayern)

Fotocredit: Getty Images

Hernández im Zentrum nur zweite Wahl

Kurzum: Ein rundum gelungener Auftritt für Hernández, der aufgrund der Personalrochade in der Münchner Defensive zuletzt fast ein wenig in Vergessenheit geraten war.
Besonders in den Schlüsselspielen setzte Flick im Abwehrzentrum vermehrt auf das Duo David Alaba und Boateng oder wie im ersten Aufeinandertreffen mit PSG auf Niklas Süle. Hernández musste dagegen häufig auf links hinten ausweichen. In seinen 31 Pflichtspielen in der laufenden Spielzeit kam der einstige 80-Millionen-Euro-Neuzugang gerade einmal achtmal im Zentrum zum Einsatz.
Dass der französische Weltmeister beim Gastspiel in Paris endlich in der Innenverteidigung auflaufen durfte, wofür er eigentlich ursprünglich vorgesehen war, war der Tatsache geschuldet, dass Abwehrchef Alaba für den angeschlagenen Leon Goretzka (Oberschenkelzerrung) ins defensive Mittelfeld vorrückte.

FC Bayern: Wer ersetzt Alaba und Boateng?

Apropos Alaba: Der 28-Jährige wird den Verein genau wie Boateng im kommenden Sommer verlassen, weshalb der FC Bayern händeringend nach einem neuen Taktgeber in der Defensive sucht.
Mit Dayot Upamecano, der im Juli für die festgeschriebene Ablösesumme von 42,5 Millionen Euro von Meister-Konkurrent RB Leipzig an die Säbener Straße stoßen wird, steht bereits ein legitimer Nachfolger bereit. Allerdings wird der junge Franzose erst eine gewisse Eingewöhnungszeit brauchen, wie auch Ex-Bayern-Star Holger Badstuber bestätigte.
"So ein junger Spieler kommt nicht zu Bayern und ist gleich Leader. Ich höre ihn nicht. Du kannst kein Leader sein, wenn du so ruhig bist", betonte der Profi des VfB Stuttgart im "Bild"-Podcast "Bayern-Insider".

Jérôme Boateng, Lucas Hernández und David Alaba (von links) - FC Bayern

Fotocredit: Getty Images

Hernández als großer Profiteur?

Blieben somit noch Hernández und Niklas Süle, wobei der Verbleib des deutschen Nationalspielers in München nach den jüngsten Aussagen von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ("Er hat im Sommer noch ein Jahr Vertrag. Es werden Gespräche geführt und dann wird man sehen.") alles andere als gesichert ist.
Hernández' Gala-Auftritt in Paris könnte somit genau zur rechten Zeit gekommen sein, um die Verantwortlichen davon zu überzeugen, die Zügel in der Defensive in Zukunft in seine Hände zu legen.
Genau dafür wird der ehemalige Madrilene auch in den verbleibenden sechs Saisonspielen des FC Bayern kämpfen.
Alles andere wäre ohnehin gegen das Naturell des 25-Jährigen.
Das könnte Dich auch interessieren: Bayerns Aus - und jetzt? Es deuten sich schmerzhafte Einschnitte an

Bayern-Coach Flick: Darum hat es nicht fürs Halbfinale gereicht

Serie A
Verstärkung für die Defensive: Bayern will offenbar Gosens
15/04/2021 AM 08:15
Bundesliga
Gespräche mit dem FC Bayern? Das sagt RB-Trainer Nagelsmann
14/04/2021 AM 13:32