Alle diesjährigen deutschen Starter in der Champions League (Bayern München, Borussia Dortmund, RB Leipzig und Borussia Mönchengladbach) wollen nicht in der Super League mitmachen, die Europäische Fußball-Union (UEFA) hat mit der Reform der Königsklasse gekontert. Die am Montag von insgesamt zwölf englischen, spanischen und italienischen Top-Klubs gegründete Super League sorgt für große Diskussionen und heftigen Widerstand.
"Die Super League ist ein schändlicher und eigennütziger Vorschlag, ein Schlag ins Gesicht all derjenigen, die den Fußball lieben. Es geht um Gier, Eigennutz und Narzissmus einiger Personen. Wir sind alle vereint gegen diesen Nonsens eines Projekts", sagte UEFA-Präsident Aleksander Ceferin, dessen Verband am Montag trotz allem die bereits vorher geplanten Neuerungen bei der Champions League verabschiedet hat.
"Meiner Meinung nach müssen die Teams und Spieler von all unseren Wettbewerben ausgeschlossen werden. Es wird ihnen auch nicht mehr erlaubt sein, für ihre Nationalmannschaften aufzulaufen", sagte Ceferin weiter. Ob dies schon bei der EM im Sommer gelten werde, könne er noch nicht sagen.
Champions League
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Laut BVB-Vorstandsboss Hans-Joachim Watzke war es die "klare Meinung" in der Chefetage der europäischen Klubvereinigung ECA, "dass man die Pläne zur Gründung einer Super League ablehnt".

Super-League-Gründer wollen Bayern und den BVB angeblich dabei haben

Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge rief zu Solidarität auf und versicherte, dass sich die Münchner nicht an den Planungen beteiligt hätten: "Wir sind davon überzeugt, dass die aktuelle Statik im Fußball eine seriöse Basis garantiert." Bayern-Trainer Hansi Flick fände eine Super League einfach "nicht gut für den europäischen Fußball."
Doch die zwölf Initiatoren hätten Bayern und Dortmund wohl gerne dabei. Wie der "Spiegel" berichtet, sind die beiden deutschen Topvereine von den Gründern als feste Teilnehmer der Super League gewünscht. Dies gehe aus dem Rahmenvertrag hervor, der dem Magazin vorliegt.
Beide Vereine sollen bereits eine Einladung zur Super League erhalten haben, zur Zusage gibt es angeblich ein Ultimatum von 30 Tagen.
RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff sagte auf "SID"-Anfrage, dass Leipzig die Pläne zur Gründung einer Super League ablehnt.

Gladbach-Verantwortlichen schießen gegen Super-League-Gründer

Voll auf Konfrontationskurs zu den "Big 12" ging Borussia Mönchengladbach. "Es ist zynisch und heuchlerisch zu behaupten, dies sei ein Schritt zum Wohle des Fußballs", sagten Sportdirektor Max Eberl und Geschäftsführer Stephan Schippers: "Wir werden dafür kämpfen, dass die beteiligten Klubs von allen Wettbewerben auf nationaler und internationaler Ebene ausgeschlossen werden."
Ausdrücklich gelobt wurden die Bundesligisten für ihre Position von der UEFA. "Wir danken den Klubs in anderen Ländern, insbesondere den französischen und deutschen Klubs, die sich geweigert haben, sich dem anzuschließen", ließ die UEFA wissen: "Wir fordern alle Fußballliebhaber, Anhänger und Politiker auf, gemeinsam mit uns gegen ein solches Projekt zu kämpfen. Dieses anhaltende Eigeninteresse einiger weniger hat zu lange gedauert. Genug ist genug."
In ihrem "Kampf" steht die UEFA nicht allein. Die sonst so zerstrittenen Vertreter aus den verschiedenen Lagern haben sich zusammengefunden.
Neben dem Weltverband FIFA machen die großen Verbände wie der Deutsche Fußball-Bund (DFB), die wichtigsten Ligen wie die Deutsche Fußball Liga (DFL) und die Fangruppierungen gemeinsam Front gegen die Super League.

Super-League-Organisatoren wappnen sich für juristische Auseinandersetzungen

Die FIFA erklärte ihre "Missbilligung einer geschlossenen europäischen 'Ausreißerliga' außerhalb der internationalen Fußballstrukturen". Diese Missbilligung und der bereits zuvor ausgesprochene Bann von Klubs sowie Spielern für internationale Wettbewerbe und Turniere wie der WM-Endrunde dürfte zwangsläufig zu juristischen Auseinandersetzungen führen, für die sich beide Seiten bereits wappnen.
So haben die Organisatoren der Super League "vor den zuständigen Gerichten" einen Antrag gestellt, um "die reibungslose Einrichtung" des Wettbewerbs sicherzustellen.
Die internationalen Medien ahnen bereits, wohin das führen wird. "Fußball im Krieg. Die Entscheidung droht den englischen Fußball zu spalten", schrieb die englische "Daily Mail". Nach Ansicht des "Guardian" kann "nur jemand, der Fußball wirklich hasst", hinter der Super League stehen.

Was machen Thomas Tuchel, Jürgen Klopp und Pep Guardiola?

Die italienische "Gazzetta dello Sport" warf ECA-Boss Andrea Agnelli vor, dass er die UEFA wie die ECA "verraten" habe. "Le Monde" aus Frankreich will erkannt haben, dass "die Wölfe aus dem Wald" gekommen sind.
Bei diesen "Wölfen" stehen unter anderem die Top-Trainer Jürgen Klopp (FC Liverpool), Thomas Tuchel (FC Chelsea) und Pep Guardiola (Manchester City) unter Vertrag. Coach Bo Svensson vom FSV Mainz 05 sieht sie unter Druck. "Jürgen, Thomas und Pep stehen in der Pflicht", sagte Svensson: "So wie ich sie kenne, stehen sie für andere Werte - nicht für immer noch mehr Geld."
Geschäftsführer Rudi Völler von Bayer Leverkusen argumentierte ähnlich. "Für einen Klub, bei dem die Fans 'You'll never walk alone' singen, ist das beschämend", sagte der Weltmeister von 1990 in Richtung Liverpools. Die Super League bezeichnete Völler in der "Bild" als "Verbrechen am Fußball".

Fan-Bündnis ProFans hofft auf "reinigendes Gewitter"

Das Fan- und Ultragruppen-Bündnis ProFans sieht das Konstrukt als "Horrorvision", erhofft sich aber zugleich einen neuen, puren Fußball. "Es wäre vielleicht ein reinigendes Gewitter. Wenn wir hinterher eine Spaltung haben, haben wir vielleicht einen Teil, von dem wir sagen: Da sind wir wieder mit dem Herzen dabei", sagte Sprecher Sig Zelt dem "SID".
Im Sinne der Fans hat auch die Spitze der EU-Kommission die Gründung der europäischen Super League heftig kritisiert. "Wir müssen ein werteorientiertes europäisches Sportmodell verteidigen, das auf Vielfalt und Inklusivität basiert", twitterte der griechische Kommissions-Vizepräsident Margaritis Schinas: "Es gibt keinen Spielraum dafür, es für die wenigen reichen und mächtigen Vereine zu reservieren."
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