Paris - Roubaix 2026: Hölle des Nordens sorgt für viele Defekte bei Superstars - Voigt kritisiert "zu viel Wissenschaft"

Paris - Roubaix ist immer ein Schaulaufen technischer Innovationen. Die berüchtigten Passagen auf dem Kopfsteinpflaster sorgen für andere Voraussetzungen an die Räder der Profis als bei anderen Rennen. Mehr Komfort und mehr Pannensicherheit sind die Ziele der Teams in der Hölle des Nordens. Trotzdem gab es zahlreiche Defekte - Experte Jens Voigt glaubt, dass die Wissenschaft zu weit geht.

Erst Platten, dann Sturz: Pechvogel Ganna am Boden

Quelle: Eurosport

Filippo Ganna hatte mehrfach Defekt und stürzte mit einem platten Hinterreifen. Mathieu van der Poel erlebte im Wald von Arenberg ein Rad-Fiasko und verlor dort die Chance auf einen historischen vierten Sieg in Serie. Auch die beiden besten des Tages, Wout van Aert und Tadej Pogacar, erlitten mehrfach einen Reifenschaden.
Selbst für Roubaix-Verhältnisse war die Defekt-Dichte auffallend. "Ich weiß nicht, ob es nur eine Ursache dafür gibt oder woran es lag, aber es waren auf jeden Fall zu viele Defekte", sagte Eurosport-Experte Voigt im Exklusiv-Interview.
Für den 54-Jährigen auch eine Frage der Prioritäten-Setzung: "Das Rennen ist 258 Kilometer lang, davon sind 55 auf Pavé-Sektoren. Also finden 80 Prozent des Rennens auf Asphalt statt. Das ist eine lange Zeit, die man nicht unterschätzen sollte. Wo liegt also die Priorität? Auch die Aerodynamik spielt eine große Rolle."
Der geringe Reifendruck, der durch moderne Tubeless-Systeme - also Reifen, die ohne einen Schlauch auskommen - möglich ist, soll auf den Kopfsteinpflasterpassagen für mehr Komfort sorgen. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von fast 50 km/h, so Voigt, sollte der Fokus aber mehr auf der Aerodynamik und Geschwindigkeitsvorteilen liegen.

Voigt: "Erkenntnisse, die im Labor, aber nicht in der Realität funktionieren"

"Vielleicht sollte man mit mehr Luftdruck fahren, was dann mehr schüttelt, aber eben pannensicherer ist", meinte der Experte: "Man ist da ein wenig am Scheideweg angekommen – zu viel Technik, zu viel Feintuning, zu viel Wissenschaft. Man übertreibt vielleicht mit Erkenntnissen, die im Labor gut aussehen, aber in der Realität nicht funktionieren."
Als Beispiel nannte er die Mannschaft Lidl-Trek. Die deutsche Equipe um Kapitän Mads Pedersen fuhr einen Tubeless-Reifen, in den aber innen eine Art Schlauch eingebaut wurde. Das Kalkül: Selbst wenn es zu einem Defekt kommen sollte, entweicht die Luft langsamer und die Stabilität für den Fahrer ist noch länger gegeben, sodass er weiterrollen könnte.
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Highlights: Dramen und Defekte - "Hölle des Nordens" bietet Spektakel

Quelle: Eurosport

"Sie dachten, sie wären damit unkaputtbar, aber Max Walscheid, Pedersen und so weiter hatten alle Defekt - die waren nicht mehr verschont als alle anderen", sagte Voigt. Ein enttäuschter Pedersen schob die Schuld für den verpassten Sieg mehr auf seine eigenen Beine als auf die Technik, tatsächlich standen aber auch viele Lidl-Fahrer hilflos am Straßenrand.
Paris - Roubaix bleibt - allen Innovationen zum Trotz - eine gewisse Lotterie. Nicht nur der stärkste Fahrer setzt sich durch, sondern auch der glücklichste. Das war in diesem Fall van Aert, der gleichzeitig seine große Erfahrung nutzen konnte, um möglichst energieschonend zur Spitze aufzuschließen.
Defekte auszuschließen ist in der Hölle des Nordens fast unmöglich, wie auch der dreifache Sieger van der Poel im Ziel einsehen musste. Am Eurosport-Mikrofon gefragt, wie es zu seinen Defekten im Wald von Arenberg kam, sagte er lapidar: "So wie sich alle anderen auch den Reifenschaden eingefangen haben."
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Drama im Wald von Arenberg: Philipsen opfert sich für Van der Poel

Quelle: Eurosport


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