Zweimal 90 Minuten.

Neben Kapitän Toni Kroos, Antonio Rüdiger und seinem PSG-Teamkollegen Thilo Kehrer war Julian Draxler einer von vier Spielern, die in der Nations League sowohl gegen Spanien (1:1) als auch in der Schweiz (1:1) in beiden Duellen über die volle Distanz auf dem Platz standen.

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10/09/2020 AM 09:01

Julian Draxler (mitte) im Länderspiel gegen die Schweiz in Aktion

Fotocredit: Getty Images

In Paris war dies in der nach 27 Spieltagen vorzeitig abgebrochenen Ligue 1 in der vergangenen Saison nur einmal der Fall. Dort absolvierte Draxler im November nacheinander die beiden Partien in Brest (2:1) sowie gegen Lille (2:0).

Zumeist war der heute 26-Jährige aber nicht mehr als Rollenspieler. Zwar verpasste er einige Spiele mit einer Fußverletzung sowie einer Viruserkrankung. Insgesamt nur 22 Pflichtspiel-Einsätze für den französischen Abo-Meister in der Saison 2019/20 sind jedoch viel zu wenig für Draxlers Ansprüche.

Oftmals agierte er in jenen 22 Partien nur als Kurzarbeiter. So wie in der Champions League. Am historischen Finaleinzug, dem ersten in der Pariser Klubgeschichte, hatte der gebürtige Gladbecker kaum einen Anteil. Draxler brachte es bei fünf Einsätzen gerade mal auf 65 Minuten. Ein Tor gelang ihm dabei weder in der Königsklasse noch in einem anderen Pflichtspiel.

"Die Spielzeit in Paris ist zu wenig. Bei der Nationalmannschaft habe ich immer meine Spiele gemacht, wenn ich fit war. Der Bundestrainer hat mir immer das Vertrauen geschenkt", wies Draxler im "ZDF" selbst auf seine unbefriedigende Situation im Verein hin.

PSG: Jogi Löw legt Julian Draxler Wechsel nahe

2017 kam der langjährige Schalker vom VfL Wolfsburg zu Paris Saint-Germain. Als damals 23-Jähriger und mit großen Erwartungen. Er wollte mit dem Schritt zu einem Topklub seine persönliche Entwicklung vorantreiben. Doch weder unter Thomas Tuchel noch unter Vorgänger Unai Emery war Draxler unangefochtener Stammspieler.

Gerade in der abgelaufenen Saison geriet er vermehrt aufs Abstellgleis. "Es wäre wichtig, einen Schritt zu machen, wo er regelmäßig spielt. Für Julian wäre es gut, wenn er Woche für Woche im Einsatz ist", legte Bundestrainer Jogi Löw Draxler einen Wechsel ungewöhnlich klar nahe.

Julian Draxler (l.) und Bundestrainer Joachim Löw im Gespräch

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Ein Abschied aus der französischen Hauptstadt würde ihm laut Löw auch mit Blick auf seine Position in der Nationalelf "wahrscheinlich entscheidend helfen". Denn die Konkurrenz für Draxler ist bei seinem Verein ähnlich hoch wie beim DFB.

"Neymar, Mbappé – Tuchel setzt logischerweise auf diese Spieler", sagte Löw, merkte aber auch an: "Die Frage ist, ob Paris ihn gehen lässt." Laut der französischen Zeitung "Le Parisien" ist PSG bereit, Draxler für eine Ablöse von 20 Millionen Euro abzugeben. Sein Vertrag läuft 2021 aus.

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PSG: Interessenten für Julian Draxler stehen Schlagen

Interessenten soll es laut diverser Medienberichte genügend geben, besonders aus Deutschland und England. Angeblich steht Draxler bei Bayer Leverkusen, Hertha BSC, Ex-Klub Wolfsburg, dem FC Arsenal sowie Leeds United auf dem Zettel.

Wie "Le10sport" berichtet, soll vor allem die Werkself nach dem Abgang von Kai Havertz (FC Chelsea) "mit großer Beharrlichkeit" auf einen Transfer drängen. In Leverkusen würde Draxler Havertz positionsgetreu ersetzen.

Ein Problem stellt aber offenbar das üppige Gehalt des Offensivspielers dar. 7,2 Millionen Euro soll er derzeit bei Paris pro Jahr bekommen. Für einen Rollenspieler nicht gerade wenig. Für die finanzstarken Berliner, die Investor Lars Windhorst hinter sich haben, sowie den FC Arsenal, bei dem Draxler Mesut Özil ersetzen würde, sicherlich kein Hindernis.

Julian Draxler (rechts) mit PSG-Trainer Thomas Tuchel

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"Wir müssen reden und uns über die Situation unterhalten", sagte PSG-Trainer Tuchel bereits vor dem Finalturnier der Champions League in Lissabon in Richtung des Nationalspielers. Ein weiteres Zeichen, dass der deutsche Coach nicht mehr auf die Dienste von Draxler zählt. Aber was kann der Ex-Schalker einem Team bringen?

Draxler selbst, der in jungen Jahren vor allem auf der Zehner-Position oder auf dem Flügel zuhause war, sieht seine mittlerweile gewonnene Flexibilität als seinen größten Trumpf an: "Ich bin inzwischen ein Achter und habe in der vergangenen Saison teilweise auf der Sechs neben Marco Verratti gespielt. Ich bin bei PSG ein ganz anderer Spieler geworden."

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PSG: Julian Draxler vor wichtiger Entscheidung in seiner Karriere

In anderthalb Wochen wird Draxler bereits 27. Den Schritt zum Führungsspieler konnte er bislang auch aufgrund seiner limitierten Spielzeit nie vollziehen. Draxler wirkt wie ein ewiges Talent, dass den absoluten Durchbruch nie geschafft hat.

"2017 war er beim Confed Cup der Spieler des Turniers. Dass er viel kann, weiß man", meinte Löw vor Kurzem über den 26-Jährigen, den er damals in Abwesenheit einiger Führungsakteure zum Kapitän für das Turnier ernannte. Das Vertrauen des Bundestrainers hat er schon lange, bereits mit 20 Jahren nahm Löw ihn mit zur erfolgreichen WM 2014 und schenkte ihm einen Kurzeinsatz beim legendären Halbfinale gegen Gastgeber Brasilien (7:1).

Bester Spieler beim Confed Cup: Julian Draxler

Fotocredit: SID

"Der Bundestrainer kennt mich seit vielen Jahren, weiß was ich kann", macht Draxler im "ZDF" auf den Unterschied zwischen seiner Situation bei PSG und dem DFB deutlich. Draxler braucht das Vertrauen des Trainers, spürt er dieses nicht, sieht man ihm auf dem Rasen das fehlende Selbstbewusstsein an.

Der Offensivspieler muss sich nun genau überlegen, welcher Karriereschritt für ihn der beste wäre. Denn der 26-Jährige will einerseits bei der EM 2021 und der WM 2022 eine tragende Rolle einnehmen, andererseits ist der nächste Vertrag wohl sein letzter langjähriger – und somit sportlich sowie finanziell enorm wichtig für seine Karriere.

Zunächst beginnt am Donnerstag (10. September, ab 21:00 Uhr im Eurosport Liveticker) für den Champions-League-Finalisten PSG aber erst einmal die Liga mit einem Spiel gegen RC Lens. Mit Julian Draxler im Kader.

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