Siebenmal Deutscher Meister, viermal Pokalsieger, einmal Champions-League-Sieger.

Die Bilanz von Thiago beim FC Bayern München nach seinem Wechsel 2013 vom FC Barcelona ist beeindruckend. In 235 Pflichtpartien lief der Mittelfeldstar im Bayern-Trikot auf, erzielte dabei 31 Tore und legte 37 weitere Treffer vor.

Bundesliga
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08/09/2020 AM 08:35

Doch vielmehr brillierte Thiago als unermüdlicher Taktgeber im Zentrum. Als Antreiber im Mittelfeld initiierte er die Angriffe mit klugen sowie maßgeschneiderten Pässen. Mit seinem Auge und seiner tollen Technik war er über Jahre der Motor im Bayern-Spiel.

Eine Vertragsverlängerung in München, wo sein Vertrag 2021 ausläuft, schien nur Formsache. Doch Anfang Juli der Schock: "Wir haben mit ihm seriös verhandelt. Doch es sieht so aus, dass er zum Ende seiner Karriere vielleicht noch einmal etwas Neues machen möchte", sagte Karl-Heinz Rummenigge der "Bild".

Der Bayern Boss bestätigte nach dem Triple-Gewinn in der "Welt am Sonntag", dass der Abschied des Spaniers bevorsteht: "Bei Thiago sieht es so aus, dass er uns verlassen möchte. Wir rechnen in diesen Tagen mit einem Angebot."

Thiago

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FC Bayern: Kimmich und Goretzka in der Zentrale gesetzt

Dass der wahrscheinliche Abgang Thiagos dem FC Bayern sportlich schmerzen wird, ist klar. Es gibt auch bereits von den Verantwortlichen Überlegungen, wie der 29-Jährige ersetzt werden soll. Auch wenn das Gerücht an der Säbener Straße kursierte, dass Inters Marcelo Brozovic als Thiago-Ersatz infrage käme, sehen die Bayern-Bosse genügend Qualität im eigenen Kader, um einen etwaigen Thiago-Abschied aufzufangen.

"Es muss nicht zwangsläufig sein, dass wir auf der Position etwas machen. Bei dem strammen Programm, das wir in der kommenden Saison vor uns haben, ist es wichtig, in der Breite gut besetzt zu sein", erklärte Rummenigge in einem Interview mit der "Abendzeitung".

Für die beiden zentralen Positionen im Mittelfeld im 4-2-3-1-System von Trainer Hansi Flick sind damit in erster Linie Joshua Kimmich und Leon Goretzka gemeint. Die beiden 25-Jährigen überzeugten gemeinsam auf der Doppelsechs in der abgelaufenen Triple-Saison und sind zudem gut befreundet.

Gesetzt in der Bayern-Zentrale: Leon Goretzka (l.) und Joshua Kimmich

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Hansi Flick setzt voll auf das eingespielte Duo, das auch gemeinsam in der deutschen Nationalmannschaft agiert. "Joshua spielt im defensiven Mittelfeld. Da kann er seine Qualitäten gut einsetzen und hat immer wieder Akzente nach vorne", erklärte der Bayern-Coach bei "Sky" die Vorzüge von Kimmich.

Als perfekte Ergänzung zu Spielmacher Kimmich passt Leon Goretzka als klassischer Box-to-Box-Spieler. "Leon hat seine Qualitäten. Gerade gegen den Ball merkt man seine Dynamik. Er hat eine gesunde Aggressivität und damit viele Ballgewinnen", meinte Flick bei "Sportbuzzer".

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FC Bayern: Corentin Tolisso erste Alternative für Thiago

Während Kimmich und Goretzka in der Zentrale gesetzt sind, haben andere Mittelfeldakteure die Chance, vom Thiago-Abgang enorm zu profitieren. Allen voran ist dabei Corentin Tolisso zu nennen.

Der französische Weltmeister kam in der abgelaufenen Triple-Saison trotz einer Knöchel-OP zwar auf 28 Pflichtspieleinsätze (4 Tore und 5 Vorlagen), doch Flick schenkte ihm nur achtmal über 90 Minuten das Vertrauen. In den fünf K.o.-Spielen der Champions League bekam er nur 42 Minuten Spielzeit.

Erste Alternative im zentralen Mittelfeld: Corentin Tolisso vom FC Bayern München

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"Wir sind froh, dass Corentin Tolisso zurückgekommen ist. Er war lange verletzt und deshalb selten in Bestform. Wir haben die Hoffnung, dass Coco viel Qualität ins Spiel bringt", erklärte Rummenigge in der "Abendzeitung" und fügte an: "Er ist einfach ein Spieler, der enorme Präsenz auf dem Platz hat, der Wege gehen kann und auch einen guten Torabschluss hat."

Bleibt Tolisso verletzungsfrei, ist er der erste Mann, auf den der FC Bayern bei einem Thiago-Abschied setzt. Weitere Alternativen sind Michaël Cuisance sowie Rückkehrer Adrian Fein.

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FC Bayern: Cuisance und Fein als Perspektivspieler

Cuisance kam 2019 aus Gladbach und kam im Liga-Schlussspurt vermehrt zum Einsatz. Flick lobte den jungen Franzosen für seine "Mentalität" und seine "positive Entwicklung". In der Bundesliga ist der 21-Jährige gegen schwächere Gegner definitiv eine echte Alternative, ob er schon Champions-League-Format besitzt, muss Cuisance erst noch beweisen.

Fein agierte in den vergangenen beiden Jahren für Jahn Regensburg und den Hamburger SV in der 2. Bundesliga jeweils als Leihspieler. In Regensburg entwickelte er sich zur Stammkraft, beim HSV gar zum Leistungsträger. Ebenso wie Cuisance gilt Fein als Perspektivspieler.

Michaël Cuisance (Bayern Munich)

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"Adrian ist sehr talentiert. Er wurde bei uns ausgebildet und hat sich nun auch in seinen ersten beiden Profijahren sehr gut entwickelt. Jetzt hoffen wir, dass er den nächsten großen Schritt bei uns in München macht", sagte Sportvorstand Hasan Salihamidzic über den deutschen U21-Nationalspieler. Beim großen FC Bayern wird Fein sich aber zunächst hinten anstellen und auf seine Chance warten müssen.

Zwei Spieler, die eigentlich in der Abwehr zuhause sind, wären dagegen nur Notlösungen im defensiven Mittelfeld. David Alaba hat sich unter Flick zum Abwehrchef entwickelt und ist neben Niklas Süle in der Innenverteidigung gesetzt, sofern er denn in München bleibt.

Neuzugang Tanguy Nianzou Kouassi ist auch für die Innenverteidigung eingeplant, kann aber wie Alaba auch im Mittelfeld aushelfen. Der 18-Jährige zog sich laut "Bild" im Training eine Oberschenkelverletzung zu und wird angeblich die ersten sechs Wochen zunächst einmal zuschauen müssen.

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FC Bayern: Thiago lässt Hintertüre für Verbleib offen

Javi Martínez, Schlüsselspieler unter Jupp Heynckes beim ersten Bayern-Triple 2013 und ebenfalls im zentralen Mittelfeld zuhause, wird den Klub nach acht erfolgreichen Jahren wohl verlassen und zu seinem Ex-Klub Athletic Bilbao zurückkehren. Der Spanier spielt in den Planungen von Flick keine Rolle mehr. "Wir werden ihm keine Steine in den Weg legen", machte Rummenigge in der "Welt am Sonntag" deutlich.

Wird den FC Bayern wahrscheinlich verlassen: Javi Martínez

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Eine kleine Hoffnung bleibt dem FC Bayern aber noch, dass Thiago sich doch noch für einen Verbleib entscheidet und somit die Nachfolge des 29-Jährigen noch nicht geklärt werden muss. "Ich habe nie gesagt, dass ich Bayern verlasse", ließ sich der Spanier auf der Pressekonferenz vor dem Spiel in der Nations League gegen die Ukraine (4:0) nicht in die Karten schauen.

Fest steht: Die Fußstapfen Thiagos wären trotz der hochwertigen Alternativen riesig.

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