Manchester City darf dank einer furiosen zweiten Halbzeit vom erstmaligen Einzug ins Champions-League-Endspiel träumen.
Mit Nationalspieler Ilkay Gündogan in der Startelf gewann der Topfavorit beim Vorjahresfinalisten Paris Saint-Germain nach Rückstand noch 2:1 (0:1) und stieß vor dem Halbfinal-Rückspiel am Dienstag (21:00 Uhr im Liveticker) das Tor nach Istanbul weit auf.
Kevin De Bruyne (64.) und Riyad Mahrez (71.) erzielten im Duell der Milliarden-Klubs die wichtigen Auswärtstore für City. Verteidiger Marquinhos (15.) hatte die Franzosen, bei denen Julian Draxler und Thilo Kehrer nicht zum Einsatz kamen, zunächst in Führung gebracht.
Champions League
Fiese Tritte im Halbfinale: Hätte auch De Bruyne Rot sehen müssen?
28/04/2021 AM 22:09
City, das wie PSG noch nie die Königsklasse gewonnen hat, setzte mit dem 18. Auswärtssieg in Folge seine unglaubliche Serie fort.
Drei Dinge, die uns auffielen.

1. Der Schlüssel zum Sieg

Paris Saint-Germain war in den ersten 45 Minuten in geradezu monströser Form. Der Ball lief geschmeidig durch die Reihen, der Gegner überraschend nur hinterher. Im Vergleich zu den Antritten von Neymar, Mbappé und Di María wirkten die Jungs von Pep Guardiola wie Angsthasen. Die Führung für PSG war nur folgerichtig. Es war, als würde ManCity mit den eigenen Waffen geschlagen werden: Ballbesitz, Passsicherheit, Torgefährlichkeit.
Doch Pep Guardiola bewies, dass er nach wie vor ein taktisches Genie ist. Stück für Stück beorderte er seine Mannschaft als Verbund nach vorne, das Pressing wurde intensiver. Plötzlich leistete sich PSG vermehrt Ballverluste. Zunächst hielten sie noch dagegen, allerdings drehte sich das Spiel im zweiten Abschnitt komplett. "Wir haben langsamer gespielt, die Ruhe behalten", resümierte Citys Offensiv-Antreiber Kevin De Bruyne.

PSG - Manchester City

Fotocredit: Getty Images

Natürlich war bei seinem Treffer und dem Freistoß-Tor durch die Mauer von Mahrez Glück dabei, doch das hatten sich die Gäste bis dahin auch erarbeitet. "Es war eine Konsequenz unserer Spielweise", resümierte Guardiola mit einem Gewinnerlächeln.
Ein Schlüssel zum Sieg war auch, dass der "Monster-Sturm" von Paris vom eigenen Mittelfeld getrennt wurde. Es kamen schlicht keine Zuspiele mehr durch. Mbappé hatte am Ende sogar weniger Ballkontakte (30) als die beiden Torhüter Keylor Navas (PSG, 53) und Ederson (City, 31).
Neymar wurde in für ihn nervige Zweikämpfe verwickelt, während sich bei dessen Teamkameraden der Frust zusehends mehr aufstaute. Am Ende bestand kein Zweifel mehr am Sieg von City, das jetzt eine hervorragende Ausgangsposition hat und erstmals ins Champions-League-Finale einziehen könnte.

2. De Bruyne liefert einfach ab

Es gibt immer noch einige, die sich wundern, wenn Pep Guardiola sein Team ohne echten Angreifer aufstellt. Auch gegen Paris verzichtete er auf einen nominellen Stürmer: Gabriel Jesus, Sergio Agüero und Raheem Sterling hockten auf der Bank. Dabei ist die Erfolgsformel für ManCity doch oft so einfach: Kann De Bruyne aufdrehen, läuft es wie von selbst.
Der ehemalige Bundesliga-Star ist der Dreh- und Angelpunkt in der City-Offensive. Nahezu jeder Angriff läuft über den Blondschopf. Seine Spielweise zeichnet sich vor allem durch Klarheit aus, durch unbändigen Zug zum Tor. Es ist eine Augenweide für jeden Fußball-Fan.

Kevin De Bruyne feiert sein Tor gegen PSG

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So ist es fast egal, ob vor De Bruyne nun ein Mittelstürmer spielt oder nicht. Oder anders gesagt: Mit drei wendigen Angreifern á la Phil Foden, Bernardo Silva und Riyad Mahrez vor De Bruyne scheint ManCity sogar noch weniger ausrechenbar.
Dazu liefert De Bruyne einfach konstant wichtige Tore ab. Sieben seiner insgesamt zehn Champions-League-Tore schoss er in der K.o.-Phase. Sowohl im Achtelfinale gegen Gladbach als auch im Viertelfinale gegen Dortmund traf er in dieser Saison. Und eben jetzt gegen PSG. "Ich schlage eine Flanke. Keiner berührt den Ball. Die Flanke kommt perfekt in die Ecke. War schwer für den Torwart zu halten. Das war ein bisschen Glück, aber gut für uns", kommentierte De Bruyne sein Tor.
Einziger kleiner Fleck auf De Bruynes Leistung, der zudem zum "Man of the Match" gewählt wurde, war sein überhartes Einsteigen gegen Danilo (86.), für das er auch hätte Rot sehen können.

3. Die Grenzen von Paris

Die Leistung in den ersten 45 Minuten war nahe an der Perfektion. In dieser Form und mit dieser Qualität, die dort von PSG präsentiert wurde, konnte es eigentlich keinen anderen Favoriten auf den Titel geben. Neymar ist in einer Top-Verfassung, Mbappé bringt unmenschliche Geschwindigkeit in die Angriffe und Di María Geistesblitze. Vor dieser Offensive zittert jeder Gegner zurecht.
Allerdings hakt das System dahinter. Wird die Zufuhr von Bällen durch konsequentes Gegenpressing wie von City oder auch im Viertelfinale vom FC Bayern gestoppt, hängen die Stürmer nur noch in der Luft. Werden sie dann auch noch in Zweikämpfe gezwungen, liegen die Nerven oft total blank.

Kylian Mbappé

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Es fehlt ein kühler, ordnender Kopf im Team. Marco Verratti oder Idrissa Gueye, der nach einem üblen Tritt gegen Ilkay Gündogan Rot sah (77.), sind das gewiss nicht. Und wer außerdem ein solches Freistoß-Tor wie das von Mahrez kassiert, hat auch nichts in einem Champions-League-Finale verloren.
Trainer Mauricio Pochettino blieb letztlich nichts anderes übrig, als mit den Patzern zu hadern: "Wir sind extrem unzufrieden mit den Gegentoren. Es ist hart zu akzeptieren, dass das ausgerechnet in einem Halbfinale passiert – das schmerzt richtig."
Im Rückspiel bleibt ihm und seinem Team nur die Flucht nach vorne. Gut möglich, dass seine Heißsporne dabei ins offene Messer laufen.

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