Paris - Roubaix 2026: Jens Voigt exklusiv - "Mathieu van der Poel war der stärkste Fahrer in der Hölle des Nordens"
Update 14/04/2026 um 08:10 GMT+2 Uhr
Die 123. Austragung von Paris - Roubaix bot Spektakel: Zahlreiche Defekte, Attacken und Aufholjagden, die Superstars lieferten sich einen epischen Kampf. Mit Wout van Aert sah das Velodrom in Roubaix einen emotionalen, würdigen Sieger. Der Eurosport-Experte Jens Voigt ließ das Rennen im Exklusiv-Interview noch einmal mit allen Dramen, Defekten und Überraschungen Revue passieren.
Highlights: Dramen und Defekte - "Hölle des Nordens" bietet Spektakel
Quelle: Eurosport
Van Aert reckte auf dem Zielstrich seinen Finger in die Höhe, im Gedenken an seinen verstorbenen Teamkollegen Michael Goolaerts. Ein emotionaler Abschluss eines denkwürdigen Rennens. "Ich habe selten so einen verdienten Sieger gesehen", meinte auch Voigt im exklusiven Interview.
Der Experte ging auch auf den zweitplatzierten Tadej Pogacar ein. Der slowenische Überflieger verpasste es knapp, zum amtierenden Sieger bei allen fünf Monumenten zu avancieren - das ist noch keinem Radfahrer in der Geschichte gelungen.
Macht das Hoffnung für die Konkurrenz, der Superstar ist schlagbar? "Nein", sagte Voigt, "Pogacar bleibt Pogacar." Ohne Defekte und das unglaubliche Pech im berüchtigten Wald von Arenberg hätte Voigt aber einen anderen Sieger gesehen: "Van der Poel war der stärkste Fahrer des Tages."
Das Fiasko um das unpassende Rad seines Teamkollegen Jasper Philipsen ließ Voigt sprachlos zurück: "Roubaix ist nicht der richtige Ort für Experimente", kritisierte er die verschiedenen Pedalsysteme bei Alpecin-Premier Tech.
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Episches Duell im Velodrom: Van Aert schlägt Pogacar im Sprint
Quelle: Eurosport
Es war ein episches Paris – Roubaix, ein Rennen, das viel geboten hat. Wie hast Du den Sieg von Wout van Aert gesehen?
Jens Voigt: Großartig. Er hat ein Monument gewonnen, Mailand – Sanremo 2020. Seitdem hat er auch viel Pech und gesundheitliche Probleme gehabt, ist gestürzt und so weiter. Er war immer Zweiter bis Sechster – er war immer da, aber das letzte Bisschen hat ihm gefehlt. Seine Niederlage bei Dwars door Vlaanderen, als ihn Filippo Ganna 50 Meter vor dem Ziel noch gestellt hat, war ein Symbolbild für seine vergangenen Jahre. Jetzt hat er diesen Fluch abgeschüttelt und einen großen Klassiker gewonnen. Und das mit viel Kampf, viel Drama, er hatte ja auch zwei Defekte und musste das Rad wechseln. Ich habe selten einen so verdienten Sieger gesehen wie Wout van Aert.
Ist dieser Sprintsieg von van Aert gegen Pogacar ein Signal an den gesamten Radsport, dass man diesen Mann schlagen kann, dass es sich lohnt zu kämpfen?
Voigt: Ist es nicht. Pogacar bleibt Pogacar. Alle Fahrer, auch Wout brauchten viel Glück mit Defekten. Mathieu van der Poel war der stärkste Fahrer im Rennen. Das konnte man sehen, als er das Zwei-Minuten-Loch fast wieder zugefahren ist. Er hatte wahnsinnig Pech noch mit dem Radwechsel, als er das Rad wegen der verschiedenen Pedalsysteme nicht nutzen konnte. Auch Pogacar stand lange und ist auf der neutralen Shimano-Maschine unterwegs gewesen, hat dann wieder gewechselt. Das Rennen war für einige Fahrer schon beendet, als Pogacar wieder Defekt hatte. Da war das Rennen für einige schon vorbei, die wieder zurückkamen, weil das ganze UAE-Team für Pogacar gearbeitet hat. Sowas passiert nie wieder. So sehr ich van Aert schätze, wenn es anders läuft, wäre er wohl wieder Zweiter, Dritter oder Vierter geworden.
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Van Aert und Pogacar setzen sich ab - Pavé-Abschnitte fordern alle
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Das Rennen wurde durch zahlreiche Defekte geprägt. Am auffälligsten waren Pogacars Defekte mitsamt Wechsel auf ein Rad des neutralen Materialwagens und van der Poels Debakel im Wald von Arenberg. Wie beurteilst Du Pogacars Entscheidung?
Voigt: Ich war zunächst sprachlos, dass von vier Mannschaftskollegen keiner ein passendes Rad für ihn hatte. Er ist einer der Helden des modernen Radsports, ein Millioneninvestment für sein Team und natürlich der Kapitän. Es wunderte mich, dass keiner auf ihn gewartet hat oder einen Radtausch angeboten hat. Mit einem schnellen Wechsel wäre er sofort wieder vorne gewesen. Das war einer der Kardinalfehler, die Pogacar dieses Roubaix gekostet haben. Dann würde ich lieber das Laufrad wechseln als auf ein vollkommen fremdes Rad zu steigen, das nicht genau passt und ein anderes Set-Up hat. Das Risiko geht man eigentlich nicht ein.
Bei van der Poel war das Problem, dass er sich nicht in die Pedale seines Teamkollegen Jasper Philipsen einklicken konnte – wie kann so etwas passieren?
Voigt: Paris-Roubaix ist nach der Tour und der WM wahrscheinlich das wichtigste Rennen im Radsportkalender. Das ist nicht der richtige Tag für Experimente. Es gibt so viele Möglichkeiten für Defekte und Probleme am Rad und Stürze, es gibt so viele Unwägbarkeiten – dann minimiere ich doch alle Möglichkeiten, die ich selbst in der Hand habe. Das ist nicht der Moment für Innovationen, man kann das im Vorfeld testen, aber im Rennen sollten alle das gleiche System fahren. Die Fahrer sind natürlich unter Stress und es war gut gemeint von Philipsen, aber gut gemeint ist nicht immer gut gemacht.
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Pogacar: "Ich hatte nicht mehr die Frische in den Beinen"
Quelle: Eurosport
Wir haben ein richtiges Radrennen gesehen. Würdest Du ein Rennen wie dieses gerne häufiger sehen?
Voigt: Ja und nein. Ich habe die Widerstandsfähigkeit der Favoriten bewundert. Van der Poel wollte sein Rad am liebsten in die Ecke oder ins Auto schmeißen, aber er fährt weiter und kommt fast zurück. Van Aert und Pogacar haben Defekt, vieles geht schief, keiner hat aufgegeben. Der Spielraum für Fehler ist ja klein, wenn Pedersen Defekt hat, weiß er, dass er absoluten Superstars hinterherfahren muss. Ich fand toll, wie viel Charakter gezeigt wurde. Es war ausgeglichen, alle hatten Pech, keinem wurde etwas geschenkt. Teilweise gab es aber wettbewerbsverzerrende Momente. Am Ende waren die Namen vorne, die wir erwartet haben. Es war interessant, aber in Teilen unfair.
Van Aert ist 31 Jahre alt, er hatte viel Pech in der Vergangenheit, war auch dieses Jahr verletzt, jetzt gewinnt er dieses Rennen. Inwiefern kann ihm das einen Push geben für die Zukunft?
Voigt: Es gibt ihm inneren Frieden. Er hat nicht mehr das Stigma als Unvollendeter, der beste Fahrer der Welt, der die großen Rennen nicht gewinnen konnte. Das hat er abgeschüttelt. Ich weiß nicht, ob er noch einmal so ein Rennen gewinnen kann, aber er hat es gewonnen. Er könnte jetzt jederzeit aufhören. Die belgischen Medien müssen jetzt erstmal ruhig bleiben. All seine Entbehrungen wurden an diesem Tag zurückgezahlt. Es gibt keine schönere Happy-End-Geschichte als die für van Aert. Darum hat er auch diesen lebenslangen Vertrag bei Visma unterschrieben, weil er unersetzlich ist. Er ist immer da, gibt gute Interviews, er steht aufrecht in der Niederlage und ist demütig, wenn er gewinnt. Darum freue ich mich sehr, dass er gewonnen hat.
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Van der Poel: "Wusste, dass das Rennen vorbei war"
Quelle: Eurosport
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